Samstag, 14. Januar 2017

Das Fahrrad von Haseop Jeong


https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836958714
    Erscheinungsdatum: 27. Juni 2016
    Verlag: Gerstenberg Verlag
    ISBN: 9783836958714
    Fester Einband: 48 Seiten

    Leseprobe

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 
  Was ist ein Fahrrad und warum wurde es für die Menschen auf
  der ganzen Welt so wichtig? Diese Frage stellt sich heute fast
  niemand mehr, so selbstverständlich sind die Fahrräder auf
  unseren Straßen geworden.


Dieses hochwertige Sachbilderbuch von Haseop Jeong empfohlen für die
Altergruppe 10 - 12 Jahren beginnt mit dem Laufrad und endet mit modernen E-Bikes. Wunderschöne - an alte Skizzen erinnernde - Illustrationen von Cho Seunyeon zeigen den vielseitigen Einsatz von Fahrrädern. Über ein altes Feuerwehr-Fahrrad mit aufgerolltem Schlauch mag man heute schmunzeln, damals war es vielleicht die schnelle Rettung, bevor ein Haus abbrannte. Man erfährt, wie mutig Frauen und Männer schon Anfang des
19. Jahrhunderts sich allein auf ihrem Fahrrad auf Weltreisen begeben haben. Auch im Sport finden sich heute noch Rennräder, die viele Menschen begeistern.

Am Ende wird auf die Verkehrssicherheit mit den wichtigsten Vekehrszeichen hingewiesen und Tipps fürs Radfahren gegeben. Adressen von Museen, Fahrradclubs, Radreisen und anderen interessanten Dingen rund ums Rad runden die Informationen ab.

Meinen Söhnen hat besonders der Bericht über die heutigen Fahrradhauptstädte und den Hovenring in den Niederlanden gefallen. Die Zeichnung veranschaulicht, dass in der Zukunft vielleicht bald den Radfahrern mehr Platz auf den Straßen eingeräumt wird.

Dieser tolle Sachbuch-Schatz ist nicht nur für kleine Fahrrad-Fans zu empfehlen.




Dienstag, 10. Januar 2017

Solange ich in deinem Herzen bin von S.D. Robertson



https://www.harpercollins.de/buecher/gegenwartsliteratur/solange-ich-in-deinem-herzen-bin
    Erscheinungsdatum: 09.01.2017
    Verlag: HarperCollins
    ISBN: 9783959670739
    Flexibler Einband: 336 Seiten

    Leseprobe

    Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 
  Durch einen Verkehrsunfall stirbt der 36-jährige Journalist
  Will, als er gerade auf dem Weg zu seiner 6-jährigen Tochter
  Ella ist. Fassungslos betrachtet Will, der als Seele
  zurückbleibt, wie seine kleine Tochter mit der schrecklichen
  Wahrheit konfrontiert wird. Um ihm den Abschied von Ella zu
  erleichtern, darf er für eine kurze Zeit von zwei Monaten noch
  auf der Erde bleiben. Doch Will kämpft um mehr, er möchte
  für immer an ihrer Seite bleiben.


Wie fühlt es sich an, wenn einen der Tod überraschend ereilt? S.D. Robertson gelingt es aus Sicht eines Verstorbenen, eine berührende Geschichte zu erzählen. Hauptprotagonist Will stirbt gleich in der ersten Zeile, sodass man als Leser nur die Bekanntschaft mit seiner Seele macht. Zwar glaube ich nicht an Geister oder Seelen, die zwischen uns Lebenden wandeln, aber Wills Seele wird so glaubhaft beschrieben, dass ich mich auf die Geschichte einlassen konnte.


"Gott, ich bin tot, dachte ich. Die schreckliche Wahrheit wurde mir langsam bewusst. Ich bin tatsächlich tot. Mein Leben ist vorbei. Ich werde Ella nie wieder in die Arme nehmen. Ich werde ihr nie wieder die Haare flechten, beim Zähneputzen helfen oder eine Geschichte vorlesen. All diese kleinen Dinge, die für mich immer ganz selbstverständlich waren, sind verloren. Für immer."
Es berührt einen, wie Will seine kleine Tochter beobachtet und verzweifelt versucht, sie noch einmal in die Arme zu nehmen, denn ihm wurden seine physischen Möglichkeiten genommen. Obwohl er durch seine Lotsin Lizzie eine Art Anleitung für Seelen erhält, muss er immer wieder feststellen, wie schwierig und unvollkommen sein Dasein ist. Für Will steht von Anfang an fest, dass er seine Tochter nicht allein auf der Welt lassen möchte. Doch je länger er an ihrer Seite weilt, desto mehr erkennt er, dass es auch Schattenseiten gibt, die nicht nur ihn belasten würden. Nach Ablauf von zwei Monaten muss er sich entscheiden, ob er für immer bleibt oder sich vom Licht davonführen lässt.

Die kleine Ella leidet natürlich am meisten unter dem Verlust. Als Vollwaise findet sie Halt bei ihren Großeltern und ihrer Tante. Aber niemand kann ihren Vater ersetzen. Mir tat dieses Mädchen so unendlich leid. Besonders als Mutter kann ich die enge Bindung zwischen Vater und Tochter gut nachvollziehen.

Der bedrückende, leise und ansprechende Anfang weicht mit der Zeit einer immer aufgebauschteren Handlung. Ein Schicksalsschlag scheint dem Autor nicht zu reichen, es kommt zu einem weiteren Todesfall in der Familie, der auch noch durch ein Geheimnis an Wichtigkeit gewinnt. Mir sind es ein wenig zu viele sehr harte Schicksalsschläge, die hier in so kurzer Zeit aufeinanderfolgen. Ella gerät mehr und mehr in den Hintergrund und Will läuft die Zeit davon.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist ein wichtiges Thema, das häufig verdrängt wird. Der Ansatz dieser Geschichte ist sehr gelungen und hilft sicherlich auch bei der Trauerbewältigung. Man muss sich aber darauf einlassen können, dass es ein Existieren nach dem Tod geben kann.

Das Ende konnte mich zwar überzeugen, doch die Anhäufung der kurz aufeinanderfolgenden Schicksalsschläge in der Familie war mir zu konstruiert und unglaubwürdig. Der Autor hätte für meinen Geschmack bei den leisen Momenten bleiben sollen.

 

Sonntag, 8. Januar 2017

Nach einer wahren Geschichte von Delphine de Vigan - Hörbuch


https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Nach-einer-wahren-Geschichte/Delphine-Vigan/Random-House-Audio/e509096.rhd
    Erscheinungsdatum: 22.08.2016
    Verlag: Random House Audio
    ISBN: 9783837136418
    CD: 8 CDs, Laufzeit: 9h 37min

    Hörprobe

    Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 
  Der schriftstellerische Erfolg ist für Delphine ein
  zweischneidiges Schwert. Ihre Leser erwarten einen neuen
  Bestseller von ihr, doch ihr bleiben die Ideen aus. Gerade in
  diesem Moment der Krise taucht L. in ihrem Leben auf. Ganz
  selbstverständlich und scheinbar uneigennützig kümmert sie
  sich um Delphine, wird ihre Vertraute und beste Freundin.
  Doch Delphine entdeckt Ungereimtheiten an deren Identität
  und erste Zweifel kommen ihr an L.'s Aufrichtigkeit. Sie
  versucht sich zu lösen, Abstand zu gewinnen, aber L.
  übernimmt die Kontrolle, bis es fast zu spät ist.


Delphine de Vigan spielt gekonnt mit der menschlichen Vorstellungskraft. Schon bevor man die ersten Szenen erlebt, beginnt das Spiel. Zufall, dass die Hauptprotagonistin den gleichen Vornamen wie die Autorin trägt oder erzählt sie ihre eigene Geschichte? Ist es möglich, dass man fremd bestimmt gegen den eigenen Willen gesteuert wird, ohne es zu merken, es sogar als Hilfe ansieht? Unvergleichlich gut gesprochen von Martina Gedeck erlebt man im Hörbuch das facettenreiche Spiel um Fiktion und Wirklichkeit.

Schon zu Beginn erfährt man, dass L. - im französischen ausgesprochen "elle" also "sie" - von Delphine für ihre Schreibblockade verantwortlich gemacht wird. Das Warum steht hier im Vordergrund.

"Heute weiß ich, dass einzig und allein L. der Grund für meine Schreibunfähigkeit war. Und dass mich die beiden Jahre, in denen wir in Beziehung standen, fast endgültig zum Schweigen gebracht hätten."
Delphine erzählt in der Ich-Form von ihrer Begegnung mit L., einer Ghostwriterin. Anfänglich harmlos entsteht ein Disput der Frauen, über den Inhalt des neuen Romans. Dabei wird gekonnt die Autor-Leser-Beziehung betrachtet. Wie viel darf ein Autor von sich selbst aufgeben, um die Erwartungshaltung seiner Leser nicht zu enttäuschen. Dann fassungslos, verfolgt man den Wandel der beiden Frauen. Die anfänglich zurückhaltende L., die Delphine als Autorin schätzt, übernimmt mehr und mehr deren Rolle. Kopiert ihr Aussehen, übernimmt als Doppelgängerin Lesungen und beantwortet deren E-Mails oder ist dies nur eine Erfindung von Delphine, die mit ihrem Erfolg nicht zurechtkommt.

Man stellt sich die Frage, ob dies eine Erfindung von Delphines Krise sein kann oder dies alles wirklich geschehen ist? Der Roman wandelt sich zum Psychothriller, der Steven Kings Kapitelüberschriften immer ähnlicher wird. Ein kluges Verwirrspiel beginnt, an dessen spannungsgeladenem Ende man nicht sagen kann, welcher Version man nun Glauben schenken soll.

Dieser Roman hat mich nicht von Anfang an in seinen Bann gezogen, am Ende aber alle Register gezogen, um mich sprachlos zurückzulassen.

 


Freitag, 6. Januar 2017

Der Blackthorn-Code - Das Vermächtnis des Alchemisten von Kevin Sands



https://www.dtv.de/special-kevin-sands-der-blackthorn-code/der-blackthorn-code/c-1145
    Erscheinungsdatum: 14.10.2016
    Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
    ISBN: 9783423761482
    Fester Einband: 336 Seiten

    Leseprobe

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 
  Für den Waisenjungen Christopher Rowe in London des
  17. Jahrhunderts ist es ein Glücksfall, dass er als Lehrling
  beim Apotheker und Alchemisten Benedict Blackthorn
  aufgenommen wurde. Er lernt nicht nur Heilmittel
  herzustellen, sondern wird auch mit der Wissenschaft
  vertraut gemacht. Bis zum Abschluss seiner Lehre wäre er
  hier gut aufgehoben, doch unheimliche Morde passieren
  in der Stadt und sein Meister wird bedroht. Zusammen mit
  seinem Freund Tom will Christopher dem Geheimnis der
  Mörder auf die Schliche kommen.


Kevin Sands ist mit seinem Debüt-Roman ein sehr spannender historischer Jugendbuchroman gelungen. Die Geschichte begeistert nicht nur die Altersgruppe ab 11 Jahren, für die das Buch empfohlen wird. Durch den Ich-Erzähler Christopher Rowe erlebt man London im Jahre 1665 sehr bildhaft und lebendig. Es stinkt, ist schmutzig, laut und voller Gefahren. Wer hier überleben will, muss sich an die Regeln halten. Fasziniert folgt man Christopher in die Welt der Alchemisten und staunt über ungewöhnliche Rezepturen, die nicht nur als Heilmittel eingesetzt werden. Es qualmt, knallt und explodiert, wenn Christopher wieder einmal unerlaubt die Mixturen seines Meister für Experimente nutzt.
"Der Knall riss mir beinahe beide Ohren ab. Ich sah eine Flammenzunge und dann eine Rauchwolke, und dann schlug die Röhre nach hinten wie der Huf eines aufgebrachten Ochsen."
Meister Benect Blackthorn ist ein gutmütiger Meister, der über manche Dummheit Christophers hinwegsieht, denn er erkennt in ihm einen schlauen und gelehrigen Schüler. Deshalb weist er ihn auch in geheime Verschlüsselungs-Codes für seine Rezepturen ein und gibt ihm schwierige Rätsel zu lösen, die den Jungen unbewusst auf eine große Aufgabe vorbereiten. Besonders diese Rätsel machen einen besonderen Reiz aus, denn als Leser knobelt man ein ums andere Mal mit, wie sich denn wohl ein geheimnisvoller Würfel oder eine Tür öffnen lassen.

Die Mischung aus Geschichte, geheimnisvoller Alchemie und spannender Mörderjagd fesselt und lässt einen in die Handlung eintauchen. Auf die Fortsetzung bin ich schon sehr gespannt.
  





Dienstag, 3. Januar 2017

Rendezvous im Café de Flore von Caroline Bernard


http://www.aufbau-verlag.de/index.php/literatur-unterhaltung/romance/rendezvous-im-cafe-de-flore.html
    Erscheinungsdatum: 14.11.2016
    Verlag: Aufbau Taschenbuch
    ISBN: 978-3-7466-3271-1
    Flexibler Einband: 432 Seiten

    Leseprobe

    Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 
  Im Jahr 1928 träumt die junge Vianne davon, Botanikerin im
  Jardin des Plantes in Paris zu werden. Doch bis zum
  Erreichen des Ziels muss sie hart arbeiten. David, ein
  englischer Maler, wird ihre große Liebe. Durch ihn lernt sie
  die lebenslustige Künstler-Avantgarde und das
  Bohème-Leben kennen. Doch dann kommt der Krieg. Ein
  Bild einer Frau übersteht die Jahrzehnte und wird im Musée
  d´Orsay von Marlène überrascht betrachtet. Denn sie erkennt
  sich selbst auf diesem Gemälde. Marlène möchte mehr über
  diese Frau erfahren und erfährt dabei nicht nur etwas über
  ihre Familie, sondern auch über sich selbst.


Paris, eine Metropole, die wie keine andere Stadt für ein Lebensgefühl steht. Caroline Bernard hat ihre Leidenschaft für diese Stadt mit französischem Esprit gekonnt in bunte, sprechende Bilder umgesetzt. Zusammen mit Vianne und Marlène schlendert man durch die Straßen, bestaunt die Sehenswürdigkeiten und lässt sich von dem besonderen Flair gefangen nehmen.
"Das ist das Schöne an Paris. Ganz egal, wo man sich befindet, in jeder Straße kann man eine Entdeckung machen und dem Zauber dieser Stadt erliegen."
In zwei Zeitebenen stehen zwei sehr unterschiedliche Frauen und ihre Beziehungen im Vordergrund. Besonders die mutige Vianne ist bewundernswert und sehr stark beschrieben. Anfang der 30er-Jahre flieht sie vor dem vorgezeichneten Weg aus der Provinz nach Paris. So wie sie zog es viele Menschen vom Land in die Stadt: „Monter à Paris“, „nach Paris aufsteigen“, nannte man es. Sie wählt einen für diese Zeit noch ungewöhnlichen Weg. Statt sich durch eine Heirat abzusichern, lebt sie in einer freien Beziehung mit dem Maler David zusammen. Auch in der Kriegszeit kehrt sie der Stadt nicht den Rücken, sondern schließt sich der Résistance an und steht für eine Vielzahl von Frauen, die ihr Leben riskierten.

Die zweite Hauptprotagonistin ist die Mittvierzigerin Marlène, die in der heutigen Zeit mit ihrer Ehe hadert. Erst eine Reise mit ihrem Mann nach Paris weckt ihre Lebensgeister und ihre fast schon vergessene Leidenschaft für die Stadt. Als ehemalige Kunsthistorik-Studentin führt sie ihr Weg ins Museum und damit in einen neuen Lebensabschnitt.

Mir hat dieser stimmungsvolle Roman sehr gefallen. Paris ist auf jeden Fall eine Reise wert und man spürt durchgehend die Leidenschaft und Leichtigkeit dieser Stadt. Vianne ist eine starke Romanfigur, die man nicht so schnell vergisst.


(Foto Café de Flore)
Das Café de Flore http://cafedeflore.fr/ gibt es tatsächlich in Paris.