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Dienstag, 5. April 2022

Meine kleine Welt von Ewald Arenz


4, 13, 18. Keine Rechen-, sondern eine Lebensaufgabe. Drei Kinder und ihre Eltern bieten reichlich unterhaltsamen Stoff, um eine Sammlung kurzweiliger, witziger und nicht ganz alltäglicher Geschichten herauszugeben.  


Ewald Arenz  Bruder im Geiste Heinrich schildert das wilde Leben seiner Familie. Als Geschichtslehrer am Gymnasium ist ihm der Kampf mit jungen Menschen nicht unbekannt. Seine familiären Herausforderungen, Kämpfe und Katastrophen bieten Platz für viele kuriose Geschichten, die der Autor bereits in einer Zeitschriften-Kolumne herausgegeben hat und jetzt als Kurzgeschichten-Band veröffentlicht hat. 
 
Familienleben findet in einem eigenen Kosmos statt. Jeder kennt eigene Geschichten, die in der Familie über Jahre kursieren. Genau diese Geschichten werden hier erzählt. Mal zum Schmunzeln oder nickend bestätigend, dann wieder stirnrunzelnd, ungläubig verfolgend.
 "Ich goss eben den Tee auf, als Philly versuchte, die Badezimmertür zu öffnen. Der Lautstärke nach verwendete sie Plastiksprengstoff dafür. Mir fiel die Teekanne um."

Ich bin ein großer Ewald-Arenz-Fan. Seine Romane treffen mich im Herzen und sein Schreibstil ist wunderbar. Der Stil der Kurzgeschichten ist völlig anders. Locker, flockig kurze Sätze die mit einem Augenzwinkern gewürzt sind. Short Storys sind eher nicht so mein Fall, aber für diesen Autor habe ich eine Leseausnahme gemacht. 

Als Zwischendurch-Lesevergnügen in Bus oder Bahn oder zum Abschalten am Abend sind zwei/drei Geschichten am Stück gelesen zu empfehlen.



Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen: 25.01.2022
Verlag:  ars vivendi
ISBN: 9783747203514
Fester Umschlag
Seiten: 215





Samstag, 23. April 2016

Schlachttag von Tommie Goerz

http://www.arsvivendi.com/Buch/Krimi/9783869135823-Schlachttag
    Erscheinungsdatum: 01.03.2016
    Verlag: ars vivendi
    ISBN: 9783869135823
    Flexibler Einband: 424 Seiten

    Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 

Ein Wanderer macht in der Fränkischen Schweiz eine furchtbare Entdeckung. Mitten im Wald liegt eine männliche, fast unkenntlich zugerichtete Leiche. Doch nach Verständigen der Polizei, ist der Körper verschwunden. Kommissar Friedo Behütuns ermittelt nach Bauchgefühl und kommt einem über 20 Jahre zurückliegenden Vermisstenfall auf die Spur. Die fränkische Redseligkeit endet abrupt, sobald die Sprache auf die vermisste Person gebracht wird. Wenig später tauchen Teile einer Frauenleiche in einem Waldstück auf. Das Ermittlungsteam steht vor einem Rätsel, bis Behütuns während eines Schlachttages auf einem Bauernhof aufschlussreiche Informationen erhält.


Tommie Goerz hat mit diesem sechsten Fall des Nürnberger Ermittlers Friedo Behütuns einen besonders feinfühligen und ehrlichen Krimi geschrieben. Auch wenn man die vorherigen Bände nicht gelesen hat, wird man schnell warm mit dem ungewöhnlichen Kommissar. Das Cover einer deftigen Schlachteplatte weist schon auf die besondere Thematik hin. Rund um einen Schlachttag auf einem fränkischen Bauernhof wird die eigentliche Handlung aufgebaut. Für zartbesaitete Leser und Vegetarier dürfte das Lesen eine Herausforderung sein, die sich aber auf jeden Fall lohnt. Es gibt viel Wissenswertes über den Ablauf einer Schlachtung mit all seinen unangenehmen und appetitlichen Seiten. Die wenigsten Fleischkonsumierer werden noch wissen, wie eigentlich das Schnitzel auf den Teller kommt:
...Kein Schwein geht freiwillig in den Tod...,
wie der Metzger nach der Schlachtung es treffend formuliert.

Mehr als die Schlachtung hat mich aber Friedo Behütuns Geschichte gefangen genommen. Ein Schicksalsschlag trifft ihn unvorbereitet und mit voller Wucht und zeigt eine ehrliche Trauer, die sicher keinen Leser unberührt lässt. Der Autor versteht es mit viel Feingefühl und sprachlicher Dichte ein unglaublich spürbares Gefühl zu vermitteln. Das Team des Kommissars reagiert beeindruckend empathisch und hilft Behütuns einen Weg zurück in den Alltag zu finden. Nicht zuletzt durch die Unterstützung einer kleinen Haustierratte, die manch einer Nebenfigur die Show stiehlt.

Fast vergisst man, dass es sich ja eigentlich um einen Krimi handelt. Die Spurensuche und das Zusammenführen verschiedener Fälle gestaltet sich schwierig und so ist man ganz auf die Unterstützung von Zeugen angewiesen. Besonders gefallen haben mir die Wirtshausszenen, in denen Behütuns ganz unspektakulär, dafür aber offen und glaubhaft in fränkischer Mundart Informationen sammelt. Als Nichtfranke hatte ich meine Probleme, längere Passagen auf Anhieb zu verstehen. Der Tipp des Autors Dialektpassagen langsam und laut zu lesen, hat tatsächlich geholfen.

Mit viel fränkischem Lokalkolorit, Dialekt und echten Charakteren wird ein spannendes Szenario inszeniert, das durch spitzfindigen Humor, aktuelle Thematik und Tiefe beeindruckt. Der Gedankensprung von tiefster Provinz ins politische Weltgeschehen gelingt spielend und lässt viel Raum für eigene Gedanken.

Mich hat auch dieser Krimi wieder voll begeistert und als Behütuns-Fan hoffe ich natürlich auf einen siebten Fall.

Hier geht es zur Autorenseite: http://www.tommie-goerz.de/

 


Mittwoch, 28. Oktober 2015

Lieben lassen von Ariane Sommer, Roman Libbertz

http://www.arsvivendi.com/Buch/Krimi/9783869135755-Lieben-lassen
    Erscheinungsdatum: 24.09.2015
    Verlag: ars vivendi 
    ISBN: 9783869135755
    Fester Einband: 200 Seiten

    Meine Bewertung: 2 von 5 Punkten 

Ruhelos und selbstzerstörerisch ist die Fotografin Alex Mondo in Rom auf der Suche nach dem perfekten Motiv für die Biennale. Objekte findet sie in eigenen sexuellen Begegnungen, die sie mit der Kamera festhält. Während eines Geschäftsessens lernt Alex den Businessman Tom Weiss kennen. Beide fühlen sich voneinander angezogen und verbringen die Nacht zusammen. Als Tom zurück nach Hamburg muss, scheint die kurze Liaison beendet.

Das Autorenduo Ariane Sommer und Roman Libbertz hat als Schreibstil einen Perspektivenwechsel zwischen Alex und Tom gewählt. Ohne Kapiteleinteilung findet ein schneller Schlagabtausch zwischen "Er" und "Sie" statt. Die verschiedene Sichtweise der Protagonisten wird dadurch offensichtlich.

Angst bestimmt das Leben beider Protagonisten. Alex hat Angst die Krankheit ihres Vater in sich zu tragen und ist ständig bereit, sich das Leben durch eine Todeskapsel zu nehmen. Tom lebt zwar auf der beruflichen Überholspur, hat aber Bindungsängste und Panikattacken.

Es scheint, als wären hier weibliche und männliche Rollen vertauscht. Alex, die sich ihren Gefühlen nicht stellen will und Tom, der plötzlich nicht mehr ohne Alex sein möchte. Was eben noch Glück war, ist jetzt Schmerz.

Weichzeichner-Romantik sollte man in diesem Roman nicht suchen. Einige Szenen hätten für mich auch weniger detailliert stattfinden können. Mir fehlt eine klare Handlung, ein roter Faden. Vieles wird nur angerissen und nicht mehr aufgegriffen. Einiges ist auch völlig fehl am Platz. Tom setzt sich mehrfach mit einem imaginären Obi Wan auseinander, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht.

Man bekommt zwar ein Gefühl für die Zerrissenheit der Protagonisten, aber gelungen ist die Mischung aus Sehnsüchten, Angst, Emotionen, Lust und Liebe nicht.

Leider hat mich der Roman nicht überzeugen können.

Lesung der Autorin:  


Samstag, 26. September 2015

Der Tod kommt schnell von Tommie Goerz

http://www.arsvivendi.com/Buch/Kategorie/9783869135045-Der-Tod-kommt-schnell
    Erscheinungsdatum: 31.03.2015
    Verlag: ars vivendi 
    ISBN: 9783869135045
    Flexibler Einband: 150 Seiten

    Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 

Eine Geschichte muss nicht blutig sein, um Gänsehaut zu verursachen. Manchmal reichen wenige Seiten, um einen Fall lebendig werden zu lassen und auch Ermittler spielen nicht immer die Hauptrolle.


Tommie Goerz  beweist mit seinen 12 kurzen Kriminalgeschichten, wie vielseitig Spannung sein kann. Sehr glaubhaft und intensiv werden die Gefühle der Protagonisten und deren Umgebung wiedergegeben. Ob man dabei einem Mörder, einem Zeugen oder einem Opfer über die Schulter blickt, merkt man vielleicht erst am Ende der Geschichte. Besonders interessant ist es, wie viele Fragen sich beim Lesen auftun. Fast jede Geschichte könnte mehrere Wege gehen und der Leser fragt sich, "was wäre wenn" ....

Das Spektrum der Fälle ist vielschichtig. Es geht u.a. um Vorverurteilung, Vergeltung, Kaltblütigkeit, Gesellschaftskritik und Selbstjustiz.

Natürlich darf Kommissar Friedo Behütuns nicht fehlen, aber mehr als 2 Geschichten darf er diesmal nicht ausfüllen.

Mir haben diese besonderen Fälle sehr gefallen und mich gedanklich beschäftigt. Manchmal ist ein zweiter Blick nötig, um etwas richtig zu sehen und nicht immer ist das Gesetz das Maß aller Dinge.