Sonntag, 16. Juli 2023
Ein mörderisches Paar. Das Versprechen Band 1 von Klaus-Peter Wolf
Dienstag, 16. Mai 2023
Der Halbmörder von Håkan Nesser
"Wenn Henry sich anstrengt, um etwas Gescheites zu sagen, lässt mich das, was aus seinem Mund purzelt, meistens an eine schlecht gebundene Krawatte denken, auf die jemand (Henry höchstselbst natürlich) soeben gekotzt hat. Mehrmals."
Um seine Gedanken zu sammeln und sein Gedächtnis auf Trab zu bringen, fängt Adalbert an, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben. Die Rückblicke sind emotional und berührend und lassen keinen Zweifel daran, dass sich hier zwei Menschen gefunden haben, die füreinander bestimmt sind. Warum Adalbert und Andrea nicht mutig genug sind, allen Konsequenzen zum Trotz ihren eigenen Weg zu gehen, wird allerdings nicht glaubhaft genug herausgearbeitet. Es wirkt etwas hölzern und inszeniert, wie sich das Geschehene langsam zur Tragödie entwickelte.
Es dauert ein wenig, bis man mit dieser Geschichte warm wird, dann nimmt einen der Schreibstil Nessers gefangen und man hofft für Adalbert, dass er am Ende seiner Tage noch ein wenig Glück finden darf.
Freitag, 12. Mai 2023
Die Wahrheit von Mattias Edvardsson
Als Witwer kümmert sich Bill um seine kleine Tochter. Finanziell steht es nicht zum Besten, sodass er Jurastudentin Karla als Untermieterin in seiner Wohnung in Lund (Schweden) aufnimmt. Die junge Studentin verdient sich ihr Geld als Reinigungskraft im Haus von Steven und Regina Rytter. Die Arbeit in diesem großen düsteren Haus fällt Karla nicht leicht, denn Regina Rytter leidet an einer rätselhaften Krankheit und Ihr Mann verhält sich merkwürdig. Steven Rytter hat über eine Dating-App Jennica kennengelernt und tritt als trauernder Witwer auf, obwohl seine Frau am Leben ist. Es kommt zu einer dramatischen Wendung in diesem Spiel aus Lügen und Geheimnissen.
Samstag, 8. April 2023
Die Schuld, die uns verfolgt von Alexander Oetker und Thi Linh Nguyen
Dienstag, 28. März 2023
Die Toten von Friesland von Fynn Jacob
Donnerstag, 12. Januar 2023
Die Unverbesserlichen – Der große Coup des Monsieur Lipaire (Die Unverbesserlichen 1)" von Volker Klüpfel und Michael Kobr
Das Autorenteam Volker Klüpfel und Michael Kobr wendet den Alpen den Rücken zu und startet eine neue Krimireihe in Südfrankreich. In der Gaunerkomödie weht ein Hauch Nostalgie durch die Handlung. Ich hatte Figuren wie Inspektor Clouseau oder den Schauspieler Louis de Funès beim Hören im Kopf. Die Protagonisten sind dann auch alle herrlich skurril, schräg und überzeichnet. Dass man sich diese Figuren so gut vorstellen kann, liegt vor allem an dem humorvollen Sprachklang des Sprechers Axel Prahl. Jede Figur bekommt eine eigene Stimmfarbe. Besonders die quiekende Stimme des Ex-Fremdenlegionärs Paul Querot und der wienerisch versnobte Dialekt der 84-jährigen Lizzy haben mir sehr gefallen.
Die Schönen und Reichen an der Côte d’Azur bekommen hier ihr Fett weg. Die einheimischen Anwohner scheinen alle eine eigene Art entwickelt zu haben, mit den dekadenten Zugezogenen zu leben. Der eine nutzt die Gärten, die er betreut, gleichzeitig als Cannabisplantage, der andere vermietet Ferienhäuser, ohne die Besitzer davon zu informieren. Die Handyladenbesitzerin nimmt es mit dem Datenschutz nicht so genau und Ticketverkäufer bieten Fahrkarten für Fähren an, die es gar nicht gibt. Alles mit einem zwinkernden Auge erzählt und durch durchweg sympathische Charaktere so humorvoll erzählt, dass man sich die Szenerie an diesem herrlichen Küstenort bildlich vorstellen kann.
Der Einstieg ist lustig und Monsieur Lipaires alias Wilhelm Liebherr besticht durch Charme und Bauernschläue. Es gibt in jedem Kapitel etwas zum Schmunzeln, denn dieser bunt zusammengewürfelte Ganoven-Haufen kommt auf die aberwitzigsten Ideen, um das Rätsel des Schatzes zu lüften. Als Gegenspieler dieses Teams kommt die Adelsfamilie Vicomte ins Spiel. Dem Klischee entsprechend besteht die Familie aus einem alten Herrn, einer überengagierten Geschäftsfrau, einer verwöhnten Tochter, einem Lebemann und Trinker und einem abtrünnigen Sohn, die gemeinsam einen geheimnisvollen Monsieur Barral erwarten. Dieser ist eine Schlüsselfigur, der immer wieder in den unmöglichsten Momenten sehr speziell auftritt.
Ein wenig verliert sich die Handlung und man ist sich nicht sicher, ob es sich noch um einen Krimi mit einem Toten oder doch eher um eine Komödie rund um einen Schatz handelt. Es gibt eine Verfolgungsjagd, die filmreif jedem Bond-Film das Wasser reichen kann und weniger erfolgreiche Manöver, die etwas zäh und langatmig erzählt werden.
Bei meiner Bewertung bin ich deshalb auch ein wenig hin- und hergerissen. Gaunerkomödien sind schon fast ausgestorben und verdienen es, erhalten zu bleiben. Doch einige Szenen konnten mich so gar nicht abholen. Dass es mir dennoch gefallen hat, liegt auch an der tollen Leistung des Hörbuchsprechers.
Als Krimireihe kann ich mir das Team "Der Unverbesserlichen" nur schwer vorstellen, lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen.
Montag, 9. Januar 2023
Tomatidin von Michael J. Scheidle
Durch die wenigen Seiten und den fluffigen Stil kann ich mir den Krimi gut als Begleiter für lange Zug- oder Flugreisen vorstellen.
Donnerstag, 15. Oktober 2020
Heidehexen von Klaas Kroon
| Erscheinungsdatum: 23.07.2020
Verlag: emons
ISBN: 9783740807993 Flexibler Einband: 288 Seiten Leseprobe Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten | |
Eine Mordserie erschüttert die Lüneburger Beschaulichkeit. Kommissarin Gläser ermittelt in Finanz- und Filmbranche und findet doch nicht das eine Puzzleteil, was alle anderen miteinander verbindet. Warum mussten zwei völlig unterschiedliche Männer auf grausame Weise sterben und wurden mit einem Zeichen gekennzeichnet?
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Klaas Kroon schreibt flott, locker und sehr umgangssprachlich.
"Na, Frau Gläser, wir wollen doch jetzt zusammen einen Irren einfangen hier, oder?"
Das Zusammenspiel von sehr unterschiedlichen Charakteren ist interessant zu verfolgen. Kommissarin Gläser wird sehr menschlich, mit Ecken und Kanten beschrieben. Als 38-Jährige lebt sie in einer Studenten-WG, um sich nicht binden zu müssen. Das beschriebene tête-à-tête mit dem Pathologen passt gut zu dieser Rolle.
Leiter des Kommissariats Stephan Weide muss in einer Nebenhandlung gegen ganz andere Dämonen kämpfen. Er leidet unter Gedächtnisstörungen, die ihm bei einem zurückliegenden Fall schwer belastet haben. Jetzt holt ihn seine Vergangenheit ein und die aktuellen Fälle sind eher einen Nebenschauplatz für ihn.
Besonders gelungen ist die Beschreibung der Kollegin Irina aus dem LKA Hannover. Mit ihrer unkonventionellen, erfrischenden Art mischt sie als Profilerin die Ermittlungen auf.
Auch wenn ich mir mehr Lokalkolorit erhofft hatte - das Cover ist so wunderschön Heide-idyllisch - fesselt dieser Krimi mit einem stetig steigenden Spannungsbogen. Man kommt einfach nicht dahinter, warum so unterschiedliche Männer sterben mussten. Geschickt werden Spuren ausgelegt, die am Ende im Sand verlaufen.
Wer sich mit Hexen auskennt, weiß, dass es bei ihnen nicht zartbesaitet zugeht. Leser, die gern auf brutale Details verzichten können, sollten besser die Finger vom Krimi lassen
Donnerstag, 6. Oktober 2016
Wintertod von Thomas Nommensen
| Erscheinungsdatum: 21.09.2016 Verlag: ROWOHLT Taschenbuch ISBN: 9783499271984 Flexibler Einband: 432 Seiten Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten | |
| Sein erster Fall in der neuen Dienststelle in Berlin scheint ein vertuschter Suizid zu sein, doch Hauptkommissar Arne Larsen hat Zweifel. Trotz Verbot des Vorgesetzten ermittelt er weiter und stößt schnell auf Ungereimtheiten. Zusammen mit seiner Kollegin Mayla Aslan entdeckt er Spuren, die in eine Grundschule und in die DDR-Vergangenheit führen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn ein Kind wird vermisst. |
Wintertod ist der 2. Band um Hauptkommissar Arne Larsen. Obwohl es für mich der erste Krimi mit dem Ermittler war, hatte ich nicht das Gefühl etwas zu vermissen. Der Krimi ist in sich geschlossen und verständlich. Thomas Nommensen hat einen fesselnden und sehr lebendigen Schreibstil. Man fühlt sich direkt an der Seite von Arne Larsen und kann seine Gefühle deutlich spüren.
Verschieden aufeinander zulaufende Erzählstränge erhöhen den Spannungsbogen. Gegenwart, Vergangenheit und Rückblicke sind harmonisch aufeinander abgestimmt. Puzzlestein für Puzzlestein werden die Vorgänge immer mehr verfeinert und trotzdem kommt man einfach nicht auf die Lösung. Das führt dazu, dass man einfach immer weiterlesen möchte.
Die Beschreibungen der Handlungsorte sind sehr gelungen. Eine von Schülern gequälte Lehrerin kehrt an ihre Grundschule zurück und muss erkennen, dass sich nichts verändert hat. Die beklemmende Situation in der Lehrer voller Hilflosigkeit wegschauen und aufgeben statt zu helfen macht sehr nachdenklich. Noch intensiver werden die Schilderungen der Waldsiedlung während der DDR-Zeit. Hier lebt ein kleiner elitärer Kreis abgeschottet vom Rest der Bevölkerung. Geschützt vor fremden Blicken wächst hier ein Kind unter extremen Bedingungen auf. Fassungslos verfolgt man dessen Werdegang und ahnt, dass es Verbindungen zum aktuellen Fall geben muss.
Arne ist eigenwillig aber sympathisch. Obwohl er neu an der Dienststelle ist, setzt er sich gegen seinen Vorgesetzten durch, ignoriert die Kälte seiner neuen Kollegin und kämpft für seinen ersten Fall. Trotz der allgegenwärtig beklemmenden Düsternis macht das Lesen unheimlich Spaß. Intelligent und hochsensibel werden aktuelle Themen einbezogen und machen nachdenklich.
Dieser Krimi hat mir sehr gefallen und ich bin schon jetzt auf die Fortsetzung gespannt.
Freitag, 30. September 2016
Die Tigerin von Silke Nowak
| Erscheinungsdatum: 07.09.2016 Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform ISBN: 978-1537330396 Flexibler Einband: 288 Seiten Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten | |
| Eine Einladung der Hilfsorganisation Anagramm überrascht Kommissarin Anna Gaspar. Sie soll ihren vor Jahren er- stellten Dokumentarfilm über Zwangsprostitution zeigen. Obwohl sie gerade mit einem medienträchtigen Mordfall an dem Menschenhändler Bela Titus beschäftigt ist, sagt sie zu, denn ihr Vorgesetzter und Ex-Freund Parker will sie begleiten. Schon bei der Ankunft in dem einsamen Hotel in den Karpaten hat sie ein ungutes Gefühl. Ein Todesfall versetzt alle Hotelgäste in Panik. |
Ein illustrer Kreis aus 8 Personen befindet sich hoch oben auf einem Berg gelegenen Hotel, fernab der Zivilisation. Die Atmosphäre ist düster, bedrückend und unheimlich. Dieses Hotel möchte niemand freiwillig betreten. Gegenüber den intensiven Schilderungen des Gebäudes und des unwirtlichen Wetters, welches am Hotel zehrt, bleiben die Protagonisten eher schemenhaft beschrieben.
Schnell wird allen Beteiligten klar, dass etwas nicht stimmt. Fernseher, die sich von allein einschalten und grausige Szenen aus Annas Dokumentarfilm wiedergeben. Ein Stromausfall, der alles in Dunkelheit taucht. Der tote Richter in seinem Zimmer.
Jemand ist darauf aus, zu töten, Rache zu nehmen. Jeder könnte es sein. Ein Vorfall aus der Vergangenheit scheint alle zu verbinden. Ein Abend vor vielen Jahren genau in diesem Hotel ausgerichtet vom ermordeten Zuhälter Bela Titus.
Überraschungsmomente gibt es viele. Schon früh gestellte Vermutungen werden widerlegt, neue Spuren gelegt. Nie kann man sich sicher sein, was auf den nächsten Seiten passiert und selbst am Ende noch ein besonderer Effekt.
Trotzdem war es mir für einen Krimi eine Spur zu heftig, fast schon ein Psychothriller. Das Spiel mit Fiktion und Realität wirkt manchmal überstrapaziert. Vor lauter Blut verliert sich die Handlung.
Montag, 15. August 2016
Baumgartner kann nicht vergessen von Reinhard Kleindl
| Erscheinungsdatum:01.07.2016 Verlag: Haymon Verlag ISBN: 9783709978528 Flexibler Einband: 288 Seiten Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Ein furchtbarer Fund in einem Grazer Schotterteich erschüttert die Mordgruppe. Ein Lieferwagen mit sechs nicht identifizierten Toten, die gleichzeitig starben. Flüchtlinge? Mordgruppen-Leiterin Caroline Meier gerät an ihre Grenzen, denn der Druck von oben ist immens. Ihr fehlt der Instinkt von Franz Baumgartner, doch dieser ist suspendiert und durch seinen Alkoholkonsum nicht einsatzfähig.
Baumgartner ermittelt zum dritten mal. Für mich war es die erste Bekanntschaft, mit diesem untypischen Ermittler. Die Rückblenden und Hinweise reichen völlig aus, um sich im Geschehen zurecht zu finden.
Der Schreibstil von Reinhard Kleindl hat eine Sogwirkung. Man ist gleich zu Beginn gefesselt und gleichzeitig geschockt. Drei Handlungsstränge die aufeinanderzulaufen und nichts Gutes ahnen lassen.
Zu Beginn eine Gruppe Menschen, die in einem Lieferwagen unterwegs sind. Hani, ein kleines, verzweifeltes Mädchen, die Erzählerin. Ihr Schicksal ist besonders bewegend und rührt einen. Man stellt Parallelen zu Fernsehbildern und Berichten her, kommt ins Grübeln. Flüchtlingsschicksale sind plötzlich gar nicht mehr so fern.
Dann der Fund eines Lieferwagens mit sechs Toten. Selbst für die Mordgruppe ein schockierender Fall, der alle an ihre Grenzen bringt. Sehr gelungen sind hier die Charakterbeschreibungen, die sehr intensive Bilder der agierenden Ermittler zeichnen. Man spürt die Erschöpfung der Leiterin Caroline Meier, sieht die Angst, des Neulings Kevin Hiebler. Über allem die Machtkämpfe der Führungsspitze. Versagen oder Anerkennung liegen nah beieinander und behindern die eigentlichen Ermittlungen.
Der dritte Handlungsstrang ist der persönlichste. Baumgartner, suspendiert, alkoholabhängig, lebensunfähig kämpft sich von Tag zu Tag. Sein privater Feldzug gilt dem Aufspüren seines Jugendfreundes Paul, denn eine Ahnung lässt ihn einfach nicht mehr los. Mehr Wrack als Mensch ist es schwierig, in ihm den brillanten Ermittler zu erkennen.
"Baumgartner sah aus wie jemand, der alles gegeben hatte - und nun war nichts mehr übrig."
Absolute Leseempfehlung.
Samstag, 13. August 2016
O sole mio! von Johanna Alba und Jan Chorin
| Erscheinungsdatum: 24.06.2016 Verlag: ROWOHLT Taschenbuch ISBN: 9783499271991 Flexibler Einband: 368 Seiten Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten |
Darf ein Papst eine Auszeit nehmen? Papst Petrus nutzt die Gelegenheit, als sie sich bietet und schlüpft in die Rolle eines Dorfpfarrers, um an der Amalfiküste auszuspannen. Aber wo Petrus weilt, ist ein Verbrechen nicht weit und so wird sein geplanter Urlaub zur spannenden Mörderjagd. Alle Spuren führen in die Vergangenheit des alten Hotelbesitzers, als Jackie Kennedy Gast des Hauses war.
O sole mio! ist der 4. Band rund um Papst Petrus. Dem Autorenduo Johanna Alba und Jan Chorin ist es gelungen eine unterhaltsame kriminalistische Komödie zu schreiben, bei der der Papst fern vom Vatikan Privatmensch sein darf. Den knuffigen Petrus muss man einfach mögen. Das italienische Flair des kleinen Küstenortes und die liebevoll ausgeschmückten Details, die das alte Hotel beschreiben, lassen selbst an Regentagen Sommerlaune aufkommen.
Die bunt zusammengewürfelten Hotelgäste geben genug Anlass für Spekulationen. Jeder von ihnen könnte ein Motiv haben. Ein Hauch von Dolce Vita begleitet die Geschichte, denn keine geringere als Jackie Kennedy war in den 60er Jahren Gast des kleinen Hotels und ihre Liaison mit Gianni Agnelli wird gekonnt eingeflochten. Ein geheimnisvolles Collier von Jackie soll noch immer im Hotel versteckt sein.
Bis zum Schluss tappt man als Leser im Dunkeln, denn keinem dieser sympathischen Charaktere traut man eine solche Tat zu. Um so überraschender dann die Auflösung des Falles.
Mich hat dieser Urlaubskrimi mit einem Hauch Amore und einem ungewöhnlichen Ermittler wunderbar unterhalten.
Weitere Informationen findet man auf der Website zur Buchreihe: http://www.papstkrimi.de
Donnerstag, 2. Juni 2016
Erst wenn du tot bist von Katharina Höftmann
| Erscheinungsdatum: 02.05.2016 Verlag: Berlin Verlag ISBN: 9783833310287 Flexibler Einband: 304 Seiten Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Fernab aller Kriegsschauplätze versucht die ehemalige Kriegsreporterin Fanny Wolff in ihrem Heimatort Stralsund einen Neuanfang. Als stellvertretende Chefredakteure der Ostsee-Nachrichten blickt sie einem beschaulichen Berufsleben entgegen, doch schon an ihrem ersten Arbeitstag entdeckt sie im Sund eine Frauenleiche. Ihr Spürsinn ist geweckt, auch wenn ihr Zwillingsbruder, der zuständige Kriminalkommissar, anfangs nicht gerade hilfreich reagiert. Die Geschichte des Opfers Melanie Schmidt lässt sie nicht mehr los, denn offensichtlich wurde die junge zweifache Mutter ermordet.
"Wenn der Nebel so über dem Sund aufstieg, ja geradezu gen Himmel dampfte, war es schwer zu glauben, dass eigentlich Sommer war."
Besonders die aktuellen und brisanten Themen wie Flüchtlingsproblematik, einseitige Berichterstattung der Presse, sozial schwache Familien, Missbrauch und Pflegefamilien machen den Reiz dieses Krimis aus. Nicht der erhobene Zeigefinger, sondern die ganz alltäglichen Dinge des Lebens werden aufgezeigt. Die ermordete Melanie steht für viele junge Menschen, die versuchen aus ihrem Hamsterrad zu entkommen und immer wieder scheitern. Ein gesellschaftliches Problem, das allzu oft unter den Teppich gekehrt wird.
Die Aufklärung des Mordes gestaltet sich schwierig, da weder ein eindeutiges Motiv noch ein Täter erkennbar sind. Geschickt werden falsche Spuren in die Vergangenheit gelegt und erst am Ende werden Vermutungen bestätigt.
Ein Krimi der eine bunte Mischung aus wunderschönen Landschaftsbeschreibungen, aktueller Brisanz und einer ganz und gar nicht perfekten Ermittlerin bietet. Auf den nächsten Fall für Fanny Wolff bin ich schon jetzt gespannt.
Samstag, 27. Februar 2016
Moorfeuer von Nicole Neubauer
| Erscheinungsdatum: 18.01.2016 Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag ISBN: 9783734102127 Flexibler Einband: 416 Seiten Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Begeistert ist das Team der Münchner Mordkommission nicht, dass die örtliche Kripo sie zur Klärung eines Todesfalls im Moor hinzuzieht. Schon bei der Tatortbesichtigung, an der die verbrannte Frauenleiche gefunden wurde, kommt es zu Spannungen zwischen den Ermittlern. Die wenig mitteilsame Tochter der Toten und das Schweigen über die Vergangenheit der Familie, lassen sie schnell verdächtig erscheinen. Doch noch fehlt das Motiv, warum Eva Nell sterben musste.
Die Schilderung der düsteren Landschaft des Moores und die verschlossene, misstrauische Landbevölkerung haben mir besonders gefallen.
Gleich zu Beginn der Handlung merkt man, dass es sich hier um keinen leichten Fall handelt. Besonders mystisch wird das scheinbar lebendige Bauernhaus beschrieben, in der die Tote sich zuletzt aufgehalten hat. Es seufzt, knarrt und selbst ein Geist eines Mädchens soll durch das Haus wandern.
Die besonderen Charaktere dieser Geschichte treten sehr in den Vordergrund. Einzelkämpfer Waechter lebt privat am Rande der Verwahrlosung und hofft, dass er seine Fassade gegenüber den Kollegen weiter aufrechterhalten kann. Hannes verschließt vor seinen privaten Problemen die Augen und reagiert teilweise übersinnlich auf Dinge. Und auch Maret, die Tochter der Toten agiert übertrieben empfindlich und dann wieder abweisend, man bekommt sie einfach nicht zu fassen.
Verbotener Weise durchforstet Waechter per "U-Boot-Taktik" weiter die Vergangenheit der Bauernhausfamilie. Besonders diese Verknüpfung der historischen Fakten aus der Nachkriegszeit, dem damaligen Aberglauben der Bevölkerung und der heutigen Sichtweise darauf ergeben eine spannende Mischung.
Auch wenn es keinen durchgehenden Spannungsbogen gibt, wird man am Ende durch ein dramatisch unvorhersehbares Finale entschädigt.
Mir hat dieser gekonnt inszenierte Krimi mit schwierigen Charakteren, bedrückender Landschaft und mystischer Vergangenheit gefallen.
Freitag, 19. Februar 2016
Isarlauf von Bettina Plecher
| Erscheinungsdatum: 22.01.2016 Verlag: Rowohlt Taschenbuch ISBN: 9783499270673 Flexibler Einband: 288 Seiten Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Während eines Marathons im Münchener Olympiapark bricht ein Läufer zusammen und stirbt kurze Zeit später. Nasrin, die Schwester des Toten ist mit der jungen Ärztin Frieda May befreundet und bittet sie, den Tod aufzuklären. Kollege und Mitbewohner von Frieda, der Toxikologe Quirin Quast findet Spuren von verschiedenen Medikamenten im Blut des Toten. Als Psychiater hätte der Tote die Gefahren eines solchen Medikamenten-Cocktails erkannt. Quast vermutet: Giftmord. Haben die unheimlichen Fotos von schlafenden Frauen etwas damit zu tun, die Nasrin in der Wohnung ihres Bruders findet? Zusammen mit Frieda fängt Quast an zu ermitteln.
"Seiner Erfahrung nach wurden aus Haifischen keine Delfine, nur weil man sie fütterte."
Mit viel Geschick wird der Leser hinsichtlich des Tatmotivs in die Irre geführt. Mal verdächtigt man eine zurückgewiesene Geliebte, dann die Opfer auf den geheimnisvollen Bildern. Wer ist in der Lage einen tödlichen Medikamentencocktail in die Trinkflasche des Psychiaters zu schmuggeln?
Medizinisch psychiatrische Fakten sorgen für einen zusätzlichen Überraschungseffekt. Bis zum rasant ansteigenden Ende hat man den Täter nicht entlarvt.
Bis auf den letzten Abschnitt "Sechs Monate später", der mir zu viel "Alle-haben-sich-lieb- Gefühl" vermittelt, finde ich den Krimi sehr stimmig, spannend und durch die vielen Hintergrundinformationen zum Thema, sehr interessant.
Das leichter Britzeln zwischen Quast und Frieda verspricht eine interessante Fortsetzung und lässt auf einen neuen Fall für die beiden hoffen.
Mittwoch, 3. Februar 2016
Die Akademiemorde von Martin Olczak
| | Aktuelle Ausgabe: 08.02.2016 Verlag: btb Verlag (TB) ISBN: 9783442713653 Flexibler Einband: 480 Seiten Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Ein angesehenes Mitglied der Schwedischen Akademie wird mit einem altertümlichen Schwarzpulverrevolver in einem Stockholmer Park ermordet. Bereits am nächsten Tag werden auf die gleiche Weise weitere Akademiemitglieder, die für die Vergabe des Literaturnobelpreises verantwortlich sind, getötet. Die Polizei steht vor einem Rätsel und muss sich vor der Weltpresse verantworten. Doch interne Querelen um Zuständigkeiten erschweren die Ermittlungen. Claudia Rodriguez von der Zentralen Mordkommission ermittelt zusammen mit Buchantiquar Leo Dorfmann auf eigene Faust.
Durch die hohe Anzahl der Morde und die Brisanz, die durch den elitären Kreis der Mordopfer entsteht, hat die Polizei alle Hände voll zu tun. Doch anstatt sich mit voller Energie in die Ermittlungen zu werfen, streiten sich die Vorgesetzten um Zuständigkeiten. Denn hier wird über Sieg oder Niederlage auf hohem Posten entschieden. Zwischen die bereits verhärteten Fronten gerät die eigensinnige Ermittlerin Claudia. Anstatt ihr für wichtige Hinweise zu danken, wird sie von den Ermittlungen ausgeschlossen. Was sie nicht davon abhält, weiter nach der Spur des Mörders zu suchen.
Die charakterstarken Figuren wirken glaubhaft und lebendig. Besonders der etwas weltfremde bücherliebende Antiquar Leo hat mich angesprochen. Seine Leidenschaft für Literatur und sein großes Wissen sind besonders wichtig für die Spurensuche.
"Er nahme eine Leselampe aus der Vitrine. Dann setzte er sich in einen Sessel und blätterte vorsichtig, las die Notizen, die seit mehr als einem Jahrhundert in dem Marokkineinband geheim gehalten worden waren."
Auch wenn am Ende das Motiv nur schwer nachvollziehbar ist, hat dieser Krimi mich sehr gut unterhalten. Das Tempo ist rasant und der Spannungsbogen sehr hoch. Für Bücherliebhaber ein tolles Krimithema, das fesselnd umgesetzt wurde.
Montag, 1. Februar 2016
Sörensen hat Angst von Sven Stricker
| Erscheinungsdatum: 18.12.2015 Verlag: Rowohlt Taschenbuch ISBN: 9783499271182 Flexibler Einband: 352 Seiten Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten |
Eigentlich will Kriminalhauptkommissar Sörensen im kleinstädtischen Katenbüll beruflich eine ruhige Kugel schieben und seine Angststörungen hinter sich lassen. Aber kaum hat er seine Sachen in Hamburg gepackt, beginnt sein erster Arbeitstag in Nordfriesland mit dem Mord am Bürgermeister. Nicht nur das graue, regnerische Wetter scheint sich gegen ihn zu wenden, sondern auch die Katenbüller, die abweisend und wenig auskunftsfreudig reagieren. Zusammen mit seiner kleinen unerfahrenen Mitarbeitertruppe stochert Sörensen im Dunklen.
Die Schilderung der verschiedenen Charaktere ist sehr lebendig und schockierend zugleich. Ob es die verwahrloste Ehefrau des Bürgermeisters ist, der ehemalige Kurdirektor, der von seinen Freunden gesellschaftlich vernichtet wurde oder der junge Ole, der möglichst weit weg von Katenbüll will. Man kann sie sich allzugut vorstellen und ist berührt von so viel Tragik.
In diesem Tal der Düsternis landet Kommissar Sörensen mit seiner ausgeprägten Angststörung. Schon die Begrüßung seiner neuen Kollegen hat er nur mit Anstrengung gemeistert. Die anstehende Mordermittlung scheint ein unüberwindbares Hindernis darzustellen.
"Sein Brustkorb hatte sich in gewohnter Weise verengt, wodurch eine körperliche Kettenreaktion in Gang gekommen war, an deren Ende die Beine zitterten, Schweißperlen die Stirn verzierten und die Fingerspitzen brannten, als hätte jemand die bloßen Nervenenden berührt. "
Als ein weiterer Mord geschieht, überschlagen sich die Ereignisse und lange verschwiegene ungeheuerliche Geheimnisse werden offenbar.
Mich hat dieser spannende ungewöhnliche Krimi sehr angesprochen und betroffen gemacht. Hier wird nichts geschönt oder überdramatisiert. Wer weiß schon, welche Geheimnisse hinter Nachbarstüren lauern.
Samstag, 3. Oktober 2015
Amsterdam blutrot von Lena Avanzini
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| Erscheinungsdatum: 16.07.2015 Verlag: Emons ISBN: 9783954516612 Flexibler Einband: 256 Seiten Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten |
In Amsterdam führt Maxi Mikulicz auf ihrem Hausboot ein eher beschauliches Leben. Doch als die Töne ihrer Klavierschüler scharfkantig und blutrot werden, ahnt sie, dass etwas passiert sein muss. Die Mutter eines Schülers wurde ermordet und Maxi stolpert mitten in den Tatort, der gerade von Hoofdinspecteur Bontekoe untersucht wird. Die vermeintliche Unfähigkeit des Beamten bringt Hobbykriminalistin Maxi auf die Idee, die Ermittlungen auf eigene Faust durchzuführen. Doch als weitere Frauen ermordet werden, gerät Maxi selbst in Gefahr.
Die sympathische und leicht chaotische Klavierlehrerin Maxi Mikulicz agiert als Hobbyermittlerin. Durch ihre Musik-Farben-Synästhesie spürt sie im Vorfeld Veränderungen und Gefahren. Dank intensiver Krimilektüre und Leidenschaft für den indischen Ermittler Aravind Bhaduri meint Maxi, die Mordfälle allein klären zu können. Ihre naive und übereifrige Herangehensweise bringt sie mehr als einmal in Gefahr, sorgt aber auch für viele Schmunzelmomente.
Hausboot-Mitbewohner sind Medizinstudentin und Model Tess, die oft wechselnde Männerbekanntschaften und manchmal auch Leichenteile zum Experimentieren mit nach Hause nimmt und Fotograf Rudel, der leider jede Pflanze inbrünstig totpflegt und dessen Zimmer einer Müllhalde gleicht.
Der Ermittler, der es mit Maxi nicht gerade leicht hat, ist Hoofdinspecteur Cornelius Bontekoe. Durch seine ausgeprägte Klavierlehrerinnen-Phobie ist jedes Aufeinandertreffen mit ihr die reinste Qual. Der optisch etwas aus der Form geratene brummlige Single zeigt auf den zweiten Blick, dass er sein Herz am rechten Fleck sitzen hat.
Ungewöhnlich sind einige Passagen, in denen vermeintlich tote Gegenstände ein Eigenleben bekommen. Ihre Sicht auf die Dinge gibt dem Leser detaillierte Informationen zum Tatgeschehen.
Die Entwicklung der Geschichte ist spannend und gibt erst am Ende die Lösung preis.
Die gekonnte Mischung aus Humor und Spannung macht diesen Unterhaltungskrimi zu etwas Besonderem.
Mehr auf der Autorinnen-Seite
Herzlichen Dank an Lena Avanzini für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
Samstag, 26. September 2015
Der Tod kommt schnell von Tommie Goerz
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| Erscheinungsdatum: 31.03.2015 Verlag: ars vivendi ISBN: 9783869135045 Flexibler Einband: 150 Seiten Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten |
Eine Geschichte muss nicht blutig sein, um Gänsehaut zu verursachen. Manchmal reichen wenige Seiten, um einen Fall lebendig werden zu lassen und auch Ermittler spielen nicht immer die Hauptrolle.
Das Spektrum der Fälle ist vielschichtig. Es geht u.a. um Vorverurteilung, Vergeltung, Kaltblütigkeit, Gesellschaftskritik und Selbstjustiz.
Natürlich darf Kommissar Friedo Behütuns nicht fehlen, aber mehr als 2 Geschichten darf er diesmal nicht ausfüllen.
Mir haben diese besonderen Fälle sehr gefallen und mich gedanklich beschäftigt. Manchmal ist ein zweiter Blick nötig, um etwas richtig zu sehen und nicht immer ist das Gesetz das Maß aller Dinge.
Samstag, 22. August 2015
Die Kupferkönigin von Peter Söder
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| Erscheinungsdatum: 22.04.2015 Verlag: edition fischer ISBN: 9783899508574 Flexibler Einband: 98 Seiten Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten |
Kaum bewohnt Kommissar Hammersberger seine neue Wohnung im Haus von Pfarrer Paul Sieder, wird in der gleichen Straße eine junge Frau ermordet aufgefunden. Pfarrer, wie Kommissar eilen an den Tatort um ihre Berufe auszuüben. Als der Fall von Würzburg aus gelöst werden soll, ermitteln Pfarrer und Kommissar auf eigene Faust in Prag weiter. Ein vermeintlich Verdächtiger ist schnell gefunden.
Die beiden Hauptakteure Kommissar "Garfield" Hammersberger und Pfarrer Paul Sieder wirken sympathisch und könnten als ungewöhnliches Ermittler-Duo durchaus durchstarten. Allerdings wirken ihre Ermittlungen eher wie aneinandergereihte Zufälle. Lediglich in Prag begeben sie sich tatsächlich auf Spurensuche. Weitere Hinweise ergeben sich fast wie von selbst und führen zu schnellen Ergebnissen. Dabei wirkt die eigentliche Polizeiermittlung unprofessionell und bleibt im Hintergrund.
Teilweise scheint der Autor Nebenschausplätzen mehr Beachtung zu schenken, als der eigentlichen Handlung. Die Fußballinteressen der beiden Ermittler stehen sehr im Vordergrund und auch das Füttern einer streunenden Katze wird detailliert beschrieben.
Ein durchgehender Spannungsbogen ist leider nicht zu finden. Es gibt viele spannende Momente, die aber viel zu schnell wieder durch Alltägliches abgelöst werden. Die Aufklärung des Falls ist ungewöhlich und auch nicht vorhersehbar. Leider aber auch sehr sprunghaft, so dass keine wirkliche Spannung entstehen will.
Das Grundkonzept des Krimis ist durchaus stimmig und auch das Ermittler-Duo hat Potential. Leider konnte mich der erste Roman noch nicht begeistern.












