Montag, 3. August 2026

Kirschblüte in der Freitagsbuchhandlung (1. Teil) von Sawako Natori / Sprecher: Bastian Korff


Hören - und Wohlfühlen  


Fumiya sucht schon sehr lange ein verlorenes Buch, das sein kranker Vater zurückhaben möchte. Seine Suche führt ihn in einen kleinen Buchladen, der Kunden angeblich immer genau das richtige Buch gibt. Für ihn wird dieser Laden schnell mehr als nur ein Ort zum Suchen. Er findet nicht nur das vermisste Buch, sondern auch seine eigene Liebe zum Lesen wieder. Vor allem wegen Makino, der Managerin, die mit ihrer ruhigen Art und ihrem Blick für Menschen sofort etwas in ihm öffnet.

Je häufiger Fumiya in die Freitagsbuchhandlung kommt, um so wohler fühlt er sich dort. Er fängt als Aushilfe an, lernt das ungewöhnliche Team kennen, das so unterschiedlich ist und trotzdem wie eine kleine Familie wirkt. Zwischen Regalen, Papierduft, Gesprächen und wilder junger Kundschaft entstehen Geschichten über Menschen und ihrer Bücher – und immer wieder ist es ein Buch, das einsamen Herzen hilft, Geheimnisse löst oder Freundschaften schließt. Man muss die erwähnten Titel nicht kennen, um sich von ihnen berühren zu lassen. Die Autorin schafft dies durch feine Details.

Durch den Hörbuchsprecher und die bildhaften Worte der Autorin konnte ich mir vieles direkt vorstellen: der Lagerraum voller Bücher in einem nie fertig gebauten U‑Bahn-Schacht, die fast magische Atmosphäre der Buchhandlung, die Leichtigkeit mit der Makino agiert und das Team, das so viel Herz mitbringt. Dazu die Büchertische, die man am liebsten selbst durchstöbern würde.

Fumiya ist ein stiller, schüchterner Charakter, und das Team bringt Charme und Menschlichkeit in die Geschichte. Die Freitagsbuchhandlung wird zu einem Ort, an dem man sofort bleiben möchte. 

Dieser Roman verspricht einen ruhigen entschleunigen Lesegenuss und versprüht pure Bücherliebe. Ein gelungener Auftakt dieser vierbändigen Reihe.

Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  27.02.2026
Verlag:  Hörbuch Hamburg
ISBN: 9783844946543
DAUER 7 Stunden, 37 Minuten





Sonntag, 2. August 2026

Fünf, sechs, sieben, acht Roman von Ewald Arenz


Alt werden ist nichts für Anfänger 


Ich liebe tanzen, aber Stepptanz ist für mich neu  – vor allem in Romanform. Anton, sechzig, Choreograf und Tänzer, nimmt seine Ideen aus der Natur. Regen, Wind, Stadtgeräusche alles wird zum Takt eines Tanzes. Ewald Arenz ist ein Meister dieser Beschreibungen. Man fühlt, wie Anton die Geräusche in Schritte umsetzt, hört das Klackern der Schuhsohlen. 

Anton liebt seinen Beruf und um so härter trifft es ihn, als ausgerechnet seine Tochter Emma seine Stelle am Theater bekommt. Dieser Schmerz, der Stolz, die Wut – alles gleichzeitig. Und darunter das Gefühl, älter zu werden, das sich nicht mehr wegschieben lässt. Anton wirft mit Vorwürfen um sich und plötzlich stehen Vater und Tochter sich fremd gegenüber.

Eine gemeinsame Reise nach Irland soll sie wieder zusammenbringen. Doch dort, auf der Spur Antons alter Liebe, kommt es zum Bruch und auch der Handlung tut dieser Handlungsstrang nicht gut. So richtig glaubwürdig konnte mir nicht vermittelt werden, was vor Jahrzehnten zwischen Jo und Anton geschehen ist. Allein die Erkenntnis dass Loslassen nicht bedeutet, allein zu sein – sondern von Menschen die man liebt, gehalten zu werden, versöhnt dann wieder. 

Die Passagen über Antons Alter waren mir etwas zu häufig. Die Sprache selbst transportiert dieses Gefühl schon so spürbar. "Vielleicht wurden Sehnsuchtsorte, die man nicht rechtzeitig besuchte und immer in einem Winkel des Herzens aufbewahrte, wie alte Briefe mit der Zeit einfach nur grau und feucht."

In der Mitte hat mich die Geschichte kurz verloren, aber das Ende hat mich zurückgeholt und versöhnt.

Für mich sagt der Roman: Du darfst dich verändern und älter werden. Du darfst dich verlieren – und wiederfinden. 

Von mir gibt es 4 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  16.06.2026
Verlag:  DuMont Buchverlag
ISBN: 9783755800576
Fester Umschlag
Seiten: 240





Donnerstag, 30. Juli 2026

Der andere Arthur von Liz Moore


Sehr berührend auf eine leise, aber intensive Art. Das Leben hat so viele Facetten, dass es immer wieder zu überraschenden Wendungen kommt. 


Mich hat Uve Teschners Stimme sofort in Arthurs Welt gezogen. Ein 58‑Jähriger, der sich hinter 300 Kilo und einem Leben im Stillstand versteckt – und doch so leise, so intensiv berührt. Arthur, gefangen in seinem Haus, gefangen in sich selbst. Als Charlene wieder Kontakt aufnimmt und ihn bittet, ihrem Sohn Kel zu helfen, gerät alles ins Wanken. Arthur, der sich so lange versteckt hat, muss plötzlich handeln. Und mit Yolanda, der neuen Haushaltshilfe, kommt nicht nur Ordnung ins Chaos, sondern auch eine Nähe zurück, die er längst verloren glaubte.

Parallel dazu Kel – jung, verloren, voller schwerer Erfahrungen. Zwei Leben, die kaum miteinander verbunden scheinen und doch eine Geschichte ergeben, die man nicht loslassen möchte. Auch wenn es an einigen Stellen Längen gab und ich Arthurs Gedanken nicht immer folgen konnte, hat mich die Stimme des Sprechers zum Weiterhören animiert. Und auch die quirlige unangepasste Yolanda hat Schwung in die Handlung gebracht.

Aus all der Trauer, den verpassten Möglichkeiten und der Verzweiflung entsteht etwas Unerwartetes: eine leise Wärme, ein zarter Funken Hoffnung, der sich langsam seinen Weg bahnt.

Ein Hörbuch, das zart erzählt wird und  Arthurs Geschichte eindringlich erlebbar macht.


Von mir gibt es 5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  13.02.2026
Verlag:  Der Audio Verlag
ISBN: 9783742436894
Dauer: 10 Stunden, 27 Minuten
Hörbuch ungekürzt





Dienstag, 28. Juli 2026

Der Ozean so wild und weit Roman von Malachy Tallack



Eigentliche wäre Jack gerne ein Countrysänger geworden, doch seine Geschichte verlief anders. Denn das Schicksal meint es nicht immer auf Anhieb gut mit einem . 


Ein Roman, der nicht laut sein muss, um zu berühren. Schon nach wenigen Seiten hatte ich dieses Gefühl, das ich so liebe: als würde die Geschichte sich mir direkt erzählen. Vielleicht liegt es daran, dass hier nicht nur Worte wirken – sondern auch Musik. Der Autor hat die Songs des Protagonisten selbst komponiert und aufgenommen. *#thatbeautifulatlanticwaltz* zu hören, während man liest, macht alles noch intensiver.

Jack, 60, Einzelgänger, verwurzelt in der rauen Schönheit der Shetlands, lebt ein stilles Leben – bis ein Karton mit einem Katzenkind vor seiner Tür steht. Mit Vaila, dem Nachbarsmädchen, das sich sehnlichst eine Katze wünscht, kommt Wärme in seinen Alltag. Und ohne es zu merken, öffnet er sich. Ein Mann, der seine Gefühle nur in Musik ausdrücken kann, findet langsam Worte für das Leben.

Die Rückblenden zu seinem Vater Sonny zeigen ein hartes, kompromissloses Leben auf einem Walfänger. Kurze, klare Sätze, die nachhallen. Statt langer Erklärungen gibt es handgeschriebene Songtexte – die Musik wird zum roten Faden: ungeschönt, direkt, ehrlich.

Besonders berührend ist Jacks Countrymusik, die auf den ersten Blick gar nicht zu den Shetlands passen will. Für ihn ist sie der einzige Weg, all das auszusprechen, was er selbst nicht sagen kann. Ein Roman über verpasste Chancen, unerwartete Möglichkeiten und die Frage, was uns wirklich glücklich macht.

Leseempfehlung für empfindsame Herzen.



Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  10.06.2026
Verlag:  Luchterhand
ISBN: 978-3-630-87791-4
Hardcover
Seiten: 288



Montag, 27. Juli 2026

Unser Sommer endet nie von Virginie Grimaldi


Eine berührende Hommage an die Geschwisterliebe

Zwei Schwestern, eine Familie, ein ganzes Leben voller Schatten und Licht. Dieses Buch hat mich sofort abgeholt – obwohl (oder gerade weil) die Thematik so schwer ist, fühlt man sich von der ersten Seite an geborgen. Emma und Agathe verlieren früh ihren Vater und werden danach von ihrer Mutter verletzt – körperlich wie seelisch. Das zu lesen tut weh. Und trotzdem liegt über der Geschichte eine Wärme, die einen durchatmen lässt.

Denn es gibt Mima.  

Das Baskenland.  

Das Meer, das rau ist.  

Die Menschen, die direkt sind.  

Und die Liebe, die dort ihren Platz findet.

Mima ist der sichere Hafen der beiden Mädchen, der Ort, an dem sie Kind sein dürfen. Doch die Wunden der Vergangenheit verschwinden nicht einfach. Sie wachsen mit ihnen, verändern sie, formen zwei völlig unterschiedliche Frauen: Emma, leise und vorsichtig. Agathe, wild, impulsiv, immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. In jeder Zeile spürt man dieses Band zwischen ihnen und dennoch trennen sie sich für Jahre.

Als Mima stirbt, führt der Verlust die Schwestern wieder zusammen. Ein letzter Sommer im Haus der Großmutter, durchzogen von Erinnerungen, Sehnsucht und der Hoffnung, dass alte Narben vielleicht doch heilen können. Die Autorin beschreibt das Meer, die Landschaft und das Lebensgefühl so eindringlich, dass man meint, selbst dort zu stehen. Die Rückblenden fügen sich wie Wellen aneinander, bauen Spannung auf, lassen etwas Unausgesprochenes zwischen den Schwestern schweben. Und als sich der Konflikt endlich löst, ist es unerwartet.

Dieses Buch hat mich tief berührt – vielleicht, weil ich selbst eine Schwester habe. Wir sind verschieden, aber wir haben auch gemeinsame Schatten, die uns verbinden. „Unser Sommer endet nie“ ist eine zarte, ehrliche Hommage an Schwestern, an Herzmenschen, an die, die bleiben. Ich werde es meiner Schwester schenken, um ihr zu zeigen, wie sehr ich sie brauche.  

Eine absolute Leseempfehlung. 


Von mir gibt es 5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  28.05.2026
Verlag:  Eisele Verlag
ISBN: 9783961612826
Taschenbuch
Seiten: 352