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Sonntag, 23. August 2026

Dunkle Sühne von Karin Slaughter mit Nina Petri (Sprecher*in)


In der Kleinstadt North Falls wird der 4. Juli traditionell mit Picknick und Feuerwerk gefeiert. Es ist ein Familienfest, bei dem jeder jeden kennt. Doch als die letzten Raketen gezündet sind und die Autos wieder nach Hause fahren, fehlen zwei junge Mädchen. Ausgerechnet die Tochter von Deputy Emmy Cliftons bester Freundin ist unter den Vermissten.



Emmy fühlt sich schuldig, denn das Mädchen hatte noch versucht, mit ihr zu sprechen. Doch auch eine Polizistin kann private Probleme haben und dadurch nicht aufmerksam genug sein, um die Angst eines jungen Menschen wahrzunehmen.

Gemeinsam mit dem Sheriff – der gleichzeitig Emmys Vater ist – beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn allen ist bewusst: Jede vergangene Minute verringert die Chance, die Mädchen rechtzeitig zu finden. Während ihrer Ermittlungen stoßen Emmy und ihr Vater auf Ungeheuerlichkeiten, die man in einer idyllischen Kleinstadt wie North Falls nicht erwarten würde. Die Mädchen hatten Geheimnisse, die man Teenagern kaum zutraut. Plötzlich tauchen große Geldsummen und Fotos auf, die einem den Atem stocken lassen.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Polizei hier nicht als unfehlbare Einheit dargestellt wird. Das Privatleben der Ermittler überschattet teilweise die Arbeit, und auch familiäre Abhängigkeiten spielen eine große Rolle. In einer Kleinstadt gelten offenbar eigene Regeln – und an diese sollte man sich besser halten.

Allerdings hatte die Geschichte für mich auch einige Längen. Zudem gibt es unzählige Charaktere, die man sich zunächst einmal merken muss. Vor allem Emmys große und weitverzweigte Familie verlangt viel Aufmerksamkeit und macht den Einstieg nicht gerade leicht.

Über allem liegt eine düstere Grundstimmung, die mehrere Fälle miteinander verbindet und erst nach einigen Wendungen langsam Licht ins Dunkel bringt. Die Hörbuchsprecherin leistet dabei wirklich gute Arbeit und schafft es, an einigen Stellen eine beklemmende Atmosphäre und echte Gänsehaut entstehen zu lassen.

An manchen Stellen wurde für meinen Geschmack allerdings zu tief in die Klischeeschublade gegriffen. Stereotype wie alkoholisierte und brutale Ehemänner oder Frauen, die ihren Beruf souverän beherrschen, zu Hause aber ihrem Mann nichts entgegenzusetzen haben, wirken etwas aus der Zeit gefallen. Zwar entwickeln sich einige dieser Figuren im Laufe der Handlung weiter, dennoch waren mir diese Darstellungen stellenweise zu vorhersehbar.

„Dunkle Sühne“ ist der Auftakt einer neuen Thriller-Serie. Dass es sich um einen Reihenbeginn handelt, wäre mir allerdings nicht unbedingt aufgefallen. Gerade bei einer Serie erwartet man am Ende meist einen großen Knall, der die Vorfreude auf den nächsten Band weckt. Das ist hier leider nicht gelungen.

Insgesamt ist „Dunkle Sühne“ ein atmosphärischer Thriller mit einer interessanten Kleinstadtkulisse, vielschichtigen Ermittlern und einigen überraschenden Wendungen. Die Geschichte konnte mich nicht durchgehend fesseln, hatte aber genügend düstere Momente, um an der Auflösung des Falls interessiert zu sein. 

Perfekt für alle, die gerne atmosphärische Kleinstadt-Thriller mit familiären Verstrickungen, mehreren miteinander verbundenen Fällen und Ermittlern mit persönlichen Problemen lesen oder hören.


Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  29.07.2025
Verlag:  HarperCollins
ISBN: 9783365012314
Hörbuch
Laufzeit: 1195 Minuten



Dienstag, 10. Januar 2017

Solange ich in deinem Herzen bin von S.D. Robertson



https://www.harpercollins.de/buecher/gegenwartsliteratur/solange-ich-in-deinem-herzen-bin
    Erscheinungsdatum: 09.01.2017
    Verlag: HarperCollins
    ISBN: 9783959670739
    Flexibler Einband: 336 Seiten

    Leseprobe

    Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 
  Durch einen Verkehrsunfall stirbt der 36-jährige Journalist
  Will, als er gerade auf dem Weg zu seiner 6-jährigen Tochter
  Ella ist. Fassungslos betrachtet Will, der als Seele
  zurückbleibt, wie seine kleine Tochter mit der schrecklichen
  Wahrheit konfrontiert wird. Um ihm den Abschied von Ella zu
  erleichtern, darf er für eine kurze Zeit von zwei Monaten noch
  auf der Erde bleiben. Doch Will kämpft um mehr, er möchte
  für immer an ihrer Seite bleiben.


Wie fühlt es sich an, wenn einen der Tod überraschend ereilt? S.D. Robertson gelingt es aus Sicht eines Verstorbenen, eine berührende Geschichte zu erzählen. Hauptprotagonist Will stirbt gleich in der ersten Zeile, sodass man als Leser nur die Bekanntschaft mit seiner Seele macht. Zwar glaube ich nicht an Geister oder Seelen, die zwischen uns Lebenden wandeln, aber Wills Seele wird so glaubhaft beschrieben, dass ich mich auf die Geschichte einlassen konnte.


"Gott, ich bin tot, dachte ich. Die schreckliche Wahrheit wurde mir langsam bewusst. Ich bin tatsächlich tot. Mein Leben ist vorbei. Ich werde Ella nie wieder in die Arme nehmen. Ich werde ihr nie wieder die Haare flechten, beim Zähneputzen helfen oder eine Geschichte vorlesen. All diese kleinen Dinge, die für mich immer ganz selbstverständlich waren, sind verloren. Für immer."
Es berührt einen, wie Will seine kleine Tochter beobachtet und verzweifelt versucht, sie noch einmal in die Arme zu nehmen, denn ihm wurden seine physischen Möglichkeiten genommen. Obwohl er durch seine Lotsin Lizzie eine Art Anleitung für Seelen erhält, muss er immer wieder feststellen, wie schwierig und unvollkommen sein Dasein ist. Für Will steht von Anfang an fest, dass er seine Tochter nicht allein auf der Welt lassen möchte. Doch je länger er an ihrer Seite weilt, desto mehr erkennt er, dass es auch Schattenseiten gibt, die nicht nur ihn belasten würden. Nach Ablauf von zwei Monaten muss er sich entscheiden, ob er für immer bleibt oder sich vom Licht davonführen lässt.

Die kleine Ella leidet natürlich am meisten unter dem Verlust. Als Vollwaise findet sie Halt bei ihren Großeltern und ihrer Tante. Aber niemand kann ihren Vater ersetzen. Mir tat dieses Mädchen so unendlich leid. Besonders als Mutter kann ich die enge Bindung zwischen Vater und Tochter gut nachvollziehen.

Der bedrückende, leise und ansprechende Anfang weicht mit der Zeit einer immer aufgebauschteren Handlung. Ein Schicksalsschlag scheint dem Autor nicht zu reichen, es kommt zu einem weiteren Todesfall in der Familie, der auch noch durch ein Geheimnis an Wichtigkeit gewinnt. Mir sind es ein wenig zu viele sehr harte Schicksalsschläge, die hier in so kurzer Zeit aufeinanderfolgen. Ella gerät mehr und mehr in den Hintergrund und Will läuft die Zeit davon.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist ein wichtiges Thema, das häufig verdrängt wird. Der Ansatz dieser Geschichte ist sehr gelungen und hilft sicherlich auch bei der Trauerbewältigung. Man muss sich aber darauf einlassen können, dass es ein Existieren nach dem Tod geben kann.

Das Ende konnte mich zwar überzeugen, doch die Anhäufung der kurz aufeinanderfolgenden Schicksalsschläge in der Familie war mir zu konstruiert und unglaubwürdig. Der Autor hätte für meinen Geschmack bei den leisen Momenten bleiben sollen.