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Donnerstag, 14. September 2023

Fräulein Schopenhauer und die Magie der Worte von Lucca Müller


Den Philosophen Schopenhauer kennt man, doch wer waren seine Mutter und Schwester? Zwei erfolgreiche und eigenständige Frauen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts im kriegsgebeutelten Weimar einen Neuanfang beginnen. Ihr unkonventioneller Literatursalon weckt schnell das Interesse heimischer Künstler und selbst Johann Wolfgang von Goethe bietet ihnen die Freundschaft an. Erst aus der Not heraus entdecken beide Frauen ihr schriftstellerisches Talent und begeistern die Kritiker.


Lucca Müller hat mit dieser lebhaften und glaubwürdig geschriebenen Romanbiographie zwei Frauen aus dem Schatten des Philosophen Arthur Schopenhauers gehoben. Es wird sicherlich nicht nur mir so ergehen, dass man den Philosophen nicht aber seine Familie kennt. Seine Schwester Adele, die 1806 mit ihrer Mutter Johanna von Hamburg nach Weimar zieht, steht in diesem Roman im Fokus. Die Abhängigkeit der Frauen und die Voreingenommenheit der Männer werden deutlich herausgearbeitet. 

"Ein Mädchen tat gut daran, sich anzupassen."

Um so erstaunlicher ist es, dass die verwitwete Johanna sich von allen Zwängen lösen kann und zusammen mit ihrer Tochter Adele über Jahre einen eigenen Haushalt führt. Der Wahlspruch der Schopenhauers "Ohne Freiheit kein Glück" wird hier gelebt. 

Durch den Roman habe ich auch die dazugehörigen Biografien angelesen und war sehr überrascht, wie nah die Autorin sich an die wahren Begebenheiten gehalten hat. Ein wenig mehr Fiktion hätte den Charakteren Wärme und Ausstrahlung verliehen. Es mag aber auch sein, dass die Vorstellung nur vom Geld anderer abhängig zu sein, so gar nicht meinem Verständnis entspricht. Adele ist zeit ihres Lebens vom Geld ihres verstorbenen Vaters abhängig. Erst spät wurden ihre Romane veröffentlicht und werden sicherlich auch nicht zum vollständigen Ausgleich der Kosten beigetragen haben. 

Die Handlung bleibt sehr nah bei den beiden Frauen. Die Gesellschaften im Literatursalon - insbesondere die Treffen mit Johann Wolfgang von Goethe - werden sehr detailliert beschrieben. Er ist es auch, der Adele fördert und erste Gedichte zusammen mit ihr verfasst. Leider wiederholen sich manche dieser Schilderungen und oberflächliche Gespräche zwischen Freundinnen und Gästen können getrost übersprungen werden. 

Adeles Verwirrtheit bei der Suche nach einem Partner zeigt, wie sehr das vorgegebene Ideal von Mann und Frau vorgezeichnet war. Zaghafte Versuche einen Ehemann zu finden scheitern an ihrem Freiheitsdrang und dem Bewusstsein, dass mit der Ehe auch die Abhängigkeit zum Mann einhergehen würde. Spät lernt sie ihre wahren Gefühle kennen und kann dank der Unterstützung durch die Autorin Droste zu Hülshoff diese auch ausleben. 

Erbost hat mich die ruppige und unangenehme Art Arthur Schopenhauers, der vor lauter Feindlichkeit allem Menschlichem gegenüber selbst die eigene Familie und auch jedwede finanzielle Unterstützung ablehnt. Trotz allem fühlen sich Schwester und Mutter ihm weiter verbunden, auch wenn sie sich einig sind:  

"Die Liebe zu Arthur schrumpfte mit der Nähe und stieg mit der Entfernung an."

Die Verwandlung einer Biografie in eine Romanhandlung ist der Autorin sehr gelungen. Lediglich die geschichtlichen Hintergrundinformationen kommen ein wenig zu kurz und hätten der Handlung mehr Lebendigkeit eingehaucht. Dies war nur in den frühen Kriegsjahren in Weimar zu spüren. 

Von mir gibt es 3,7 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  25.08.2023
Verlag:  Lübbe
ISBN: 9783404191888
Flexibler Umschlag
Seiten: 432





Donnerstag, 19. November 2020

Black Sun von Owen Matthews

    Erscheinungsdatum: 30.10.2020     Verlag: Lübbe    
    ISBN:
9783404183371     Flexibler Einband: 432 Seiten
    Leseprobe     Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten 
Aufrüsten, Wettrüsten, Kalter Krieg. Atomwaffen in Ost und West sollen das Gleichgewicht halten, den Frieden sichern. Doch wie sicher sind wir in dieser Welt voller alles vernichtender Waffen. 1961 entwickeln die Sowjets in einer geheimen russischen Stadt eine Bombe, die alles Vorstellbare übersteigt. Wenige Tage vor dem ersten Test stirbt ein Physiker an einer Thallium-Vergiftung. Selbstmord - wie es scheint. Moskau zweifelt und schickt seinen besten KGB-Mann. Oberst Wassin wird es nicht leicht gemacht, denn in Arsamas-16 gelten russische Regeln nicht.

 

Owen Matthews hat auf der Grundlage von wahren Begebenheiten diesen Thriller geschrieben. Das Thema ist nicht neu, denn schon oft wurden russische Atomtests oder Weltvernichtungswaffen als Thema für spannende Romane verwendet. Außer, dass hier ein Wahrheitsfunke verbaut wurde, findet man nicht viel Neues. KGB Militärs, die sich gegenseitig misstrauen, ihre Macht missbrauchen, einschüchtern. Die anfängliche Sympathie, die man für Oberst Wassin entwickelt, schwindet schnell. Sein Privatleben ist alles andere als vorbildlich, seine Wahrheitsliebe erdrückt durch Gehorsam und Verzweiflung. 

Personen bleiben oberflächlich, Schatten ihrer selbst. Dabei hätten sie durchaus Potenzial für Tiefe und Emotionen geliefert. Besonders die junge Ehefrau vom Leiter des Bombentests hat eine schwere, leidvolle Vergangenheit. Doch statt Gefühle zu transportieren, werden nur Plattitüden verwendet.

"Wer unter Wölfen lebt, muss mit ihnen heulen"

Viel Detailliebe wird dagegen auf technische Elemente verwendet. Welche Materialien werden in der Bombe verbaut, wie funktionieren die Abläufe während der Startphase und welche Auswirkungen wird die Detonation haben. Das Umfeld der Arbeiten bleibt dagegen farblos. Wie sehen die Labore aus, die geheime Stadt mit ihren Bewohnern. Wie lebt man als Geheimnisträger mit westlichen Luxusgütern fern des russischen Alltags. Hier bleibt es der Fantasie des Lesers überlassen, sich ein Bild zu machen. 

Die Ermittlungen laufen - wie erwartet - schleppend. Wassin läuft gegen Wände und Vorgesetzte an. Trotz seiner hartnäckigen, überheblichen Art kommt er nicht wirklich weiter. Der Einblick in sein Privatleben ist wenig hilfreich und teilweise ermüdend zu lesen. Die Handlung will keine Fahrt aufnehmen und der versucht aufgebaute Spannungsbogen überrascht am Ende nicht wirklich. 

Mich konnte dieser Thriller nicht fesseln und blieb trotz des furchtbar und undenkbaren Szenarios nicht lange in Erinnerung. Technisch begeisterte Leser finden sicherlich mehr Inhalte, die sie begeistern können. Mir war die Handlung wichtiger und leider nicht durchgehend greifbar.  

Donnerstag, 12. Februar 2015

Kinder des Meeres von Charlotte Lyne

https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/historische-romane/kinder-des-meeres/id_2961879

Erscheinungsdatum : 14.11.2014
Verlag: Lübbe 
ISBN:9783431039061
Fester Einband: 638 Seiten

Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 


Seine Leidenschaft gehört der Mary Rose, sie zu retten und in die Geschichte eingehen zu lassen, ist sein Ziel. Doch Anthony scheint im Jahre 1509 auf verlorenem Posten um das Lieblingsschiff des Königs zu kämpfen. Trotz der bedingungslosen Liebe seiner beiden engsten Vertrauten Fenella und Sylvester muss er um sein Leben fürchten als er in die Ränkespiele der Adligen am Hofe von Heinrich VIII gerät.
 

Charlotte Lyne nimmt den Leser mit in die Zeit der Renaissance am Hof des englisches Königs Heinrich VIII. Die Leidenschaft der Autorin für diese Zeit und besonders für den außergewöhnlichen Herrscher ist deutlich spürbar.
Mich hat sie sogar für die Mary Rose und deren Geschichte begeistert (http://www.maryrose.org/).
Die Welt der Werftkinder Anthony, Fenella und Sylvester in Portsmouth wird so lebendig geschildert, als wäre man wirklich dabei.

König Heinrich VIII leidet unter dem Ausbleiben eines Thronerben und läßt seine Launen an seinem Gefolge aus. Hofft er gerade wieder einmal frisch vermählt auf einen Sohn, ist er in Spendierlaune und vergibt Ämter und erhört Bittsteller. Muss er gerade eine Frau los werden, um Platz für die nächste zu schaffen, rollen schon einmal unbeliebte Köpfe.
Wichtige Geschichtsdaten werden in die Handlung mit einbezogen. So erlebt man durch die Protagonisten wie sich das Leben durch die sozialen und religiösen Umbrüche während Heinrichs Regierungszeit dramatisch verändert.

Eine besondere Rolle spielt Anne Boleyn im Roman. Man begleitet sie als junges Mädchen bis hin zum Schafott. Ihre Lebensfreude, aber auch die Verzweiflung, ihrer Aufgabe nicht gerecht zu werden, ist deutlich spürbar. Zuleicht vergisst man, dass auch hinter den großen und mächtigen Namen, sich nur einfache Menschen und Gefühle verbergen.

Die wichtigsten Protagonisten sind aber die Werftkinder, die durch tiefe Gefühle füreinander miteinander verbunden sind. Die ungewöhnliche Dreierbeziehung wird auch mit Camelot verglichen. Zwei Männer und eine Frau, die ohne einander nicht sein können. Auffällig dabei ist, wie unterschiedlich jeder die Liebe definiert. "Die Liebe" gibt es nicht. Jeder muss für sich die Art zu lieben herausfinden.

Besonders hat mich Anthony fasziniert. Die Komplexität dieses Charakters ist einzigartig. Man leidet mit ihm und dann hasst man ihn fast für seine Taten. Versteht seine Leidenschaft für das Schiff und schüttelt den Kopf, wie er mit seiner Fenchel umgeht.

Der Spannungsbogen wird im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Zerreißen gespannt. Man meint, schlimmer kann es nicht mehr werden, mehr kann doch ein Mensch nicht aushalten und dann gibt es wieder einen Schicksalsschlag. Zeit für Erholung wird weder den Protagonisten, noch dem Leser geschenkt. So ist das Ende auch an Dramatik nicht zu überbieten.

Mich hat dieser wundervolle Roman begeistert.