80 Jahre Udo Lindenberg – erzählt von einem Freund, der ihn so lange begleitet hat, dass Bewunderung und Kopfschütteln manchmal Hand in Hand gehen. Ich bin kein Udo-Fan, aber manche seiner Lieder bleiben hängen, irgendwo zwischen Bauchgefühl und Nostalgie. Genau deshalb wollte ich wissen: Was macht dieses Phänomen Udo eigentlich aus?
von Stuckrad-Barre plaudert, jongliert mit Worten, erzählt viel – und irgendwie doch nicht. Die alphabetisch sortierten Kapitel wirken charmant chaotisch, aber auch wiederholend. Spätestens zur Hälfte weiß man: Udo war ein Säufer, ein Raucher, ein Unikat. Nur muss man das nicht in jedem vierten Kapitel lesen.
Es gibt aber auch Stellen die glänzen. Wenn der Autor beschreibt, wie Udo im kreativen Chaos gleichzeitig zeichnet, textet und komponiert – auf dem Teppichboden liegend, mitten im Leben. Da hätte ich ihm gern über die Schulter geschaut. Oder die Passagen über das Hotel Atlantic, wo Udo residiert und doch so nahbar bleibt. Ein Star ohne Abstand, einer, der Menschen braucht wie andere Luft.
Viele neue Erkenntnisse gab es für mich nicht, aber ich wurde unterhalten. Vielleicht, weil Stuckrad-Barre so treffend formuliert, was Udo ausmacht:
"Uns Mittelwegpauschalreisenden mit unseren Vollkaskobiographien schier unbegreiflich, dass er dabei nie komplett die Nerven verlor, sondern stets ganz Udo blieb…“
Und ja – die Likörelle in Hamburg habe ich mir kürzlich angesehen. Sehenswert.
Ein unterhaltsamer, manchmal chaotischer, manchmal berührender Blick auf einen Mann, der sich nie verbogen hat. Kein Muss für Fans – aber ein schönes Buch für alle, die verstehen wollen, warum Udo Lindenberg bis heute ein eigenes Universum ist.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten
Buchinformationen
Erschienen: 16.04.2026
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 9783462013719
Fester Umschlag
Seiten: 256
