Donnerstag, 14. Oktober 2021

ES WAR EINMAL IN HOLLYWOOD von Quentin Tarantino



Spiel mir das Lied vom Tod" wird vielen bekannt sein und so ist "Es war einmal in Hollywood" im Jahr 1969 wie eine Rahmenhandlung hinter den Kulissen zu verstehen.   


Quentin Tarantino skizziert das glamouröse Hollywood mit all seinen Skandalen, Sternchen, Stars und dunklen Seiten. Hauptakteur ist der Schauspieler Rick Dalton, der trotz größter Bemühungen einfach nicht groß heraus kommt. Sein Stuntdouble Cliff Booth ist mehr "Mädchen für Alles" für den einstigen Serienhelden als nur Stuntmen. 

Was im Film sicherlich großartig funktioniert hätte, bleibt im Hörbuch leider eher unspektakuläre Aufzählung von bekannten und oft gehörten Hollywood-Aktivitäten. Es wird viel getrunken, es gibt Affären, Besetzungsquerelen und natürlich schöne Frauen und Neid auf deren Liebhaber. 

Gerrit Schmidt-Foß gibt sich größte Mühe, dem Hörbuch mit seiner Stimme den passenden Stil zu verleihen. Die Charaktere arbeitet er gut heraus, wechselt zwischen naiver und durchtriebener Tonlage und hat offensichtlich Spaß am Sprechen. Im Film als Synchronisationsstimme bestimmt perfekt.

Mir fehlte eine durchgängige Handlung, etwas Spannung und Unterhaltung. All das, was ein Tarantino-Film locker geboten hätte. 

Vielleicht war meine Erwartungshaltung einfach zu hoch. Mir sind seine Filme dann wohl doch lieber. 

Von mir gibt es 2,5 von 5 Punkten

Höbuch-Informationen
Erschienen: 08.07.2021
Verlag:  argon
ISBN: 978-3-7324-1934-0
Hörbuch
Hördauer: 12 Stunden 7 Minuten





Montag, 11. Oktober 2021

Der Mauersegler von Jasmin Schreiber


Der beste Freund bleibt immer an deiner Seite. Doch das Leben spielt nach anderen Regeln. Prometheus, Arzt und Krebsforscher, wird damit konfrontiert, dass sein Freund Jakob an Krebs erkrankt und daran stirbt. Auf der Flucht vor seinen Gefühlen und dem, was er getan hat, landet er nach einer ziellosen Flucht in Dänemark. Ein älteres Damenpaar findet in hilflos am Strand und nimmt ihn kurzerhand bei sich auf. Hier findet er die Zuflucht, die er für seine Trauer benötigt. Doch die Schatten der Schuld lasten schwer auf ihm. 


Jasmin Schreiber hat einen einfühlsamen Roman über Freundschaft, Schuldgefühle, Hilflosigkeit und Erwartungsdruck geschrieben, der nachhallt und nachdenklich stimmt. Ihr Schreibstil lässt Worte wie Gefühlswellen über einen hinweg rollen. Mit dem Tod setzt man sich immer nur dann auseinander, wenn es sein muss. 
 "Die Farben des Herbstes mag ich mehr als die des Sommers, der Sommer ist mir einfach zu laut in den Augen."

Zwei gegenläufige Geschichten werden erzählt. Zum einen die Gegenwart, in der Prometheus auf der Flucht vor sich und allen anderen in Dänemark strandet und die Geschichte einer wundervollen Freundschaft, die in der Kindheit von Prometheus und Jakob begann und bis über den Tod von Jakob bestehen bleibt. Je mehr Rückblicke Prometheus einem gewährt, desto mehr kann man seine Trauer verstehen.

Marvin Prometheus und Jakob waren seit Kindheit an befreundet. Sie teilten Gedanken, Wünsche, Erlebnisse. Der ungelenke Prometheus und der wundervolle Jakob, der die Natur liebte und seinem Freund näher brachte. Besonders die Mauersegler tauchen immer wieder im Roman auf und stehen sinnbildlich für Prometheus Höhenflug und Fall. Ich habe viel über diese faszinierenden Tiere dazu gelernt.

Besonders ans Herz gegangen sind mir die Protagonistinnen Aslaug und Helle. Die beiden dänischen Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein und dennoch bilden sie als Paar eine kraftausstrahlende Einheit. Helle strahlt eine Freundlichkeit aus, die nicht nur Prometheus guttut. Naturverbunden und alten Riten folgend scheint sie zu spüren, wie es um ihre Mitmenschen steht. Aslaug dagegen wirkt unnahbar und tatkräftig. Dass sie ein unglaublich hartes Leben hinter sich hat, kann man erahnen, ist dann aber doch über dessen Ausmaß sprachlos. Ich könnte mir gut vorstellen, bei ihnen auf dem Ferienhof eine Auszeit zu nehmen, so heimelig wurde dieser Ort beschrieben.

Es ist gar nicht so einfach, Prometheus Schuld zuzusprechen oder eben auch nicht. Außerhalb der Rechtsprechung gibt es noch die Gefühlsebene, die nicht so einfach auszuwerten ist. Mir hat dieser gefühlvolle, traurige und dennoch voller warmer Emotionen gefüllte Roman sehr gefallen. Wenn auch die häufigen Gefühlsausbrüche des Protagonisten teilweise doch etwas überzogen wirkten und nicht notwendig gewesen wären.

Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten


Buchinformationen
Erschienen: 27.08.2021
Verlag:  eichborn Verlag
ISBN: 978-3-8479-0079-5
Fester Umschlag
Seiten: 240

Sonntag, 10. Oktober 2021

Das Tal in der Mitte der Welt von Malachy Tallack


Ländlich, einsam, weit weg von allem. Ein Tal auf den Shetlands bedeutet den Bewohnern alles. Ihre kleine verschworene Gemeinschaft lebt in einer eigenen zeitlosen Welt fern allen Trubels. Die Jahreszeiten und die Schafzucht bestimmen das ereignislose Sein. Nachdem die Dorfälteste Meggie verstorben ist, fühlt sich David für das Tal seiner Väter verantwortlich. Er sorgt sich um den Fortbestand der Traditionen, wenn niemand mehr bleibt und das Tal verwaist.


Malachy Tallack hat einen ruhigen, unaufdringlichen und dennoch einnehmenden Roman geschrieben. Man merkt seinen Sätzen an, dass hier ein Singer-/Songwriter Melodien in Geschichten verwandelt hat. Die Landschaft ist so deutlich spürbar, dass man sich sofort auf die Shetlands versetzt fühlt. In diesem Tal schließt niemand seine Haustür ab, denn wer außer den bekannten Nachbarn, sollte sich hierhin verirren. Die Beschreibung der Menschen und ihr Handeln entschleunigt und führt zum langsamen Lesen. Eigentlich passiert auch gar nicht viel. Monatelang begleitet man Schafzüchter David und seine Frau Mary, deren Beinaheschwiegersohn Sandy und die zugereiste Schriftstellerin Alice bei ihren Tätigkeiten

"Dieses Tal formte seine Gedanken Sein Gefälle, der sanfte Schwung der Landschaft. Irgendwie spiegelte es sich in ihm. Es war ein Teil von ihm, und er konnte diesen Ort genauso wenig verlassen, wie er ein anderer Mensch sein konnte. Diese Erkenntnis hatte ihn nie bekümmert. Ganz im Gegenteil. Es gab ihm eine klare Zielgerichtetheit, deren Fehlen ihm bei anderen auffiel. Das Leben wäre so viel einfacher, dachte er, wenn die Leute nur von einem Ort träumten." 

Eindringlich wird es immer erst dann, wenn es um Schafe geht. Fast schon dramatisch wird das Vergraben eines Lammkadavers beschrieben. Das Wohl der Tiere liegt David am Herzen und mit harter Hand versucht er Sandy sein Wissen weiterzugeben. Er möchte die Tradition erhalten und hofft darauf, dass das Tal wiederbelebt wird.  

Die zugereiste Alice sammelt Erinnerungen und Ereignisse für ein Buch über das Tal. Sie versucht dadurch, über den Verlust ihres Mannes hinwegzukommen. Sie ist nicht die Einzige, die etwas verdrängt und mit ihren Ängsten kämpft. Eine atmosphärisch beklemmende Tuchfühlung entsteht, die die Menschen sehr glaubhaft und real erscheinen lassen. 

Für diesen Roman muss man sich Zeit nehmen und sich dann treiben lassen. 
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten


Buchinformationen
Erschienen: 14.06.2021
Verlag:  Luchterhand
ISBN: 978-3-630-87611-5
Fester Einband
Seiten: 384




Samstag, 9. Oktober 2021

Die Verlorenen von Simon Beckett


Ein ehemals bester Freund bittet Jonah Colley um einen Gefallen. Dieser zögert nur kurz, um sich dann doch auf den Weg zu einem düsteren Lagerhaus zu machen. Dort erwartet ihn ein furchtbares Grauen, sein Freund Gavin ermordet und weitere Leichen, die offensichtlich grausam gequält worden. Doch ist dies nur der Anfang eines Martyriums, welches schon vor Jahren begann und Jonah wieder einholt.  


Simon Beckett startet mit diesem Thriller eine neue Serie eines ehemaligen Mitgliedes einer Polizeisonderermittlungstruppe. Jonah Colley hat durch einen privaten Schicksalsschlag sein Lebensziel verloren. Sein kleiner Sohn verschwand durch sein Verschulden und seine Ehe war danach nicht mehr zu halten. Dies erfährt man zu Beginn, doch die Einzelheiten bleiben unklar. Erst im Laufe des Geschehens werden durch Rückblenden immer mehr Details offengelegt. 
Puzzleteil wird an Puzzleteil gesetzt und die Figur Jonah wird greifbarer. Leider wird dadurch der durchaus hochgehaltene Spannungsbogen immer wieder unterbrochen.

Man ahnt, dass es etwas in der Vergangenheit geben muss, das zur Aufklärung des Geschehens führen wird. Merkwürdig fand ich den Ablauf der Handlungen. Jonah findet in der Lagerhalle Leichen und wird dort verletzt. Plötzlich steht er dann selbst unter Mordverdacht. Der skurrile und merkwürdig agierende Kommissar, der Jonah verdächtigt, bleibt eine rätselhafte Person, was vielleicht gewollt inszeniert wurde, um diese Figur in der Serie weiter auszubauen. 

Tatsächlich bin ich mit keinem der Protagonisten so richtig warm geworden. Viele Personen wirkten auf mich überzeichnet und nervig in ihren Aktionen. Selbst Jonah kann keiner Typform so richtig zugeordnet werden. Mal handelt er polizeilich korrekt und überlegt, dann übergeht er alle Gesetze und handelt gegen natürlichen Menschenverstand. Mir kam es so vor, als wenn der Autor möglichst viel Hintergrundinformationen über Jonah in diesen Thriller einweben wollte, um darauf aufzubauen.

Richtig spannend wird es aber erst im letzten Teil des Thrillers. Überraschende Auftritte und verwirrend und beängstigende Wendungen wechseln sich ab. Dann leider der für mich völlig aus dem Nichts entstandene Showdown, den ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte und mich etwas enttäuscht zurückgelassen hat. 

Johannes Steck hat als Hörbuch-Sprecher gekonnt die unterschiedlichen Figuren dargestellt. Man erkennt jeden Agierenden an der unterschiedlichen Stimmfärbung. Besonders die weiblichen Charaktere wurden überraschend gut dargestellt. Auf jeden Fall ein Bonuspunkt für den Sprecher, der der Handlung den besonderen Gänsehautfaktor verliehen hat. 

Dem zweiten Teil dieser Serie werde ich auf jeden Fall eine Chance geben. Vielleicht helfen dann die vielen Vorabinformationen, schneller einzusteigen. Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen: 08.07.2021
Verlag: Argon Verlag
ISBN: 9783839818503
Audio CD
Hörzeit: 11 Stunden 11 Minuten




Donnerstag, 30. September 2021

SCHWEIG! von Judith Merchant

Erscheinungsdatum:09.09.2021    
Verlag: KiWi-Verlag
ISBN: 9783462001334
Flexibler Einband
Seiten:
352
  
Leseprobe


Meine Bewertung: 
3,5 von 5 Punkten





Inhalt: Die Last der großen Schwester trägt Esther nun schon viele Jahre und auch dieses Jahr zu Weihnachten denkt sie an ihre jüngere Schwester Sue. Mit Wein und einem Geschenk macht sie sich auf die lange Autofahrt, um ihre frisch geschiedene Schwester mitten im Wald zu besuchen. Sue ist alles andere als begeistert und zum ersten Mal wehrt sie sich gegen die aufdringliche Art ihrer Schwester. Dinge, die längst vergessen waren, werden heraufbeschworen und man ahnt, dass dies nicht gut enden wird.

Judith Merchant spielt gekonnt mit Emotionen und Vorurteilen. Wer sich auf dieses Psychodrama einlässt, wird früher oder später Partei für eine der Schwestern ergreifen. Wenig später dreht sich das Blatt und man ist überrascht, wie schnell man ein Rollenbild akzeptiert hat, ohne die ganze Geschichte zu kennen. Jedes Kapitel ist einer Person gewidmet. Im Wechsel schaut man entweder Sue oder Esther über die Schulter. Am Ende spielt Esthers Mann Martin auch seinen Part in dieser schreckwirren Story.

 "Meine Schwester steckt voller Lügen. Es sind keine großen Lügen, es sind lächerliche kleine Dinge, die aber alle dasselbe Ziel haben. Sie entstellen die Realität in ihrem Sinne, lassen sie wie das Opfer aussehen, lenken von all ihren Privilegien ab - ihrem Reichtum, ihrer Freiheit, von alldem, was Menschen für sie tun, unablässig."

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, spielen hier ihre Rolle. Esther nahm ihren Part als ältere Schwester schon als Kind sehr ernst. Sie manipulierte, überwachte und sorgte sich um ihre kleine Schwester, die offensichtlich ständig Unterstützung benötigte. Jetzt als verheiratete Ehefrau und Mutter ist sie für ihre Familie verantwortlich. Sue dagegen fühlte sich von ihrer Schwester fast schon bedroht und ihren übergreifenden Handlungen hilflos ausgesetzt. Allein lebend fern der Zivilisation, scheint ihr Leben gescheitert zu sein. Als erwachsene Frauen gehen sie sich inzwischen aus dem Weg. Nur an Weihnachten scheint es sie zueinander zu ziehen, doch die Gewissheit, dass es wieder zu einer Katastrophe kommen kann, schwebt über ihnen.

 "Seit Jahrzehnten habe ich im Umgang mit meiner Schwester dieselbe Strategie. Sie besteht aus Verteidigung, Ausweichen, Vermeidung."

Die Autorin setzt diesen einen Tag gekonnt in Szene. Es ist nicht die fast schon banal nebensächlich wirkende Handlung, die Spannung erzeugt. Es sind die überraschenden Wechsel, die durch die jeweils erzählende Protagonistin erzeugt werden. Nicht nur Sue fühlt sich von Esthers dauerndem "Schnecke" genervt. Ich mochte die Sätze auch nicht mehr lesen und hoffte, sie würde endlich damit aufhören. Mit jedem Rückblick in die Vergangenheit wird ein Schleier gelüftet und desto sicherer ist man, dass dieses Treffen kein Happy End nehmen wird. 

 Für mich war es kein wirklicher Thriller, da es einen kaum spürbaren Spannungsbogen gab. Vielmehr sind es die Protagonisten, die mit ihrer gestörten Sicht auf die Dinge die Spannung erschaffen. Ein Psychodrama der besonderen Art. 

Erwähnen muss ich aber auch, dass ich mich ein wenig über die Form des Taschenbuchs geärgert habe. Der Aufbau der Kapitel und breite Ränder verbrauchen sehr viel leeren Seitenraum und führen zu unnötigem Papierverbrauch. Es gibt sicherlich andere Stilmittel als Papier zu verschwenden.