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Dienstag, 5. Januar 2021

Bonnie Propeller von Monika Maron



     Erscheinungsdatum: 02.12.2020    
     Verlag:
Hoffmann und Campe   ISBN: 9783455011616   
     Fester Einband:
 64 Seiten    
     Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten 


In einer Kurzerzählung schildert die 1941 geborene namenlose Icherzählerin, wie sie nach dem Tod ihres Hundes einen Nachfolger sucht, heftig enttäuscht wird und sich nur schwer mit dem zu kurz geratenen "hässlichen Entlein" arrangiert.


Auf nur 64 Seiten wird das Zueinanderfinden von Mensch und Hund von der Autorin  Monika Maron erzählt. Der Schreibstil ist einfach und gut lesbar. Die ersten Sätze hätten aber fast schon dazu geführt, das Buch aus der Hand zu legen.

"Es ist das Bündnis von zwei Kreaturen mit dem einzigen Zweck, einander Freude und Beistand zu sein. "

Für mich ist ein Hund ein Familienmitglied, kein Dienstleister. Auch wenn ich verstehen kann, dass die alte Dame nicht lange allein sein möchte, ist die Suche im Internet per Bild und Video m. E. nicht der richtige Weg. Der persönliche Kontakt zum Tier ist sehr wichtig, man kauft doch keinen Gegenstand. Die Vermittlung erfolgt dann über eine Fundhund-Organisation, die sogar eine Möglichkeit zum Umtausch einräumt, weil der Hund unerwartet hässlich ist. 

Was macht das mit dem Tier, wenn es wie ein Wanderpokal herumgereicht wird? Warum werden die Hunde mitten in der Nacht auf einem Parkplatz abgegeben? Ich empfinde das als falsch verstandene Tierliebe. Der Protagonistin kann ich keine Sympathie abgewinnen. Der Hund muss perfekt sein. Darf nicht bellen, muss ruhig, aber nicht langweilig sein. Das Aussehen stört sie enorm.

Dieses kleine, unschöne Tier sollte nun mein letzter Hund sein ...." "
Da hilft auch nicht, das Tier mit teuren Accessoires auszustatten. Erst als der Hund durch Kunststückchen und Freundlichkeit die Aufmerksamkeit anderer Menschen gewinnt, ist die Besitzerin auch mit dem Tier zufrieden. Hält die Autorin uns den Spiegel hin. Seht her, selbst die Tiere müssen perfekt sein. Gebt den Außenseitern eine Chance. Oder schildert sie nur ihre eigene Geschichte? Das wäre sehr schade, denn Bonnie Propeller hat einen liebevollen Besitzer verdient.    


Donnerstag, 7. Mai 2015

Das Büro der einsamen Toten von Britta Bolt

http://www.hoffmann-und-campe.de/buch-info/das-buero-der-einsamen-toten-buch-7361/
Erscheinungsdatum: 11.03.2015
Verlag: Hoffmann und Campe 
ISBN: 9783455405286
Fester Einband: 384 Seiten

Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 

In Amsterdam kümmert sich Pieter Posthumus um unbekannte Tote, damit sie ein würdiges Begräbnis erhalten. Anders als seinen Kollegen, liegt ihm aber die Persönlichkeit der Menschen am Herzen. Ein toter marokkanischer Emigrant, der in der Prinsengracht gefunden wurde, gibt Posthumus Rätsel auf. Durch seine Ermittlungen lernt er düstere, verwirrendere Seiten Amsterdams kennen und gerät selbst in Gefahr.


Das Autorenteam Britta Bolt(Britta Böhler und Rodney Bolt) hat mit "Das Büro der einsamen Toten" den Auftakt zu einer neuen ungewöhnlichen Krimireihe geschaffen. In der stimmig beschriebenen Metrole Amsterdam fühlt man sich sofort wohl. Durch die vielen kleinen Details kann man sich die Menschen und das quirlige Stadtleben gut vorstellen. Hier ermittelt kein taffer Kommissar, sondern ein einfacher Stadtangestellter aus dem "Büro der einsamen Toten". Obwohl Pieter Posthumus sich den Job nicht selbst ausgesucht hat, versucht er namenlosen Toten ein würdevolles Begräbnis zu geben. Mit viel Einfühlungsvermögen, Toleranz und Feingefühl widmet er sich den Hinterlassenschaften der Toten:  

     
"Der Teil von ihm, der die Lücken füllte und die Geschichten erzählte;
       der Bücherregale und Musiksammlungen begutachtete, sich Bilder an
       der Wand ansah und Kleiderschränke durchsuchte, der ein Leben, eine
       Persönlichkeit konstruierte, um einer fünfminütigen Zeremonie einen
       individuellen Anstrich zu geben, der tastete jetzt behutsam umher,
      erfühlte sich blind seinen Weg und sah noch nicht ganz, was es zu
      sehen gab."

 
Hier steht nicht der Fall an erster Stelle, sondern die Charaktere. Gekonnt werden Haupt- und Nebendarsteller skizziert und mit all ihren Facetten dargestellt. Man bekommt einen Einblick in kulturelle Lebensweisen der muslimischen Bevölkerung und ist fassungslos über politische Machtspiele.

Posthumus hat einen passenden Satz dazu:



     "Zumindest eine Sache ist mir bei dieser ganzen Geschichte klar
     geworden: dass wir alle in dieser Stadt in unseren kleinen Welten
     feststecken, und dass es viel Energie kostet, die Grenzen zu
     überwinden."

Anfänglich waren die Sprünge zwischen Posthumus Ermittlungen und dem Geschehen rund um die Amsterdamer Zelle durch die vielen Namen und den fehlenden Zusammenhang schwer nachvollziehbar. Im Laufe der Handlung werden aber immer mehr Fäden verknüpft, sodass sich ein langsam aufbauender schlüssiger Fall ergibt.

Mir hat dieser leise, eher undramtische Krimi mit seinen vielen Facetten aus politischer Aktualität, Medienmanipulation und divergierenden Interessen sehr gefallen. Auf den nächsten Fall von Pieter Posthumus darf man gespannt sein.