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Dienstag, 28. März 2023

Die Toten von Friesland von Fynn Jacob


Liewer düd aß Slaawe prangt eingeritzt auf der Brust eines Toten. Doch bei einer Botschaft bleibt es nicht. An verschiedenen Küstenorten der Nordsee werden ähnlich zugerichtete Opfer gefunden. Erst als deutsche und niederländische Ermittlungen zusammenlaufen, wird ein Muster erkennbar. Ein altes Gedicht wird auf makabre Weise zum Leben erweckt. 


Fynn Jacob Krimi bildet den Auftakt zu einer grenzüberschreitenden Ermittlungsserie zwischen Deutschland und den Niederlanden. Der lockere, eingängige Schreibstil und die detailreichen Schilderungen von Orten und regionalen Besonderheiten vermitteln sofort ein Bild der Region und des Geschehens. Der persönliche Bezug und die Begeisterung des Autors für diese Landschaft ist deutlich spürbar. Dabei hält er sich nicht lange mit ausschweifenden Beschreibungen auf, es geht direkt zur Sache. 

In Schiermonnikoog, dem Urlaubsort  der niederländischen Ermittlerin Iske van Loon, wird ein Toter gefunden. Die Art, wie das Opfer aufgefunden wurde, überzeugt Iske, den Fall zu übernehmen. In Deutschland bekommt Marten Jaspari seinen ersten Mordfall als leitender Ermittler zugewiesen. Auch hier finden sich ungewöhnliche Schriftzüge auf der Brust eines Opfers. 

Obwohl der Spannungsbogen gleich sehr hoch angesetzt wurde, bleibt er konstant erhalten. Es ist fesselnd zu verfolgen, wie das Ermittlungsteam anhand eines alten friesischen Freiheitskämpfer-Gedichts aus dem 8. Jahrhundert versuchen, Schlüsse zu den aktuellen Fällen herzuleiten und weiteres Morden zu verhindern. Die Kombination aus Krimi und Geschichtsinformationen wird toll umgesetzt. Viele Informationen über Helgoland als sagenumwobener Ort waren mir bisher nicht bekannt. Interessant waren auch die Details über König Radbod und die damit verbundene Geschichte Frieslands.  

Die Charaktere sind durchweg glaubhaft und überzeugen durch ihre natürliche Art. Es gibt kleine persönliche Andeutungen zu den Ermittlern, die auf Schwächen und Stärken und deren Eigenarten hinweisen, an die in einer Fortsetzung angeknüpft werden kann. Kriminalhauptkommissar Marten Jaspari scheint intuitiv richtige Schlüsse zu ziehen, traut aber seinen eigenen Impulsen nicht und handelt vorsichtig. Seine niederländische Kollegin Iske van Loon dagegen geht die Dinge eher pragmatisch und zielgerichtet an. Auch wenn sich ihre Zusammenarbeit anfänglich schwierig gestaltet, könnten sie sich zu einem tollen Ermittlungsteam entwickeln.  Anders als bei manch anderem Krimi bleibt der Schwerpunkt aber bei den Mordfällen, was mir sehr gefallen hat.  

Obwohl viele Puzzleteile offengelegt werden und nach und nach ein Motiv zu erkennen ist, bleibt die Lösung des Falls bis zum Ende hin spannend. Eine dramatische Wendung steigert den Nervenkitzel sogar noch etwas mehr. Der kleine Schlenker auf den letzten Seiten mit Blick auf das Privatleben der Ermittelnden war genau richtig dosiert, um zu ahnen, wie es eventuell weitergehen könnte. 

Dieser Krimi ist genau richtig für alle Spannungsfans, die gerne mit rätseln und fiebern und auch etwas mehr über Frieslands Land und Leute erfahren möchten.

Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen: 15.03.2023
Verlag:  Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-42612-2
Flexibler Umschlag
Seiten: 368




Sonntag, 5. Juni 2022

Die neue Wildnis von Diane Cook


Wohin, wenn die Stadt das eigene Kind krank macht. In der nahen Zukunft scheint Amerika nicht mehr lebenswert zu sein. Eine Forschungsstudie scheint für zwanzig ausgewählte Personen die Rettung zu sein. Geschützt und von allem abgeschirmt, soll die Gruppe allein auf sich gestellt in der Wildnis eines Nationalparks leben. 

Diane Cook zeichnet ein düsteres Zukunftsbild, das sehr glaubhaft und durch und durch spürbar beschrieben wird. Smog, Überbevölkerung und ungesunde Lebensmittel bedrohen die Menschheit. Es scheint keinen Ausweg mehr zu geben, die letzten Ressourcen wurden ausgeschöpft und die wenigen Quadratmeter Natur einzig in einem Nationalpark gerettet. 

Kinder sind in dieser Welt nicht mehr willkommen und wenn sie geboren werden, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie überleben, gering. Die fünfjährige Agnes kämpft täglich ums Überleben, bis ihre Eltern sich dazu entschließen, an einer einzigarten Studie teilzunehmen. Sie verlassen die Stadt und leben zukünftig ohne technische Unterstützung in der Wildnis. Zusammen mit einer kleinen Gruppe Freiwilliger müssen sie lernen, in der Natur als Nomaden zu überleben. Außer einem Handbuch mit Regeln und der Überwachung durch Ranger sind sie auf sich gestellt. 

Beim Lesen ist mir die ein oder andere Gänsehaut über den Körper gelaufen. Könnte ich das? Alles aufgeben und Tiere töten, ohne Wärme im Winter überleben, Krankheiten ohne Medikamente überstehen. Wer sich nicht anpasst oder einen Fehler begeht, hat keine Chance zu überleben. Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd trotz oder vor allem wegen der Neutralität der Worte. 
Zeit zum Trauern dürfen sich die Protagonisten nicht nehmen. Persönliche Belange stehen hinten an, denn als Erstes muss das Überleben der Gruppe gesichert werden.

Besonders interessant ist es, Agnes aufwachsen zu sehen. Vom kranken Stadtkind zur starken Wildnis-Frau, die ihre eigenen Werte im Leben setzt. Die Erinnerung an die Zivilisation verblasst immer mehr, dafür kann sie wie kein anderes Gruppenmitglied das Verhalten der Tiere deuten. Sie beobachtet die Natur, sieht wann Gefahr droht und kann Wege erkennen, die sonst niemand sieht. Diese Sicht wünsche ich mir, damit uns dieses Zukunftsszenario nicht ereilt. 

Der erste Teil des Romans kann durch die detaillierten Naturbeschreibungen und den Kampf der Menschen brillieren. Im zweiten Teil ist besonders die Protagonistin Bea schwierig einzuordnen. Ihr Verhalten konnte ich nicht nachvollziehen und teilweise wurde für mich auch einiges nicht sauber aufgelöst. Die Befürchtung, dass über die Jahre die Außenwelt immer mehr unter der Umweltverschmutzung zu leiden hat, bewahrheitet sich. Die daraus resultierenden Folgen für den Nationalpark scheinen unabwendbar. 
So langsam und erlebbar der erste Handlungsstrang beschrieben wurde, so schnell wird das Ende in kurzen Szenen offen gelassen. Fassungslos ob der Uneinsichtigkeit der Regierung wird eine Entscheidung getroffen, die nicht nur die Naturstudie ad adsurdum führen. 

Mich hat dieser Roman sehr nachdenklich zurückgelassen. Die ferne Zukunft steht schon direkt vor der Tür und ich möchte mich nicht entscheiden müssen, ob die einzige Rettung in einem zum Scheitern verurteilten Naturversuch liegt. 


Von mir gibt es 4 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen: 09.05.2022
Verlag:  Heyne
ISBN: 9783453321588
Flexibler Einband
Seiten: 544



Freitag, 13. Mai 2022

18/4 - Der Hauptmann und der Mörder von Zhou Haohui


Nach 18 Jahren nimmt ein brutaler Serienkiller in der chinesischen Stadt Chengdu seinen Rachefeldzug gegen ungeahndete Verbrecher wieder auf. Die Sondereinsatzgruppe 18/4 muss fassungslos verfolgen, wie ein Mord nach dem anderen geschieht und sie dem Täter keinen Schritt näher kommen. Selbst Hauptmann Pei Tao, der schon die Anfänge des selbst ernannten Eumenides erlebt hat, tappt im Dunklen.   


Zhou Haohui hat mit dem Auftakt der Trilogie kein neues Thema aufgegriffen. Gewitzte Täter, die die Polizei an der Nase herumführen, hat es schon häufiger gegeben. Doch der chinesische Touch ist neu. Die Charaktere für westliche Lesende ungewohnt und deshalb interessant. Glücklicherweise gibt es ein Personenverzeichnis der Einsatzgruppe. Denn Namen wie Han Hao, Yin Jian oder Xiong Yuan bleiben erst einmal nicht im Gedächtnis. Der Autor belässt es auch bei den Namen und beschreibt seine Protagonisten nur oberflächlich. 

Der Schreibstil ist flüssig und man findet sich schnell in die Handlung. Der anfängliche leichte Spannungsbogen steigert sich schnell in ein rasantes Hase- und Igel-Rennen. Der Killer legt vor, indem er den Opfern durch eine Todesanzeige mitteilt, warum und wann sie sterben müssen und obwohl die Polizei alle erdenklichen Schutzmaßnahmen trifft, gelingt Eumenides der Mord. Nichts scheint ihn aufhalten zu können. Erste Vermutungen, es könnte jemand aus den eigenen Reihen sein, streut Argwohn und Misstrauen im Ermittlungsteam. 

Vor allem Hauptmann Pei Tao, der nur als beteiligte Person im Fall vor 18 Jahren hinzugezogen wurde, wird kritisch betrachtet. Er kann sich am besten in den Täter hineinversetzen. Zu gut? Der Autor spielt geschickt mit Vorverurteilung und menschlichem Verhalten. 

Immer mehr verstricken sich einzelne Ermittelnde in eigene Vergehen. Der Kreislauf von Abhängigkeiten, Korruption, Verbrechen und eingeforderter Schuldversprechen zeigt, wie schnell aus einem vermeintlich harmlosen Fehlverhalten ein Verbrechen werden kann. 

Die Schnelligkeit der aufeinanderfolgenden Fälle hat mich kaum zu Atem kommen lassen. Kaum hat man sich von einem schrecklichen Mord erholt, taucht die nächste Todesanzeige auf, die auch sichtbar für den Lesenden auf der Buchseite prangt. An manchen Stellen sind mir die Beschreibungen der Opfer und deren Misshandlungen zu sehr ins Detail gegangen. Die Handlung hat diese Bilder nicht benötigt, um zu fesseln.

Bis auf einige Sätze, die etwas verschroben zu lesen sind und einem schwerwiegenden Namensfehler, der Polizist und Polizistenmörder vertauscht, ist die Übersetzung gelungen. 
Das Ende hat mich überrascht und wurde gut gelöst; ein Versprechen auf eine spannende Fortsetzung.  Ich wäre mit einem finalen Ende an dieser Stelle aber auch einverstanden. 


Von mir gibt es 4 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen: 10.01.2022
Verlag:  Heyne
ISBN: 978-3-453-43983-2
Flexibler Einband
Seiten: 400





Mittwoch, 27. Januar 2021

Der Tausch – Zwei Frauen. Zwei Tickets. Und nur ein Ausweg. von Julie Clark

Erscheinungsdatum: 11.01.2021    
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453424975
Flexibler Einband
Seiten:
400
  
Leseprobe








  
Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 


Inhalt: Die Chance, ein neues Leben zu beginnen, begleitet Claire und Eva, als sie sich unabhängig voneinander auf dem Flughafen JFK in New York befinden. Claire flieht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, der ihr durch seinen politischen und finanziellen Einfluss keinen Ausweg lässt. Eva sucht einen Neuanfang, um sich aus den Fängen des Drogenmilieus zu befreien. Nach einer spontanen Begegnung beschließen die Frauen, ihre Flugtickets zu tauschen, nichts ahnend, was sich daraus entwickelt.

Julie Clark versteht es, die beiden Hauptprotagonistinnen gekonnt in Szene zu setzen. Sie spielt mit Emotionen, Ängsten und Hoffnungen. Zwei völlig unterschiedliche Frauen, die durch einen Zufall den gleichen Wunsch hegen: Flucht aus dem bisherigen Leben. In zwei Handlungssträngen begleitet man die zwei Frauen. Claire schildert ihre gegenwärtigen Erlebnisse in der Ich-Form, Evas Erlebnisse werden dagegen im personalen Erzählverhalten Monate zurückliegend bis zum Tickettauschtag geschildert. 

Gefesselt verfolgt man das Geschehen und bangt mal um die eine, dann um die andere. Ihre Chancen aus der Situation heil herauszukommen, stehen schlecht. Beide Protagonistinnen versuchen eine Fassade aufrecht zu erhalten, die schon längst zu bröckeln begonnen hat. Die gut situierte strahlende Ehefrau eines erfolgreichen Politikers, die täglich damit kämpft, ihre Blessuren zu verbergen. Auf der anderen Seite eine gescheiterte, einst erfolgversprechende Chemiestudentin, die ihre Drogenküche hinter einer biederen Alltagsfassade zu verstecken versucht und ihre Ängste kaum noch unterdrücken kann. Es geht um starke Frauen, die sich befreien wollen. 

Männer spielen hier eher die "bösen" Nebenrollen, ob als unberechenbarer gewalttätiger Ehemann oder als Drogendealer, der kein Mittel auslässt, um Eva unter Druck zu setzen. Hauptakteure sind Frauen in unterschiedlichsten Positionen. Sie unterstützen sich gegenseitig, geben sich Halt, haben Verständnis füreinander. Die beste Freundin, die für Claire die Flucht mit organisiert, die nette Coffeeshop-Bedienung, die einen Job vermittelt, weil sie Claires Hilflosigkeit erkennt. Eine Professorin, die für Eva Verständnis aufbringt, obwohl diese alles andere als freundlich zu ihr ist. Eine überraschende Frau, die anfänglich wohl niemand als Unterstützerin im Blick hatte und für einen besonders spannenden Plot sorgt. 

Durch die zeitlich unterschiedlichen Perspektiven wird der Spannungsbogen langsam, aber stetig aufgebaut. Man fiebert dem entgegen, was man befürchtet und hofft auf einen Ausweg. Beiden Frauen gönnt man ein Happy End, das tatsächlich bis zum Schluss offenbleibt. 

Dieser ungewöhnliche Frauen-Thriller spielt mit weiblichen Ängsten. Mir fiel es nicht schwer, mich in die beiden Personen hineinzuversetzen und mit ihnen zu hoffen und bangen. Daher von mir eine Leseempfehlung.

Montag, 14. September 2020

Vaters Wort und Mutters Liebe von Nina Wähä

          Erscheinungsdatum: 22.06.2020  Verlag: Heyne 
ISBN: 9783453272873 Fester Einband: 544 Seiten     Leseprobe     Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 
Es ist Weihnachten im finnischen Tornedal und alle Mitglieder der Großfamilie Toimi finden sich im heimischen Bauernhof ein. Von einer herzlichen warmen Atmosphäre fehlt aber jede Spur. Zu groß ist die Angst vor dem despotischen Vater Pentti. Auch wenn Mutter Siri versucht, die Familie zusammen zu halten, geht doch jeder seinen eigenen Weg, auch wenn er mit den anderen eng verbunden ist. 

Die Familie wird als Rattenkönig beschrieben. Verknotete Schwänze, die eine Trennung unmöglich erscheinen lassen. Nina Wähä ist es hervorragend gelungen, den Knoten zu lösen. Annie, Lauri, Esko, Buckel, Helmi, Onni, Arto, Siri, Pentti, Tarmo, Lahja, Valo, Hirvo und Voitto werden in einzelnen Abschnitten beschrieben, lebendig, eigenständig. 

Was als ein Knäuel Menschen beginnt, endet in einer Geschichte vieler Einzelschicksale, die durch ein enges Familienband miteinander verbunden sind. Der besondere Erzählstil lässt die Protagonisten sehr glaubwürdig erscheinen. Nichts wird geschönt oder verharmlost. Ein Erzähler holt den Leser immer wieder ab, spricht ihn direkt an, so fühlt man sich mit der Geschichte verbunden. 

Geografisch findet man sich in einer düsteren finnischen Gegend wieder. Die Landschaft scheint aufs Gemüt zu schlagen, die Menschen sind schweigsam, in sich gekehrt. Einen Wohlfühlroman findet man hier nicht. Aber die Geschichte besitzt eine hohe Anziehungskraft. Man möchte wissen, was und wann etwas passiert. Denn das etwas passiert, wird vorweg angekündigt. 

"Jemand wird sterben. Und jemand anders wird schuldig sein.
Wir müssen versuchen herauszufinden, wer."

 

Es klingt nach, muss wirken, beschert aber einen hohen Lesegenuss und macht neugierig auf einen neuen Roman aus der Feder von Nina Wähä 


Montag, 15. August 2016

Frank Einstein - Die Jagd nach dem Blitzfinger von Jon Scieszka




    Erscheinungsdatum: 23.11.2015
    Verlag: Heyne fliegt
    ISBN: 9783453269798
    Fester Einband: 176 Seiten

    Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 


Viel Zeit zum Tüfteln in seiner Werkstatt bleibt Frank Einstein nicht, denn Erzrivale Edison hat schon wieder einen fiesen Plan. Diesmal will er die gesamte Stromversorgung seiner Heimatstadt an sich reißen und natürlich eine Menge Geld verdienen. Zusammen mit den schlauen Robotern Kling und Klang nimmt Einstein den Kampf auf, denn er hat natürlich schon eine Erfindung, die viel besser ist.



Auch die Fortsetzung von Frank Einsteins Abenteuern kann begeistern. Autor Jon Scieszka vertieft diesmal das Thema "Energiegewinnung" und nimmt die jungen Leser mit in die aufregende Welt der Physik. Dank der gelungenen Illustrationen von Brian Biggs kann man sich die Darsteller und deren Erfindungen sehr gut vorstellen. Empfohlen wird das Buch für Leser ab 10 Jahren. Es bedarf aber schon eines gewissen Interesses für Technik, um Spaß am Lesen zu finden, auch wenn schwierige Begriffe am Ende des Buches noch einmal erklärt werden.

Welches Kind hätte nicht gern Roboter, die frei denken und handeln. Frank Einstein hat gleich zwei liebenswerte Blechbüchsen an seiner Seite. Kling und Klang helfen ihm, seine genialen Erfindungen zu entwickeln. Damit er nicht allzu größenwahnsinnig wird, steht ihm sein "natürlicher" und normal denkender Freund Watson zur Seite, der es nicht immer leicht mit Einstein hat.

Wir sind uns einig, einen Blitzfinger könnten wir sicherlich alle gut gebrauchen.
Edison mit seinen schlimmen Ideen muss erneut gestoppt werden. Der Spannungsbogen wird gekonnt aufgebaut und endet dramatisch.

Meine kleinen Physik-Fans waren wieder ganz begeistert vom Einstein-Abenteuer und hoffen auf eine schnelle Fortsetzung.

Interview mit dem Autor zum Buch:






Donnerstag, 26. Mai 2016

Frank Einstein - Die Entführung der Roboter von Jon Scieszka




    Erscheinungsdatum: 27.04.2015
    Verlag: Heyne fliegt
    ISBN: 9783453269781
    Fester Einband: 240 Seiten

    Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 

Diesmal muss es mit dem Wissenschaftspreis seiner Heimatstadt einfach klappen. Frank Einstein bastelt schon so lange an seinen Erfindungen. Durch einen einzigen Funken in der Nacht werden die Roboter Klink und Klang lebendig und bauen zusammen mit Frank ein Antimaterie-Motor-Flugrad. Der Preis ist ihm so gut wie sicher, doch dann verschwinden Klink und Klang. T. Edison steckt garantiert dahinter, doch wie soll Frank Einstein seinem Rivalen das beweisen?


Jon Scieszka ist es gelungen Wissenschaft kindgerecht umzusetzen. Das Buch ist für Kinder ab 10 Jahren empfohlen und richtet sich an technikinteressierte Leser. Durch viele Illustrationen und Konstruktionszeichnungen von Brian Briggs kann man sich Frank Einsteins Erfinderleben noch besser vorstellen. Verschiedene Schrifttypen erleichtern die Unterscheidung zwischen Roboter und Mensch und eignen sich besonders für Selbstleser. Die schwierigen Begriffe, wie z. B. Materie, die nicht jedem Kind geläufig sind, werden im Anhang erklärt, setzen aber Grundwissen voraus.

Besonders gefallen hat uns das Wortspiel mit den wissenschaftlichen Namen der handelnden Personen, Frank Einstein als Erfinder, sein Freund Watson und Gegenspieler T. Edison. Genau wie Frank Einstein lieben es meine Söhne in der Werkstatt zu basteln und Dinge zu erfinden.

Wer hätte nicht gern einen lebendigen Roboter, mit dem man sich austauschen kann. Frank Einstein hat plötzlich sogar zwei: Kling und Klang. Kling, der kluge und selbstlernende Roboter und Klang, der liebenswerte aber etwas eingeschränkt denkende Roboter mit einem Umarme-Mich-Äffchen-Puppen-Gehirn.

Im Mittelpunkt steht der städtische Wissenschaftspreis, den Einstein unbedingt gewinnen will. Dank seiner Roboter hat er diesmal gute Chancen eine wirklich bahnbrechende Erfindung vorzustellen. Doch sein Gegenspieler Edison kommt ihm in die Quere und plant Unglaubliches. Mr. Chimp, ein echter Affe, unterstützt dessen fieses Treiben. Dank Gebärdensprache, die im Anhang erläutert wird, kann der Affe sich mitteilen, was er auch rege tut.

Durch Frank Einsteins Gedanken erfährt man ganz nebenbei viel über Physik:


"Dieses Papier, dieser Tisch, diese Pizzaschachtel, diese Salami, das Wasser, die Luft. Fest, flüssig, gasförmig. Alles im Universum besteht aus Materie."
Die lustigen Sprüche von Watson und Roboter Klang lockern allzu wissenschaftliche Details auf und man hat eine Menge Spaß beim Lesen.

Unserer Familie hat dieses unterhaltsame und lehrreiche Kinderbuch sehr gut gefallen und wir sind schon gespannt auf die nächste Erfindung von Frank Einstein.






 

Freitag, 26. Februar 2016

Hamish und die Weltstopper von Danny Wallace



    Erscheinungsdatum: 31.08.2015
    Verlag: Heyne HC 
    ISBN: 9783453270077
    Fester Einband: 352 Seiten

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 

Was für ein Schreck, plötzlich bleibt die Welt um den zehnjährigen Hamish stehen. Wie eingefroren stehen die Menschen, Vögel hängen am Himmel und kein Laut ist zu hören. Der anfängliche Spaß, endlich tun und lassen zu können was man möchte, wie hemmungslos Süßigkeiten naschen und mit der Vespa durch den Ort zu knattern, endet schnell. Denn furchterregende, stinkende Monster ziehen während der Pausen durch die Kleinstadt Starkley. Die Weltstopper haben einen furchtbaren Plan, der nur durch mutige Kinder verhindert werden kann.


Danny Wallace hat eine abenteuerliche, spannende Kindergeschichte geschrieben, die auch Erwachsene begeistern kann. Empfohlen ist es für Leser ab 10 Jahren. Selbstleser kommen hier voll auf ihre Kosten. Nicht nur der unterhaltsame, fesselnde Schreibstil, sondern auch die tollen Illustrationen im Comicstil von Jamie Littler können begeistern. Ein richtiger Hingucker sind die beidseitig laufenden Daumenkinos, die die Seitenzahlen begleiten. Was es damit sich auf sich hat, wird hier nicht verraten.

Hamish wirkt sofort sympathisch. Man kann sich gut in ihn hineinversetzen. Eigentlich ist er ein ganz normaler Junge, der Probleme in der Schule hat, von Mitschülern drangsaliert wird und seinen verschwundenen Vater vermisst. Ungewollt gerät er in eine außergewöhnliche Situation. Warum bleibt alles um ihn herum stehen und nur er kann sich bewegen? Die Beschreibungen wirken so lebendig und glaubhaft, dass man sich tatsächlich das Unfassbarste vorstellen kann.

In die Rolle des Retters schlüpft er nur zögerlich, dabei darf er sich auch etwas unbeholfen und albern benehmen. Die Veränderungen, die mit den Erwachsenen geschehen, werden nur andeutungsweise erwähnt. Man ahnt aber, dass Hamish nicht mehr viel Zeit bleibt, um die Monster von ihrem Plan abzubringen. Zum Glück bleibt er nicht das einzige Kind, dass sich in den Pausen bewegen kann.

Von der rasanten Geschichte mit vielen spannenden Actionszenen und humorvollen Elementen ist unsere ganze Familie begeistert. Wir haben den Atem angehalten, als ein Monster durch das Schlafzimmerfenster blickt und uns dann wieder kringelig gelacht ...

Eine gelungene Mischung die richtig viel Spaß macht und auf eine baldige Forsetzung hoffen läßt.





Freitag, 19. Juni 2015

Das Kaninchenrennen von Boris Koch



    Erscheinungsdatum: 06.10.2014
    Verlag: Heyne 
    ISBN: 9783453269408
    Fester Einband: 320 Seiten

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 

Das Große Kaninchenrennen ist für die 10-jährigen Kinder im Städtchen Niederrhode das wichtigste Ereignis des Jahres. Tim will unbedingt gewinnen, um es allen Spöttern so richtig zu zeigen. Doch leider kommt er wie so oft zu spät und darf sich die Kaninchen vor der Auslosung nicht mehr ansehen. Der Schreck ist groß, als er ein dreibeiniges Kaninchen auswählt. Plötzlich wollen seine Freunde nichts mehr mit ihm zu tun haben und selbst die Erwachsenen streiten sich, ob er überhaupt an dem Rennen teilnehmen darf. Neue Freunde findet Tim in Pascal und Lissy und zusammen trainieren sie härter als alle anderen, denn einer von ihnen wird dieses Rennen gewinnen, da sind sie sich einig.

Boris Koch hat ein wundervolles Kinderbuch in sehr lebendigem und unterhaltsamen Erzählstil geschrieben. Empfohlen wird das Buch für Kinder ab 10 Jahren.

Hauptakteur Tim, dessen Eltern verstorben sind, lebt bei seinen Großeltern auf dem Land. Er hat nur wenige Freunde und wird oft in der Schule gehänselt. Man hat sofort das Gefühl, sich auf die Seite von Tim stellen zu müssen. Irgendwie läuft bei ihm immer alles schief. Da hat er nun richtig hart für seinen Traum trainiert und dann kommt er zu spät zur Kaninchenauslosung. Ein dreibeiniges Tier hat er sich ausgesucht und alle schütteln den Kopf. Selbst sein Großvater wendet sich von ihm ab.

Sehr gut wird vermittelt, wie schnell man zum Aussenseiter gestempelt wird. Und nicht nur die Kinder wenden sich von Tim ab, sondern auch die Erwachsenen streiten sich und ergreifen Partei. In der Schule ist selbst der Lehrer gegen Tim. Je näher das Rennen rückt, um so agressiver verhalten sich die Kinder. Die Charaktere die hier eine Rolle spielen, werden sehr gut herausgearbeitet. Da gibt es den gemeinen Anführer, der ausgerechnet auch noch Sohn des Bürgermeisters ist. Die Mitläufer, die zu feige sind, eine eigene Meinung zu zeigen und die Aussenseiter, die gerade noch geduldet werden, aber die eigentlich niemand mag.

Selbst als erwachsener Leser ist man gebannt von dieser Geschichte. Tim durchlebt Höhen und Tiefen, ist kurz davor aufzugeben und fasst wieder Mut, um dann kurz vor dem Rennen beinahe doch noch zu scheitern. An seiner Seite hat er zwei tolle Freunde, die ihn unterstützen und die sich gegenseitig immer wieder aufbauen.

Die knuddeligen Kaninchen kann man förmlich über die Wiese springen sehen. Wichtig ist, dass auch hier den jungen Lesern vermittelt wird, dass man sich um ein Tier kümmern muss. Die Kinder im Buch müssen sogar mit einer richtig harten Strafe rechnen, wenn sie ihr Tier verletzten oder gar verlieren sollten.

Meine Kinder sind von diesem Roman richtig begeistert und würden am liebsten selbst an so einem Kaninchenrennen teilnehmen. Lustig fanden sie auch das Daumenkino auf den Buchseiten. So kann man Tims Kaninchen laufen sehen.

Dieses Buch ist für alle Kinder eine tolle Leseerfahrung.