Sonntag, 30. August 2026
Wir gehen mal los von Raffaella Romagnolo
Donnerstag, 27. August 2026
Im Licht des neuen Tages von Jarka Kubsova
Die fiktive Schriftstellerin Elli Hajek hat ihre tschechischen Wurzeln über viele Jahre verdrängt. Als sie in eine Schreibkrise gerät, zieht sie sich in ein abgelegenes Haus im Wald zurück. Doch statt der erhofften Ruhe begegnen ihr dort die Geschichten ihrer Großmutter, die Erinnerungen an die Flucht aus Tschechien – und vor allem die Legende von Viktorka. Nach und nach beginnen die Grenzen zwischen Ellis eigener Vergangenheit, der Geschichte ihrer Familie und dem Leben der tschechischen Schriftstellerin Božena Němcová zu verschwimmen.
Besonders angesprochen haben mich die Themen des Romans: Heimatverlust, Identität, Flucht und verdrängte Vergangenheit. Die Passagen über Božena Němcová und ihre Bedeutung für die tschechische Literatur wurden lebendig und fesselnd beschrieben. Auch die bildliche Darstellung der tschechischen Natur sowie der Originalschauplätze der Viktorka-Geschichte haben eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, tief in eine fremde, geheimnisvolle Welt einzutauchen.
Trotz dieser starken Themen konnte mich die Umsetzung leider nicht vollständig überzeugen. Elli blieb mir als Hauptfigur emotional zu fern. Ihre Widersprüchlichkeit und ihre Entscheidungen waren für mich nur schwer nachvollziehbar. Sie stößt Menschen von sich, die ihr eigentlich helfen möchten, verschweigt ihre tschechische Herkunft sogar vor ihrer Tochter und reagiert mehr als dramatisch. Dadurch fiel es mir schwer, ihre Ängste und inneren Konflikte wirklich nachzuempfinden.
Die Handlung selbst hat mich immer wieder ratlos zurückgelassen. Sie bewegte sich zwischen Märchen, Fabel und realistischer Familiengeschichte, ohne für mich ganz zu einer stimmigen Einheit zu verschmelzen. Die mystischen Begegnungen im Wald wirkten stellenweise eher wie künstliche erzählerische Mittel als wie Bestandteile der Geschichte. Zudem wiederholten sich die Erzählungen über Viktorka und Božena Němcová für meinen Geschmack zu häufig, wodurch der Lesefluss immer wieder ins Stocken geriet.
Dabei waren gerade die historischen Ebenen für mich deutlich stärker als Ellis persönliche Geschichte. Die Abschnitte über Božena Němcová haben mich neugierig gemacht und nachhaltig beschäftigt. Ellis Entwicklung hingegen blieb für mich blass und schwer greifbar – und genau das hat mich enttäuscht, weil in ihrer Geschichte eigentlich so viel emotionales Potenzial lag.
Sonntag, 23. August 2026
Dunkle Sühne von Karin Slaughter mit Nina Petri (Sprecher*in)
Emmy fühlt sich schuldig, denn das Mädchen hatte noch versucht, mit ihr zu sprechen. Doch auch eine Polizistin kann private Probleme haben und dadurch nicht aufmerksam genug sein, um die Angst eines jungen Menschen wahrzunehmen.
Gemeinsam mit dem Sheriff – der gleichzeitig Emmys Vater ist – beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn allen ist bewusst: Jede vergangene Minute verringert die Chance, die Mädchen rechtzeitig zu finden. Während ihrer Ermittlungen stoßen Emmy und ihr Vater auf Ungeheuerlichkeiten, die man in einer idyllischen Kleinstadt wie North Falls nicht erwarten würde. Die Mädchen hatten Geheimnisse, die man Teenagern kaum zutraut. Plötzlich tauchen große Geldsummen und Fotos auf, die einem den Atem stocken lassen.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die Polizei hier nicht als unfehlbare Einheit dargestellt wird. Das Privatleben der Ermittler überschattet teilweise die Arbeit, und auch familiäre Abhängigkeiten spielen eine große Rolle. In einer Kleinstadt gelten offenbar eigene Regeln – und an diese sollte man sich besser halten.
Allerdings hatte die Geschichte für mich auch einige Längen. Zudem gibt es unzählige Charaktere, die man sich zunächst einmal merken muss. Vor allem Emmys große und weitverzweigte Familie verlangt viel Aufmerksamkeit und macht den Einstieg nicht gerade leicht.
Über allem liegt eine düstere Grundstimmung, die mehrere Fälle miteinander verbindet und erst nach einigen Wendungen langsam Licht ins Dunkel bringt. Die Hörbuchsprecherin leistet dabei wirklich gute Arbeit und schafft es, an einigen Stellen eine beklemmende Atmosphäre und echte Gänsehaut entstehen zu lassen.
An manchen Stellen wurde für meinen Geschmack allerdings zu tief in die Klischeeschublade gegriffen. Stereotype wie alkoholisierte und brutale Ehemänner oder Frauen, die ihren Beruf souverän beherrschen, zu Hause aber ihrem Mann nichts entgegenzusetzen haben, wirken etwas aus der Zeit gefallen. Zwar entwickeln sich einige dieser Figuren im Laufe der Handlung weiter, dennoch waren mir diese Darstellungen stellenweise zu vorhersehbar.
„Dunkle Sühne“ ist der Auftakt einer neuen Thriller-Serie. Dass es sich um einen Reihenbeginn handelt, wäre mir allerdings nicht unbedingt aufgefallen. Gerade bei einer Serie erwartet man am Ende meist einen großen Knall, der die Vorfreude auf den nächsten Band weckt. Das ist hier leider nicht gelungen.
Insgesamt ist „Dunkle Sühne“ ein atmosphärischer Thriller mit einer interessanten Kleinstadtkulisse, vielschichtigen Ermittlern und einigen überraschenden Wendungen. Die Geschichte konnte mich nicht durchgehend fesseln, hatte aber genügend düstere Momente, um an der Auflösung des Falls interessiert zu sein.
Perfekt für alle, die gerne atmosphärische Kleinstadt-Thriller mit familiären Verstrickungen, mehreren miteinander verbundenen Fällen und Ermittlern mit persönlichen Problemen lesen oder hören.
Samstag, 22. August 2026
Hummelhirn von Judith Holofernes
Die Band „Wir sind Helden“ hat mir immer schon gefallen. Vor allem die Stimme und das lyrische Talent von Judith Holofernes. Deshalb fiel meine Wahl schnell auf Hummelhirn, nicht zuletzt wegen des Eye-Catcher-Covers.
Der Einstieg ist gelungen: Holofernes schreibt mit einer fast schon beiläufigen Leichtigkeit, als würde man ihr gegenübersitzen, ein Bier in der Hand, und zuhören, wie sie von ihrem Leben erzählt. In den ersten Kapiteln fühlt es sich tatsächlich an, als würde man heimlich in ihrem Tagebuch stöbern – jedes Detail wird preisgegeben, von der kurzen Frisur über die verlorene Ratte bis zu Stephen-King-Abenden und den ersten zaghaften Küssen. Man spürt ihre Direktheit, ihre Unperfektheit, und das macht den Charme aus.
Doch die Struktur des Romans ist ein wildes Geflecht aus Fragmenten: Tagebucheinträge, Briefe, Listen, kurze Erzählungen, Zitate aus Poesiealben, Schulzeugnissen und Songtexten. Das gibt dem Buch zwar eine starke Breite, doch irgendwann verliert man sich darin. Die Sprache wird mit jeder Seite anstrengender, und hier hätte das Hörbuch – das parallel erschien – sicherlich geholfen, die Lesefreude zu bewahren.
"Stört es dich, dass ich besoffen bin? Wirklich nicht? ... Wenig später war er so besoffen, dass er nicht mehr getroffen hat, wenn er mich küssen wollte."
"Manchmal experimentierte ich weiter vorsichtig damit, ob ich vielleicht, stattdessen, etwas Besonderes (=nett?) sein könnte, auch das schien deutlich weniger langweilig."
Das Wort "nett" kommt übrigens ganze 206 mal im Buch vor!
Hummelhirn ist kein Buch, das man einfach so liest – es ist ein Experiment, ein intimer Einblick in das Leben einer Künstlerin. Perfekt für Fans von Judith Holofernes, die nicht nur ihre Musik, sondern auch ihre Gedanken und Erinnerungen kennenlernen wollen. Wer autobiografische Erzählungen mag, sich für Musikkultur interessiert oder die feinen Zwischentöne einer Berliner Kindheit schätzt, wird hier fündig. Es ist kein klassisches Lesevergnügen, aber ein unverwechselbares – wenn auch manchmal verwirrendes...
Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten
Mittwoch, 19. August 2026
Das Ding der Unmöglichkeit von Belinda Bauer
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Was mich sofort fesselte, ist die Beschreibung der spektakulären und gefährlichen Eiersammlung an den Steilküsten. Lummeneier wohin man schaut und ein skrupelloser Aufkäufer, der den reichen Snobs in London horrende Summen dafür abverlangt. Die Grausamkeit, den Vögeln ihre Eier zu entreißen und sie als Trophäen zu handeln, bleibt lange im Gedächtnis.
In dieser Welt lernen wir die sechsjährige, unscheinbare und zarte Celie kennen. In ihrer Unbeschwertheit überredet sie den jungen Farmarbeiter Robert, sie über einen Felsvorsprung klettern zu lassen, um ein Ei für ein Omelett zu sammeln. Was aus dieser scheinbar harmlosen Tat entsteht, zieht sich wie ein roter Faden durch Generationen und leitet schließlich in den zweiten Handlungsstrang über. Während Celies Mutter einen Vertrag mit dem Aufkäufer eingeht, um der Familie ein sicheres Einkommen zu garantieren, versucht hundert Jahre später Nick, sich etwas Geld für einen Gamingstuhl zu verdienen. Er will Dinge über eBay verkaufen, doch statt Profit folgt ein Überfall. Nichts scheint gestohlen worden zu sein, außer einem Ei, das Nick aufgrund des Besitzverbots nicht verkaufen konnte. Zusammen mit seinem besten Freund Patrick begibt er sich auf die Suche nach den Dieben.
Kleine liebevoll eingestreute Puzzleteile vereinen sich immer mehr zu einem Bild. Die Sprache ist ruhig, klar und völlig unaufgeregt, wodurch die Details noch einprägsamer werden. Besonders die Charaktere haben mir sehr gefallen. Celie und Robert sind verzaubernd, aber auch Patrick, dessen fast autistische Züge ihn unfassbar unbeholfen im Umgang mit Berührungen und Gefühlen machen, ist ein liebenswerter Typ, den man unbedingt näher kennenlernen möchte. Die Dialoge zwischen ihm und dem freiheraus „denkenden“ Nick sind mehr als unterhaltsam.
Dies ist keine klassische Krimi-Kost, sondern sehr atmosphärisch und eher literarisch. Jeder Nebenstrang wird glaubwürdig und lebendig geschildert, während immer wieder feine Gefühlsmomente das Lesen besonders schön machen. Ein Beispiel:
„Dass er sie verstand, nur ein kleines bisschen, sie noch besser verstehen wollte. Der Gedanke ließ ein winziges Bläschen voller Glück in ihm aufsteigen.“ "
Gegen Ende steigen beide Handlungsstränge immer weiter in Spannung und Gefahr ein. Man fiebert mit, wird bis zur letzten Seite vom Plot überrascht und bleibt noch lange nach dem Umblättern mit einem Gefühl der Zufriedenheit zurück. Der Roman ist ein echter Wohlfühl‑Krimi, der gleichzeitig mit fundierten Hintergrundinformationen zu den kaum bekannten „Eggern“ aufwartet – ein Thema, das ich bis dahin nicht kannte. Von der ersten Seite an hat mich die Geschichte gefesselt und ich musste unbedingt wissen, wie sie endet.
Dienstag, 18. August 2026
Paris Hollywood von Cécile Mury gelesen von Britta Steffenhagen
Glücklicherweise gibt es eine zweite Chance, und genau hier beginnt es zwischen den beiden zu knistern. Es folgen weitere Treffen, bei denen die Funken fliegen, auch wenn Marianne mit ihrer liebenswürdigen Schusseligkeit von einem Fettnapf in den nächsten tappt – wer beinahe einen Goldfisch austrinkt, besitzt definitiv einen hohen Sympathiewert.
Besonders gut hat mir gefallen, dass die Geschichte nicht nur den Glitzer und die Traumwelt der Stars zeigt, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen wirft. Wenn Bodyguards jeden Schritt bewachen und erst Verschwiegenheitserklärungen unterschrieben werden müssen, bevor man Nähe finden kann, wird deutlich, dass diese zwei Figuren eigentlich auf unterschiedlichen Planeten leben.
Ben dagegen war für mich absolut kein Prince Charming. Sein plötzliches Auftauchen, gefolgt von wochenlangem Schweigen und der Erwartung, dass Marianne immer verfügbar sein muss, hat es mir schwergemacht, ihn wirklich nahbar zu finden. Erst zum Ende hin „menschelt“ er, was die Geschichte für mich letztlich rettet.
Die Mischung aus Leichtigkeit und den kleinen Spitzen gegen die Glamourwelt macht die Story glaubwürdig. Zudem werden die Charaktere durch die Sprecherin so lebendig, dass man wirklich mit ihnen lachen kann. Insgesamt ein schwungvolles Hörerlebnis, das mich kurzweilig unterhalten hat – ein Hörbuch, das sich wie Urlaub für die Ohren anfühlt.
Perfekt für alle, die Hollywood-Flair suchen und eine Prise Tollpatschigkeit beim Lesen oder Hören lieben.
Sonntag, 16. August 2026
All die Farben, all das Licht Roman von Cora Wucherer
Juna lebt für die Malerei. Sie sieht Details, die anderen entgehen, und fängt die Welt in Farben ein. Doch Junas Welt wird dunkler. Das Usher-Syndrom raubt ihr langsam das Augenlicht – und die Zeit läuft gegen sie. Während Juna ihre Ängste hinter einer Maske aus Stärke verbirgt, fühlt sich die jüngere Schwester Martha unsichtbar. In Marthas Augen ist Juna die Schönere, die Beliebtere, diejenige, die alle Aufmerksamkeit bekommt. Die eine kämpft gegen die Dunkelheit, die andere gegen die eigene Bedeutungslosigkeit.
Juna möchte ein Originalgemälde von Lotte Laserstein sehen, bevor sie es nie wieder sehen kann. Eine Reise nach Schweden, die eigentlich unerreichbar scheint. Doch Martha, die heimlich in einem Kino arbeitet und dort einen Ort findet, an dem sie einfach sie selbst sein darf, schenkt ihrer Schwester dieses Abenteuer.
Was folgt, ist eine Reise voller Mut. Eine 13-jährige „Reiseleiterin“ und eine große Schwester, die fast umkommt vor Angst vor der ungewohnten Umgebung, doch auf dem Weg etwas viel Kostbareres findet als ein Gemälde: sich selbst. Und einen Menschen namens Arvid, der versteht, was es bedeutet, einen Schicksalsschlag zu tragen.
Es ist aber auch die Geschichte eines Vaters, der am Ende seiner Kräfte ist. Ein Mann, der die Trauer um seine Frau und die Sorge um seine kranke Tochter kaum erträgt. Erst durch den Mut seiner Töchter bricht das Schweigen und eine neue Verbindung entsteht.
Zum Ende hin verschiebt sich der Fokus auf Martha. Denn auch auch sie kann brechen und manchmal sind „das wird schon wieder“ die falschen Worte, wenn man eigentlich nur gehalten werden möchte.
Dieser Roman lässt sich nicht nur flüssig und leicht lesen, sondern er hat mir mir auch die Welt des Usher-Syndroms und das Werk von Lotte Laserstein und ihrem Modell Traute Rose nähergebracht. Dass wunderschöne Cover hat mich zudem zu der Künstlerin Camilla Ogorman geführt
Perfekt für alle, die Geschichten über die tiefe, komplizierte Bindung zwischen Geschwistern lieben, die sich gerne mit Kunst beschäftigen, echte Emotionen suchen und sich Wohlfühlen wollen.
Freitag, 7. August 2026
Die Enthusiasten Roman von Markus Orths
Montag, 3. August 2026
Kirschblüte in der Freitagsbuchhandlung (1. Teil) von Sawako Natori / Sprecher: Bastian Korff
Sonntag, 2. August 2026
Fünf, sechs, sieben, acht Roman von Ewald Arenz
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten









