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Sonntag, 27. August 2023

Spargel-Geheimnis im Allertal von Bettina Reimann


Schwer verletzt wird ein unbekannter Mann im Spargelfeld gefunden. Niemand scheint ihn zu kennen und doch hat der vermeintliche Penner großes Interesse an einem verlassenen Bauernhof in Eickeloh gezeigt. Grund genug für das Mehrgenerationen-Team bestehend aus Carsten Blume, seiner Tochter Anna und seiner Enkelin Flora Nachforschungen anzustellen. Der Polizei immer einen Schritt voraus, entdecken sie unaussprechliche Dinge, die bis ins Jahr 1960 zurückreichen.

Bettina Reimann sind ihre detaillierten Recherchen zu diesem Roman anzumerken. Dieser Regionalkrimi verdient die Bezeichnung auf jeder Seite. Ob es Blankes Milchtankstelle, der Büchtmanns Hof in Eickeloh oder das Gasthaus Goltermann in Elze sind (ich muss hier gerade an die Pfifferling-Gerichte denken), wer nach der Lektüre Lust auf eine Expedition an die Romanorte machen möchte, wird schnell fündig. Aber auch Lesende, die die genannten Orte nicht kennen, können sich in die ländliche Gegend hineinfühlen. Der Schreibstil ist flüssig und durch die vielen Wortwechsel der bildlich gut herausgearbeiteten Protagonisten fühlt man sich in die Handlung mit einbezogen. 

Der 68-jährige in Omaha lebende Henry Baumert möchte nach 60 Jahren offene Fragen aus seiner Kindheit klären. Während einer Europa Reise soll ein Reiseziel Eickeloh, der Ort aus seiner Kindheit sein. Auf dem Rittergut der Familie Blume bezieht er ein ruhiges Zimmer, um die schicksalhaften Tage des Jahres 1960 Revue passieren zu lassen. Unglücklicherweise findet seine Reise im Jahr 2020 statt. Das Jahr, das allen als Corona-Zeit in Erinnerung bleiben wird. Henry Baumert sitzt fest und kann weitere Reisepläne ad acta legen. Die ungewollt gewonnene Zeit im Heidekreis nutzt Baumert, um sich der Vergangenheit zu stellen. 

Der Booms-Hof, auf dem Henry Baumert seine Kindheit verbracht hat, ist durch einen Erbenrechtsstreit unbewohnt und zu einem Lost Place heruntergekommen. Verbotenerweise verbringt der Amerikaner hier einige Tage, um sein Gedächtnis aufzufrischen und sich darüber klar zu werden, warum seine alleinerziehende Mutter mit ihm und seiner Zwillingsschwester unerklärt nach Amerika auswanderte. 

Als Tage später ein verletzter Mann auf einem Eickeloher Spargelfeld aufgefunden wird, ruft dies die Familie Blume-Kamphusen auf den Plan, denn schnell wird ihnen klar, dass dies ihr Übernachtungsgast Baumert sein muss. Als ermittelndes Familientrio haben Mutter Anna, Tochter Flora und Großvater Carsten bereits im ersten Band der Autorin ihr kriminalistisches Gespür bewiesen. Die drei ergänzen sich gekonnt durch unterschiedliche Fähigkeiten. Anna hat ein empathisches Gespür für Menschen, Carsten liegt als ehemaliger Kriminalpolizist das Ermitteln im Blut und Flora liebt es, ihren journalistischen Beruf bei den Nachforschungen auszuleben. 

Es dauert nicht lange, bis das Trio erste Spuren entdeckt und rätselhafte Verbindungen von Baumert zu einheimischen Personen aufdeckt. Die Polizei scheint immer etwas langsamer zu sein, sodass Flora ihre Erkenntnisse oft mit einbringen kann. Doch ungefährlich ist dieses Abenteuer nicht. Der anfänglich leicht steigende Spannungsbogen nimmt zum Ende hin deutlich Fahrt auf und man ist nicht sicher, wohin all diese Spuren noch führen werden. 

Die Handlung ist durchgängig gut durchdacht und setzt selbst kleine Details gut in Szene. Anfänglich sympathisch beschriebene Protagonisten zeigen erst spät ihr wahres Gesicht und vermeintlich unerhebliche Spuren müssen neu aufgenommen werden. Zwei kleine Kritikpunkte, die meine Bewertung aber nicht beeinflusst haben, sind die anfänglich vielen Charaktere und deren Verwandtschaftsverhältnisse, die nicht leicht zu verstehen waren. Am Ende löst sich aber auf jeden Fall der Gedankenknoten. Beim Thema Corona und bei technischen Details werden den Lesenden zu viele Informationen gegeben. Die Beschreibung, welche Schutzmaske getragen wurde oder was ein Hashtag ist, hätte mir nicht mitgeteilt werden müssen.

Mir hat der Krimi mit viel Lokalkolorit viel Spaß bereitet und der perfekt ausgeklügelte Plot war so nicht zu erahnen. Ich bin schon auf den nächsten Teil des Ermittler-Trios gespannt und in welcher Region dann ein Fall zu klären ist. Meine nächste Fahrradtour geht auf jeden Fall nach Eickeloh.

Von mir gibt es 4 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  12.07.2023
Verlag:  Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3-8392-0509-9
Flexibler Umschlag
Seiten: 346





Dienstag, 29. März 2016

Alsterwasser von Werner Färber

 http://www.gmeiner-verlag.de/programm/titel/1278-alsterwasser.html
    Erscheinungsdatum: 03.02.2016
    Verlag: Gmeiner-Verlag

    ISBN: 9783839218464
    Flexibler Einband: 307 Seiten

    Meine Bewertung: 2,5 von 5 Punkten 
Umweltaktivistin Lea Mertens, leidenschaftliche Köchin und Hobby-Spürnase verbringt zusammen mit Freunden ein gemütliches Abendessen, bei dem sie ihren neuen Freund Phil aus Berlin vorstellen möchte. Gestört wird die Runde durch das Auftauchen von Kriminaloberkommissar Lennart Fahnenberg, der ihnen mitteilt, dass die ehemalige Polizei-Spionin, welche ihre Umweltaktionsgruppe untergraben hatte, Opfer eines gewaltsamen Todes wurde. Klar, dass Lea mehr darüber erfahren muss, ist sie sich doch sicher, die Frau in Büsum noch quicklebendig gesehen zu haben.


Werner Färber hat einen leichten Schreibstil, der schnell zu lesen ist. Auch wenn man den ersten Band mit Lea Mertens nicht gelesen hat, kommt man gut in die Handlung hinein. Verwirrend fand ich die Bezeichnungen Küstenkrimi / Genusskrimi. Beide Begriffe tauchen auf dem Cover und der Einleitung auf. Auch wenn viel über Gerichte und die Zubereitung von Speisen, inklusive Rezepten im Anhang, die Rede ist, fehlt mir die Leidenschaft fürs Kochen, um den Roman als Genusskrimi zu bezeichnen. Den Küstenkrimi habe ich auch vergeblich gesucht, außer dass die Protagonisten sich in Büsum aufhalten und die Einheimischen Dialekt sprechen, bekommt man nicht viel von der Küste mit. Der Haupthandlungsort ist Hamburg.

Hauptprotagonistin Lea, wie auch die anderen Charaktere konnten mich streckenweise nicht überzeugen. Die reichlich saloppe Ausdrucksweise und das teilweise befremdliche Verhalten haben den Lesegenuss gestört. Eine seitenlange Diskussion über Rülpsen und Pupsen hätte es nicht gebraucht. Auch die alternative Behandlungsmethode von Rückenschmerzen und deren Ursachen, hat wenig Interessantes zur Falllösung gebracht.

Der eigentliche Todesfall steht im Hintergrund und wird nebenbei gelöst. Viele Zufälle sind notwendig, um auf die richtige Spur zu kommen. Obwohl es sich bei der Toten um eine ehemalige Polizei-Spionin handelt, ermittelt die Polizei eher verhalten. Eine anfängliche Idee von Lea wird am Ende wieder aufgegriffen, sodass der Überraschungseffekt fast verpufft. Das dramatische Ende will dann auch nicht zu der sonst ruhigen Handlung passen.

Die Fall-Idee hätte grundsätzlich einen spannenden Krimi ergeben, hat aber leider erst am Ende des Buches Fahrt aufgenommen und Spannung erzeugt.

Mittwoch, 9. März 2016

Rabenfraß von Biggi Rist und Liliane Skalecki

 http://www.gmeiner-verlag.de/programm/titel/1323-rabenfrass.html

    Erscheinungsdatum: 03.02.2016
    Verlag: Gmeiner
    ISBN: 9783839218327
    Flexibler Einband: 406 Seiten

    Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 

Statt spektakulärer Hochzeitsreise gehts für Kriminalhauptkommissar Heiner Hölzle in den ruhigen Harz zum Wandern. Mit der Ruhe ist es schnell vorbei, denn ausgerechnet eine junge Frau aus dem Ort wird enthauptet im Wald gefunden. Deren Ehemann wird als Mörder überführt. Ein Kriminaler kann auch im Urlaub nicht aus seiner Haut und so beginnt Hölzle aus eigenem Interesse zu ermitteln. Die idyllische Harzer Region entpuppt sich als Mördergrube, in der seit 20 Jahren ein Mörder als mittelalterlicher Richter und Henker sein Unwesen treibt.


Das Autorinnenduo Biggi Rist und Liliane Skalecki hat einen unterhaltsamen, leichtgängigen Regionalkrimi geschrieben, der auch als Reiseführer für den Harz gute Noten bekommen würde. Viel Lokalkolorit, eine Prise Mythen und Sagen, kriminalistisches Gespür und lebensnahe Charaktere machen diesen Krimi so reizvoll. Kommissar Hözle ermittelt bereits im 4. Band. Ein Personenregister führt alle Charaktere des Buches übersichtlich zusammen. Der detaillierte Schreibstil und die Verbindung von verschiedenen Zeitebenen ist aber so gut gelungen, dass es eigentlich nicht notwendig ist.

Ungewöhnlich und interessant ist die Ermittlungsweise. Obwohl ein aktueller Mord den Auftakt bildet, ist von der ortsansässigen Kripo kaum etwas zu lesen, weil der vermeintliche Mörder bereits gefunden wurde. Urlauber Heiner Hölzle folgt seinem kriminalistischen Instinkt und beginnt fast ungewollt mit seinen Ermittlungen. Während seiner Wanderungen durch den Harz lässt er nicht nur die Landschaft auf sich wirken, sondern führt auch mit den Einheimischen Gespräche und wird am Pension zugehörigen Stammtisch herzlich aufgenommen. Längst vergangene Todesfälle bekommen plötzlich eine andere Bedeutung. Ein altes Buch mit mittelalterlichen Aufzeichnungen eines Scharfrichters weist Hölze schließlich den Weg.

Schilderungen der Vollstreckungsmethoden lassen eine Gänsehaut beim Lesen zurück. Zwar bleiben die Beschreibungen glücklicherweise an der Oberfläche des Geschehens, doch die moralische Verwerflichkeit des Tuns und das Wissen über die lange Zeitspanne, in der der Mörder ungeschoren davongekommen ist, lassen ein beklemmendes Gefühl zurück.

Hölzles Bauchgefühl mag sehr ausgeprägt sein, doch der Zufall spielt ihm hier kräftig zu. Für die kleine Region, in der sich Hölzle erst seit wenigen Tagen bewegt, sind über die Jahre viele Todesfälle zu verzeichnen. Weniger Zufall und mehr Ermittlung hätte mir besser gefallen. Gerade als der Spannungsbogen ansteigt, bremsen angeführte Zeitungsberichte, die sich inhaltlich wiederholen, den Lesefluss. Gelungen ist die Verschleierung des Täters. Bis zum Ende hat man fast jeden mit dem Hölzle Kontakt hatte, einmal verdächtigt.

Mir hat dieser Krimi viel Spaß und Gänsehaut bereitet und den Harz von einer ganz anderen Seite gezeigt.

Montag, 15. Juni 2015

Lavendelbitter von Elinor Bicks

http://www.gmeiner-verlag.de/frauen/titel/1061-lavendelbitter.html

    Erscheinungsdatum: 04.03.2015
    Verlag: Gmeiner 
    ISBN: 9783839216439
    Fester Einband: 285 Seiten

    Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 

Gerüchte ranken sich um Lore Kukuk, die auf der Otzberg-Burg lebt. Als nach einer Verabredung mit ihr, ein Mann tot aufgefunden wird, werden die Mordanschuldigungen immer lauter. Kommissar Roland Otto führt die Ermittlungen, die ihn auch auf die Spur der geheimnisvollen Kukusmorde bringen. Mit ihrem Lavendelwein hat Lore ihn schon betört, aber ist sie auch eine Mörderin?


Elinor Bicks stellt den Lavendel in seiner Vielfältigkeit in den Vordergrund der Handlung. Unterschiedliche Sorten werden detailliert beschrieben und so hat man gleich am Anfang das Gefühl mitten im Garten von Lore in lila duftenden Blütenwolken zu stehen. Doch die Blütenpracht trügt den Schein, denn durch die richtige Verarbeitung kann aus diesen herrlichen Pflanzen eine gefährliche Substanz gewonnen werden.

Lore Kukuk wird von Anfang an geheimnisvoll und verdächtig beschrieben. Sie bewahrt ein Geheimnis, dass ihre Oma ihr anvertraut hat. Doch worum es sich handelt, bleibt nebulös verborgen. Sowohl die verstorbene Oma, wie Lore, kennen sich mit Gartenkräutern und deren Wirkung aus. Durch den Mord an Lazlo, der mit Lore verabredet war, gerät sie in Mordverdacht. Doch Kommissar Otto, scheint zu allererst um seine Hunde besorgt zu sein. Die Mordermittlung läuft eher nebenbei und wird hauptsächlich durch den Mitarbeiter Brenneisen erledigt.

Viele Nebenschauplätze werden hervorgehoben und bekommen eine zu starke Gewichtung. Die Idee, dadurch falsche Fährten zu legen gelingt, aber der Lesefluss leidet darunter. So ist die Beziehung des Kommissars zu seinen Hunden zwar wichtig, um seinen Charakter darzustellen, die Suche nach einem neuen Lebensgefährten für den Hund, aber eher zuviel des Guten. Man bekommt auch so ein Gefühl für den alleinlebenden Mann, der sich immer noch zu seiner Exfrau hingezogen fühlt.

Der Spannungsbogen wird nur sehr langsam aufgebaut. Hinweise auf die Russenmafia müssen verfolgt werden, Zeugenbefragungen laufen ins Leere und dann auf den letzten Seiten überschlagen sich dann plötzlich die Ereignisse. Die Auflösung des Falls ist dann um so überraschender, aber für mich nicht ganz schlüssig.

Mich konnte der Gartenkrimi nicht völlig überzeugen. Einzelne Charaktere wurden zu sehr herausgehoben, obwohl sie mit der eigentlichen Handlung nicht viel zu tun hatten und verschiedene Szenen wirkten zu überzogen.

Die Beschreibung des Gartens hat mir am besten gefallen. Hier merkt man, dass die Autorin mit Leidenschaft für die Pflanzen geschrieben hat.

Das Ende zeigt, dass es nie zu spät für einen Neuanfang ist.