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Sonntag, 15. Januar 2017

Taste of Love - Geheimzutat Liebe von Poppy J. Anderson


https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/liebesromane/taste-of-love-geheimzutat-liebe/id_5720628
    Erscheinungsdatum: 13.01.2017
    Verlag: Bastei Lübbe
    ISBN: 9783404174683
    Flexibler Einband: 384 Seiten

    Leseprobe

    Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 
  Mit seinem Bostoner Restaurant hat der smarte Koch Andrew
  Knight großen Erfolg, doch daran erfreuen kann er sich nicht.
  Er fühlt sich leer und ohne Elan. Ungeplant nimmt er sich vom
  Alltag frei und landet nach einem Autoschaden an seinem
  SUV in einem kleinen Küstenort in Maine. Brooke Day
  vermittelt ihm ein Gästezimmer über ihrem Restaurant, obwohl
  sie den angeberischen Städter eigentlich nicht leiden kann.
  Nicht nur die Kochkünste von Brooke können Andrew
  begeistern. Nur leider macht es ihm diese schlagfertige Frau
  nicht leicht.


Der Auftakt der kulinarischen Liebesroman-Serie "Taste of Love" beginnt frisch und unterhaltsam. Poppy J. Anderson bleibt ihrem schwungvollen Schreibstil treu, sodass man mit dem Lesen nicht mehr aufhören mag. Ein Rahmen aus Neuenglands kulinarischen Köstlichkeiten, die die beiden Hauptprotagonisten kochen, umfasst die Handlung und lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Die Autorin hat folgendes Rezept verwendet: 

Man nehme
• Zwei Herzen voller Liebe
• Ein Berg voller Missverständnisse
• Buchseiten voller Charme und Elan
• Eine Prise Mitgefühl
• Jede Menge kulinarischer Köstlichkeiten

vermischt mit zwei wunderbar unterhaltsamen Charakteren ♂+♀, die frech und charmant miteinander verrührt werden.
Der "Kampf" zwischen Andrew und Brooke ist einfach erfrischend und temporeich geschrieben. Man sieht förmlich die Funken sprühen. Zwar ist es nicht überraschend, dass die beiden sich finden werden, aber der Weg dorthin macht Spaß.

Am Ende hätte ich gern etwas mehr Zeit zum Eintauchen in die Handlung erhalten, die Szenen überholen sich fast, bis es zum gelungenen Finale kommt.

Andrew und Brooke muss man einfach mögen. Ein toller Gute-Laune-Liebes-Roman, der Lust auf mehr Lesestoff und neugierig auf weitere Kochrezepte macht.




Die Rezepte aus dem Buch sind hier zu finden.

Hinweis: am 16.02.2017 geht es weiter mit "Taste of Love - Zart verführt"

Sonntag, 25. Dezember 2016

Schattenkiller von Mirko Zilahy


https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/thriller/schattenkiller/id_5859648
    Erscheinungsdatum: 09.12.2016
    Verlag: Bastei Lübbe
    ISBN: 9783404174201
    Flexibler Einband: 432 Seiten

    Leseprobe

    Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 
  Im ungewöhnlich düsteren und regenreichen Rom treibt ein
  Serienkiller im Industrieviertel sein Unwesen. Fundorte und
  geheimnisvolle Details, wie Schweineherzen und Ventile,
  wollen nicht zueinanderpassen. Commissario Mancini wird
  der Fall förmlich aufgezwungen, denn er scheint der einzige
  zu sein, der diesem Fall gewachsen ist. Eigentlich möchte
  dieser aber nur das Verschwinden von Doktor Carnevali
  aufklären und weiter in seiner Melancholie versinken.


Mirko Zilahy hat für einen Thriller einen eher ruhigen und an manchen Stellen fast schon tiefgründigen Schreibstil gewählt. Die Szenen werden sehr detailliert und atmosphärische beschrieben, jeder Raum, jeder Fundort wird mit vielen Hinweisen angereichert. Man kann sich sehr gut an diese Orte versetzen und bekommt ein Gefühl für die Umgebung. Man merkt, wie wichtig dem Autor die Schilderungen Roms fernab der touristischen Traumziele sind.


"Unter dem rabenschwarzen Himmel, umhüllt vom Regen, wirkte das Kolosseum wie eine Falle aus Marmor und Ziegeln, ein schlummerndes Raubtier, jederzeit bereit für das nächste Blutbad. Der rote, blutdürstige Stein verlieh der elliptischen Kurve eine ebenso massive wie harmonische Form. Hier, vom Hügel aus, sah der mächtige Bau wie ein gigantisches gezahntes Maul aus, noch immer angetrieben von einstiger Wildheit."
Wechselnde Erzählperspektiven helfen dem Leser, Stimmungen der einzelnen Protagagonisten besser wahrzunehmen. Denn hier geht es vor allem um die Charaktere. Mancini ist ein besonderer Protagonist, den das Leben gezeichnet hat. Er ist schwierig und für seine Mitarbeiter nicht einfach zu ertragen. Durch den Tod seiner Frau hat er den Lebenssinn verloren und vermeidet jedwede Berührung. Es wird viel mit Symbolik gearbeitet, durch den der Schmerz verdeutlicht wird.

Nebendarsteller, die plötzlich zu besonderen Momenten führen und fast schon literarisch anmuten, machen den Reiz des Romans aus. Ob es die Angst der Tatortfotografin ist oder die überraschende Anziehungskraft der kühlen Staatsanwältin, man wird von diesen Szenen gefangen genommen.

Leider gibt es aber auch einige Passagen, die viel Raum für theoretische Profilerarbeit einräumen. Wiederholungen der Tathergänge, Zusammenfassungen, die den Spannungsbogen abflachen lassen und Abhandlungen über frühere Mordserien unterbrechen den Lesefluss.

Der Mörder ist keine Überraschung, denn ein anderer Mörder, der viel grausamer und leider auch viel zu oft zuschlägt, steht am Ende im Fokus.

Für mich ein ungewöhnlicher Thriller mit viel Tiefgang, der Rom als völlig neue Kulisse nutzt und durch das Nachwort des Autors zum Nachdenken anregt.

Montag, 12. Dezember 2016

Der Nostradamus Coup von Gerd Schilddorfer


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    Erscheinungsdatum: 14.10.2016
    Verlag: Bastei Lübbe
    ISBN: 9783404174256
    Flexibler Einband: 796 Seiten

    Leseprobe

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 
Eine alte DC-3 ist John Finchs neueste Errungenschaft. Jetzt muss er nur noch vom libyschen Flughafen mitten im Nichts zusammen mit seiner Co-Pilotin Amber starten. Uneingeladen gesellt sich Khamis Al-Gaddafi mit seinem Oberst dazu und zwingt Finch ihn mitzunehmen. In der Luft gelingt Finch ein waghalsiges Manöver, indem Gaddafi verletzt und Umar getötet wird. Zurück bleibt ein geheimnisvolles Notizbuch mit verschlüsselten Texten und einem Bild von Nicolas Poussin. Gaddafi warnt Finch davor, Recherchen anzustellen, denn dies könnte sein Todesurteil sein.


Gerd Schilddorfer gelingt es scheinbar mühelos, über die Jahrhunderte hinweg, Verknüpfungen in die Gegenwart zu finden. Der Schreibstil ist so fesselnd, informativ und spannend, dass man überrascht ist, wie schnell 800 Seiten gelesen sind. Dies ist nicht nur ein Thriller. Dieses Buch ist so gespickt mit Informationen, Geschichtsdetail, Kunstwissen, Politik und Humor, dass ein Genre gar nicht ausreicht, um das Buch zu beschreiben. Man merkt, wie jede Handlung gekonnt recherchiert und ersonnen wurde.

Gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit lieb gewonnenen Charakteren wie Major Llewellyn und Amber. Aber auch für Neuleser ist der Einstieg einfach, denn der Autor stellt seine Figuren in kurzen Umschreibungen vor. Auf seiner abenteuerlichen Schatzsuche begleiten John Finch aber auch neue Charaktere. Besonders die sympathischen Brüder aus St. Sulpice lassen den Vatikan in einem sehr jugendlichen Licht erstrahlen, auch wenn im Hintergrund immer noch ein bestimmter Kardinal die Fäden zieht.
Meisterkunstdieb Rebus ist eine neue frische Figur, die John Finch fasst die Show gestohlen hätte. Mit seinen raffinierten Coups hat er das Zeug für einen neuen Romanhelden.

Kaum das man mit dem Lesen begonnen hat, ist man schon dabei eigene Recherchen anzustellen. Das Buch ist schnell mit Markern, Zetteln und Notizen von mir ergänzt worden. Man möchte einfach immer tiefer in die Handlung eintauchen. Obwohl der Autor schon sehr detailliert Orte, Geschehnisse und Personen herausarbeitet, macht es einfach Spaß weitere Informationen zu finden.

Hat der Maler Nicolas Poussin tatsächlich Botschaften in seinen Bildern versteckt, wie sieht das Kloster Admont mit seiner wunderschönen Bibliothek heute aus, ist das Kloster Cambron tatsächlich mit Nostradamus in Verbindung zu bringen, ist das Tal in Valle Maira so malerisch und verlassen, Bingley Five Rise Locks ist sicherlich ein tolles Ausflugsziel und, und, und.

Durch die Annäherung der Handlungsstränge wird der Spannungsbogen kontinuierlich angehoben. Inzwischen ist John nicht der einzige, der das Geheimnis des Notizbuches lüften will. Vatikan, Geheimdienste und Terroristen sind ihm auf der Spur und nehmen am Wettlauf um die Entschlüsselung des Notizbuches teil.

Dieser Thriller ist ein absolutes Leseerlebnis. Die Mischung aus Fiktion und wahren geschichtlichen Begebenheiten in einer Mixtur aus Spannung und Wissen ist einfach fesselnd. 



Autorenwebsite: http://www.schilddorfer.de


Samstag, 12. November 2016

Die Stille vor dem Tod von Cody McFayden


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    Erscheinungsdatum: 26.09.2016
    Verlag: Bastei Lübbe
    ISBN: 9783785725665
    Fester Einband: 480 Seiten
    Leseprobe

    Meine Bewertung: 1,5 von 5 Punkten 
  Das Team von Smoky Barrett wird an einen schrecklichen
  Tatort gerufen. In Denver wurde eine fünfköpfige Familie auf
  grausame Weise ermordet. Doch es kommt noch
  schlimmer: Weitere Familien in der Straße wurden zum
  gleichen Zeitpunkt getötet und der Mörder hat eine blutige
  Botschaft für Smoky hinterlassen. Kurz darauf verändert
  sich Smokys Leben auf dramatische Weise und niemand in
  ihrer Umgebung scheint mehr sicher zu sein.


Ein Thriller sollte Spannung erzeugen, die während der gesamten Handlung präsent ist. Cody McFayden hat mit seinem neuesten Werk leider wenig davon aufkommen lassen. Abscheu, Widerwillen und Kopfschütteln kamen dagegen bei mir häufig vor. Traumpassagen und Zeitungsberichte unterbrechen die ohnehin fast nicht vorhandene Handlung.
"Ich muss auf den Geisterzug warten, der gleich kommen wird, muss die Albtraumwaggons sehen, die auf Rädern aus Blut und Knochen vorbeirattern. .... Ich wollte, ich könnte im Sand sitzen (der aus Diamanten in sämtlichen Regenbogenfarben besteht), dich neben den Gleisen (Schienen aus Elfenbein, weiß wie die Zähne von Toten und hart wie Titan) ..."

Hier stehen nicht die schrecklichen Morde im Vordergrund, sondern die Charaktere. Ein Gespräch von Smoky mit ihrem Psychiater dauert ganze 40 Seiten lang an.

Immer wieder werden furchtbar abscheuliche Morde bis ins kleinste Detail geschildert. Hier feiern sich Seite für Seite die unterschiedlichsten Serienkiller ohne das wirklich ein Zusammenhang mit der Story zu finden ist. Besonders aufgeregt haben mich Szenen, in denen Morde an Babys geschildert wurden. Hier ist der Autor wirklich zu weit gegangen. Will er seine Leser vergraulen oder einfach nur provozieren?

Zu guter Letzt werden dann noch Verschwörungstheorien rund um die CIA gestreut, die mehr verwirren als aufklären. Das Ende löst keine Fragen, sondern hinterlässt einfach nur ein leeres Gefühl.

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten und nur deshalb bis zum Ende durchgehalten. Empfehlen kann ich es aber nicht. 




Mittwoch, 5. Oktober 2016

Das Geheimnis der Mittsommernacht von Christine Kabus




    Erscheinungsdatum: 09.09.2016
    Verlag: Bastei Lübbe
    ISBN: 9783404174034
    Flexibler Einband: 480 Seiten

    Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 
Auf dem Weg in ein neues Leben begleitet 1895 Clara Ordal ihren Ehemann in dessen norwegische Heimatstadt Røros. Durch ein Unglück ist Clara in der fremden Stadt allein auf sich gestellt und stößt als Katholikin überall auf Ablehnung. Nur ihr kleiner 6-jähriger Sohn Paul gibt ihr den Halt weiterzumachen. In Røros lebt Sofie, die Tochter des Bergwerksbesitzers Ivar Svartstein. Sie leidet unter dem harten Regiment, das ihr Vater nach dem Tod der Mutter führt. Eine heimliche Liebe zu einem adeligen Deutschen scheint ihr Ausweg zu sein.

Die Bücher von Christine Kabus erzählen Geschichten aus der Vergangenheit, lassen Figuren lebendig werden und Landschaften und Orte bildlich hervortreten. Auch hier im Norwegen des 19. Jahrhunderts hat man gleich das Gefühl die kleine Bergwerksstadt Røros wahrhaftig zu betreten. Durch detaillierte Beschreibungen, wie z. B. der Kleidung der Protagonisten, kann man sich ein Bild machen.

Zwei Frauenschicksale werden in aufeinander zulaufenden Handlungssträngen betrachtet. Clara Ordal muss fern ihrer deutschen Heimat in Norwegen fast mittellos als Witwe einen Neuanfang wagen. Trotz Sprachschwierigkeiten findet sie eine Anstellung und die fehlende Unterstützung der Familie ihres Mannes ersetzt ihre sympathische Vermieterin.
Sofie Svartstein wächst wohlhabend und behütet auf. Durch den Tod ihrer Mutter muss sie sich der Realität stellen. Vater und ältere Schwester geben die strengen gesellschaftlichen Regeln vor, wie das zukünftige Leben der jungen Frau aussehen soll. Sofie wehrt sich dagegen und hadert mit ihrem Schicksal.

Politische Hintergrundinformationen, technische Beschreibungen wie Druckmaschinen und Bergwerksarbeit werden als Einschübe in die Handlung eingeflochten, wollen aber nicht immer zum leichten Schreibstil passen. Besonders die immer wiederkehrende Erwähnung der Arbeiterbewegung, die sich gegen die Übermacht des Bergwerksbesitzers auflehnt und langsam an Gewicht gewinnt war, für mich nicht genug in die Handlung eingebunden. Der Charakter Per hätte besser herausgearbeitet werden müssen. Das Anliegen der Autorin war aber dennoch spürbar.

Trotz eines Geheimnisses, das die Familien Ordal und Svartstein umgibt, konnte mich die Handlung nicht fesseln. Schon recht früh hatte ich das Gefühl die Schicksale der beiden jungen Frauen zu kennen. Man ahnt, in welche Richtung Sofies Rebellion sie bringt und auch Claras Schicksal ist nicht überraschend, als ein gutaussehender Mann auf der Bildfläche erscheint.

Nebencharaktere wie die Samin Siru, die als Hirtin in den Wäldern lebt oder der alte Knecht, der Clara hilfreich auf dem Hof zur Seite steht, wirken weitaus sympathischer als die Hauptprotagonistinnen.

Auch wenn am Ende der Spannungsbogen deutlich steigt und das Geheimnis der Mittsommernacht überraschend gelüftet wird, konnte mich die Autorin diesmal nicht wie gewohnt begeistern.

Für Fans von historischen Liebesromanen sicherlich ein Lesegenuss, mir fehlte Tiefgang.

Freitag, 22. April 2016

Im Schatten der Lombardis von Berit Paton Reid




    Erscheinungsdatum: 08.10.2015
    Verlag: Bastei Lübbe
    ISBN: 9783404172665
    Flexibler Einband: 784 Seiten

    Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 

Über Generationen hinweg hat die Genfer Privatbank Lombardi ihren guten Ruf aufgebaut. Durch eine gewagte Spekulation bringt Pascal Lombardi das Familienunternehmen in Gefahr. Eine Investmentbank fordert über einen Margin call 1 Milliarde Dollar zurück und der drohende Ruin scheint nicht mehr abwendbar. Ausgerechnet in dieser brisanten Situation, in der alle Beteiligten an einem Strang ziehen sollten, bricht die Familie Lombardi auseinander. Pascal verschwindet spurlos, der Geschäftsführer der Bank ist tot und das Familienoberhaupt schockiert alle mit einem jahrzehntelang gehütetem Geheimnis.


Berit Paton Reid hat sich mit ihrem Debütroman an ein schwieriges Thema gewagt. Der als Thriller angekündigte Roman hat für mich eher die Struktur eines Wirtschaftskrimis. Die Welt der Privatbankiers wird hier sehr detailliert und gut recherchiert transportiert. Leider ist der Einstieg für Bank-Laien erst einmal recht schwer. Viele Begriffe und Abkürzungen wie Margin call und MBS (mortgage-backed security) bleiben auf den ersten Seiten unerklärt. Ein angefügtes Fremdwörterverzeichnis wäre hilfreich gewesen. Der Schwerpunkt liegt anfangs auf den Personen, die detailliert beschrieben werden. Dabei ist das gewählte Stilmittel, Personen über sich selbst berichten zu lassen, manchmal etwas holprig, hilft dem Leser aber, Personenbeziehungen aufzubauen.

Wer die ersten Seiten erfolgreich gemeistert hat, findet sich in einer Geschichte voller Intrigen, Machtspiele, Gier und Hass wieder, dem Tradition, Pflichtbewusstsein und Familienzusammenhalt gegenüberstehen. Durch den Prolog ist der Bösewicht der Geschichte leider schon offensichtlich enttarnt. Die Zusammenhänge, warum Joel Silverstein der Familie Lombardi schaden will, wird aber erst Puzzlestein für Puzzlestein am Ende der Story gelüftet. Man sieht hinter die Kulissen der Reichen und Mächtigen. Wie funktioniert über Generationen hinweg ein Bankunternehmen, das von einer Familie geführt wird. Welche Abhängigkeiten und Verpflichtungen entstehen. Anhand der Familie Lombardi werden Höhen und Tiefen sehr deutlich. Gekonnt wird der immer stärkere asiatische Einfluss dargestellt.



"Wir denken in Generationen und nicht in Quartalen!"
Die Handlungsorte reichen von Genf, Hongkong, Dubai nach New York und zeigen die schillernde Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Spannung wird durch den drohenden Ruin der Bank und die kurze Zeitspanne der Problemlösung aufgebaut. Unterschiedliche Charaktere und deren Herangehensweise an die brenzlige Situation zeigen immer neue Blickwinkel auf das Geschehen. Besonders die Frauen im Roman haben wichtige Schlüsselszenen und zeigen den toughen Bankern durch geschicktes Taktieren, wie ausweglose Situationen gelöst werden können.

Der Roman enthält alle wichtigen Eckpunkte für eine spannende Unterhaltung, über die Länge konnte aber kein Spannungsbogen gehalten werden. Mir fehlen lebendige Charaktere und Emotionen. Die Dialoge wirken wie am Reißbrett entworfen. Häufige Wiederholungen von bereits bekannten Sachverhalten sind überflüssig und beeinträchtigen den Lesegenuss.

Den angekündigten Thriller konnte ich nicht entdecken, dafür aber einen spannenden Wirtschaftskrimi mit überraschendem Geheimnis.

 


Donnerstag, 14. Januar 2016

Der Duft der Träume von Care Santos




    Erscheinungsdatum: 12.11.2015
    Verlag: Bastei Lübbe 
    ISBN: 9783404172887
    Flexibler Einband: 480 Seiten

    Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten 

Eine Reise durch Barcelonas Schokoladenwelt, über Jahrhunderte hinweg. Drei ganz unterschiedliche Frauen, die eines verbindet: Eine kleine Schokoladenkanne, die zufällig von Hand zu Hand gewandert ist.


Care Santos In Barcelonas Gegenwart begegnet der Leser Sara. Die Inhaberin einer gutgehenden Confiserie führt die Familientradition erfolgreich fort. Der Schreibstil der Autorin ist hier emotional und überraschend. Saras Ehe ist geprägt von Gleichklang und Harmonie, in die sich langsam Gewohnheit schleicht. Als ein langjähriger Freund der Familie nach Jahren wieder auftaucht, scheint das Gerüst aus Lügen, Schein und Trug zu brechen, nimmt dann aber eine überraschende Wendung. 
"Er begriff einfach nicht, dass Worte, einmal ausgesprochen, oft unüberwindbare als Mauern und verletzender als Messerstiche sein können."
Im 19. Jahrhundert ist das Dienstmädchen Aurora Hauptfigur der Handlung. Der Schreibstil ändert sich zur Erzählform. Ein Unbekannter spricht mit Aurora über ihre Vergangenheit. Aus mittellosen Verhältnissen wird Aurora in einer wohlhabenden Familie als Unterhalterin der gleichaltrigen Tochter aufgenommen. Als diese heiratet muss Aurora den Arbeitgeber wechseln und lernt ihren zukünftigen Mann kennen und schätzen. Durch ihn wird nicht nur Aurora sondern auch der Leser in die Welt der Oper eingeführt.

Mariana schließlich versucht im 18. Jahrhundert als Witwe eines erfolgreichen Schokoladenconfiseurs die Produktion weiterzuführen. Der Schreibstil ändert sich zu einer Art komödiantischen Theaterstück. Diesmal ist Victor Philibert Guillot Berichterstatter. Eine französische Delegation versucht an die neuartige Schokoladenmaschine der schönen Witwe zu gelangen. Engländer, Franzosen und einheimische Confiseurs versuchen die Gunst der Witwe zu gewinnen.

"Sollten Sie mich jemals nach der Farbe der Stunden fragen, die mein Dasein als menschliche Wurst währte, so gäbe es nur eine Antwort: Sie waren schwarz, und zwar pechschwarz."
Obwohl Barcelona ein wichtiges Hauptthema dieses Buches ist, fehlt die Emotion, das Flair der Stadt. Man wird mit vielen Straßennamen und Plätzen konfrontiert, die aber nur Kennern etwas sagen dürften.

Am Ende schließt sich der Kreis. Man kennt alle Besitzer der Schokoladenkanne und kehrt zurück zu deren Entstehung.

Leider stehe ich immer noch ratlos vor dem Gesamtwerk. Mir fehlen Emotionen, Bilder und lebendige Figuren. Obwohl Schokolade das Hauptthema der Handlung ist, fehlt die dazugehörige Leidenschaft der Confiseurs, das Gefühl von Genuss und Kreativität. Der vermeintlich angedachte rote Faden, der als Schokoladenkanne den Weg über die verschiedenen Abschnitte sucht, verliert sich zu sehr, um in Erinnerung zu bleiben.




Mittwoch, 24. Juni 2015

Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen von Petra Hülsmann

https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/frauenromane/wenn-schmetterlinge-loopings-fliegen/id_3250140

    Erscheinungsdatum: 18.06.2015
    Verlag: Bastei Lübbe
    ISBN: 9783404172726
    Flexibler Einband: 464 Seiten

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 

Voller Tatendrang will Karo nach bestandener Bachelorprüfung in einem neuen Job durchstarten. Von Bochum gehts in die Weltstadt Hamburg. Blöd nur, dass ausgerechnet an ihrem ersten Arbeitstag der neue Arbeitgeber wegen Steuerhinterziehung angeklagt wird. Aus mit dem Traumjob, doch so schnell gibt Karo nicht auf. Überraschend wird ihr eine Stelle beim Hamburger Fußballverein angeboten. Doch verlockend ist das Angebot auf den zweiten Blick nicht, denn statt im Management zu arbeiten, soll Karo Babysitter für den Vereins-Star Patrick Weidinger spielen. Seine nächtlichen Eskapaden gefallen dem Verein ganz und gar nicht und Karo hat die undankbare Aufgabe, Chauffeuse für den führerscheinlosen motzigen Profi zu sein.


Petra Hülsmann Petra Hülsmann hat schon mit ihrem Debüt "Hummeln im Herzen" bewiesen, dass sie herzerfrischend witzig und locker über Alltagsprobleme von Frauen schreiben kann. Um so gespannter war ich auf den neuen Roman "Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen". Als erstes fällt natürlich das ähnlich gestaltete Cover ins Auge. Eine knallige Farbe und ein kuscheliges Häkeltier sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert. Skeptisch war ich, nachdem ich den Klappentext gelesen habe. Ein Roman über Fußball??? Fußball ist für mich so abstrakt wie ein Gemälde von Wassily Kandinsky. Erklären ist bei mir hoffnungslos. Doch schon nach den ersten Sätzen war meine Sorge unbegründet. Der tolle Schreibstil der Autorin läßt einen nur so über die Seiten fliegen.

Besonders Hauptakteurin Karo hat mir sehr gefallen. Sie ist nicht perfekt und steht dazu. Fettnäpfchen scheinen sie magisch anzuziehen und gerade deswegen wirkt sie so sympathisch. Während der Handlung verändert sich ihr Charakter. Sie versucht sich anzupassen und will jemand anderes sein. Doch so sehr sie sich auch bemüht, im Herzen bleibt sie doch Karo - und das ist auch gut so.

Der Fußballprofi Patrick scheint anfangs so zu sein, wie man sich einen typischen Fußfallstar vorstellt. Arrogant, kaltschnäuzig und oberflächlich. Doch der Schein trügt und wäre Karo nicht immer mit sich selbst beschäftigt, hätte sie schon viel eher festgestellt, wie einfühlsam, warmherzig und liebenswert dieser gutaussehende Kerl eigentlich ist.

Erfrischend humorvoll und echt wirken die Dialoge zwischen den beiden Kontrahenten.

Mit viel Liebe zum Detail werden auch alle Nebendarsteller beschrieben. Karos WG-Mitbewohner nehmen lebhaft teil an ihren Sorgen und unterstützen sie manchmal sogar zu tatkräftig.

Auch wenn ich immer noch kein Fußballfan geworden bin, hat mir der Blick hinter die Kulissen eines Vereins sehr gefallen. Überrascht war ich über die vielen amüsanten Zitate aus der Fußballwelt, die die Kapitel einleiten.

Eine rundum gelungene witzige und unterhaltsame Geschichte, die man mit einem breiten Grinsen liest, während der Liebste Fußball schaut.
Absolute Leseempfehlung!  


Noch ein Tipp: Wer den knuffigen Schmetterling häkeln möchte, findet unter dem Link auf dem obigen Cover eine Häkelanleitung

Dienstag, 19. Mai 2015

Die stille Kammer von Jenny Blackhurst

https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/thriller/die-stille-kammer/id_2844475

    Erscheinungsdatum: 15.05.2015
    Verlag: Bastei Lübbe 
    ISBN: 978-3-404-17219-1
    Flexibler Einband: 446 Seiten

    Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 

Mord am eigenen Kind. Nach vier Jahren wird Susan Webster aus der Psychatrie entlassen. Sie selbst hat keine Erinnerung an die Tat und erste Zweifel kommen auf, als sie ein Foto ihres Sohnes entdeckt, auf dem er als Kleinkind zu sehen ist. Sollte Dylan noch leben? Unverhofft kommt ihr der Journalist Nick Whitely zu Hilfe. Kann sie ihm trauen? Susan begibt sich auf Spurensuche, die sie in die Vergangenheit ihres Exmannes führt. Ein Verwirrspiel beginnt, bei dem niemand mehr vertrauenswürdig scheint.

Jenny Blackhurst hat einen spannenden, nervenaufreibenden Psycho-Thriller als Debüt geschrieben. Hauptprotagonistin Susan Webster weiß am Ende nicht mehr, ob sie ihr eigenes Baby wirklich erstickt hat, oder was an diesem schrecklichen Tag wirklich in ihrem Haus passiert ist. Gekonnt setzt die Autorin Akzente auf die emotionale Zerrissenheit von Susan. Als Leser schwankt man, ob die empfundene Sympathie für die angebliche Mörderin richtig oder falsch ist. Anhand von kleinen Hinweisen wird man selbst zum Ermittler und versucht die einzelnen Punkte miteinander zu verbinden. Doch immer wieder wird man in eine Sackgasse geführt.  

     
"Ich habe das Gefühl, heute nicht nur meinen Vater zurückbekommen zu
       haben, sondern noch sehr viel mehr. Ich habe endlich wieder angefangen,
       mich zu erinnern, wie es war, Susan Webster zu sein." 

 
Verschiedene Identitäten verwirren anfangs, da man die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart durch die unterschiedlichen Namen nicht herstellen kann. Es macht aber auch den Reiz aus, denn man weiß, dass eine bestimmte Person Unrecht getan hat. Kann aber die Zuordnung zur Gegenwart durch die fehlende Identität nicht herstellen.

Rückblenden führen den Leser zu einer Gruppe Jugendlicher, die reich und überheblich ihr Leben genießen. Der Zusammenhang zu Susan bleibt erst einmal verborgen.

Perfekt inszenierte Fassaden verschiedener Charaktere fangen durch Details aus der Vergangenheit an zu bröckeln. Glücklicherweise hat jemand den Mut gehabt, Dinge zu hinterfragen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Am Ende wird die Vergangenheit zum Schlüssel für die Gegenwart. Doch ein HappyEnd darf man nicht erwarten.

Freitag, 30. Januar 2015

„Insel der blauen Gletscher“ von Christine Kabus

https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/landschaftsromane/insel-der-blauen-gletscher/id_3331566


Erscheinungsdatum : 15.01.2015
Verlag: Bastei Lübbe  
ISBN:9783404171545
Flexibler Einband: 480 Seiten

Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 

Auf der Flucht vor ihrem Alltag findet Hanna, eine Reisereportagejournalistin, in der atemberaubenden Landschaft Spitzbergens die erhoffte Ruhe. Beeindruckende Naturschauspiele, ein äußerst sympathischer Polarforscher und eine geheimnisvolle Gletschereismumie bringen ihr bisheriges Leben ganz schön durcheinander. Auf den Spuren des Toten im Eis gelangt man ins Jahr 1907 und erlebt zusammen mit Emilie, eine aufregende Expedition in arktischer Kälte. Verkleidet als Mann tritt sie ihr Abenteuer an Stelle ihres Bruders an. Was als botanische Studienfahrt beginnt, entwickelt sich zu einer gefährlichen Reise ins Ungewisse. Denn mindestens ein Teilnehmer der Expedition scheint ein Geheimnis mit aller Gewalt verteidigen zu wollen.
 

Christine Kabus hat einen lebendigen, mitreißenden Schreibstil, der den Leser sofort in die herrliche Landschaft Norwegens entführt. Besonders die Naturschauspiele, wie kalbende Gletscher, leuchtendes Eis und Pflanzen, die der Kälte trotzen, lassen wundervolle Bilder entstehen.

Erzählt wird die Geschichte von Emilie im Jahr 1907 und die Erlebnisse der Journalistin Hanna im Jahr 2013. Beide Handlungsstränge scheint nur die herrliche Landschaft Spitzbergens zu verbinden. Je länger man die beiden Frauen begleitet, desto mehr Parallelen tun sich auf.

Hanna wirkt anfangs etwas farblos. Sie funktioniert, organisiert für die Familie, scheint aber kein eigenes Leben mehr zu haben. Erst während ihrer Spitzbergen-Reportage lernt sie, sich wieder auf sich zu konzentieren und lebt merklich auf. Der Polarforscher Kåre, ein gefühlvoller, sensibler Mann, zeigt ihr nicht nur die Schönheit der Landschaft, sondern gewinnt auch ihr Herz.

Im zweiten Handlungsstrang begleitet man im Jahr 1907 die junge Emilie, die sich in der Enge der gesellschaftlichen Ordnung nicht wohl fühlt. Ungestüm, spontan und sympathisch stürzt sie sich in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Verkleidet als Mann vertritt sie ihren Bruder während einer Expedition. Ihre Erlebnisse als Mann zeigen, wie sehr sie bisher in ein vordiktiertes Korsett gesperrt war. Ihre Freude an neuen Erlebnissen ist deutlich spürbar. Sie geht bis an ihre körperlichen Grenzen und erhält sogar Anerkennung für ihr "männliches" Auftreten.
Allein, der mürrisch und grob wie ein Wikinger wirkende Arne, verwirrt Emilie.

Erlebnisreich und dramatisch geht es besonders im Jahr 1907 zu. Man ist gefesselt von der Story und erhält durch viele gut recherchierte Details einen Einblick in die Geschichte. Der Spannungsbogen wird langsam und packend aufgebaut. Ein besonders spannendes Element ist ein Telegramm mit einer polizeilichen Personensuche. Es ist nur bruchstückhaft lesbar, weil einzelne Worte nicht mehr entzifferbar sind. Der Leser wird auf eine Fährte geführt, aber ob diese auch stimmt, ......

Mich hat dieser Roman in eine andere Zeit versetzt, von der ich viel zu schnell wieder Abschied nehmen musste. Die knapp 500 Seiten sind nur so an mir vorbeigeflogen. Die wundervollen Naturbilder werde ich aber noch länger im Kopf behalten.
Eine gelungene Mischung aus Naturbildern, Geschichtsdaten, mitreißender Handlung, Gefühlen und einer Prise Humor.