Dienstag, 28. Juli 2026
Der Ozean so wild und weit Roman von Malachy Tallack
Montag, 27. Juli 2026
Unser Sommer endet nie von Virginie Grimaldi
Denn es gibt Mima.
Das Baskenland.
Das Meer, das rau ist.
Die Menschen, die direkt sind.
Und die Liebe, die dort ihren Platz findet.
Mima ist der sichere Hafen der beiden Mädchen, der Ort, an dem sie Kind sein dürfen. Doch die Wunden der Vergangenheit verschwinden nicht einfach. Sie wachsen mit ihnen, verändern sie, formen zwei völlig unterschiedliche Frauen: Emma, leise und vorsichtig. Agathe, wild, impulsiv, immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. In jeder Zeile spürt man dieses Band zwischen ihnen und dennoch trennen sie sich für Jahre.
Als Mima stirbt, führt der Verlust die Schwestern wieder zusammen. Ein letzter Sommer im Haus der Großmutter, durchzogen von Erinnerungen, Sehnsucht und der Hoffnung, dass alte Narben vielleicht doch heilen können. Die Autorin beschreibt das Meer, die Landschaft und das Lebensgefühl so eindringlich, dass man meint, selbst dort zu stehen. Die Rückblenden fügen sich wie Wellen aneinander, bauen Spannung auf, lassen etwas Unausgesprochenes zwischen den Schwestern schweben. Und als sich der Konflikt endlich löst, ist es unerwartet.
Dieses Buch hat mich tief berührt – vielleicht, weil ich selbst eine Schwester habe. Wir sind verschieden, aber wir haben auch gemeinsame Schatten, die uns verbinden. „Unser Sommer endet nie“ ist eine zarte, ehrliche Hommage an Schwestern, an Herzmenschen, an die, die bleiben. Ich werde es meiner Schwester schenken, um ihr zu zeigen, wie sehr ich sie brauche.
Eine absolute Leseempfehlung.
Samstag, 28. Oktober 2023
Gewässer im Ziplock von Dana Vowinckel
Vater Avi und Tochter Margarita erzählen ihre Geschichte jeweils aus ihrer eigenen Perspektive. Trotz der ruhigen Atmosphäre spürt man eine unterschwellige Spannung, die nach und nach immer mehr an die Oberfläche gelangt. Besonders Margarita ist ein sehr aufmerksamer, sensibler und reizbarer Charakter. In Berlin wächst Margarita behütet bei ihrem Vater auf, der in seinem Beruf als jüdischer Chasan völlig aufgeht. Die Sommerferien verbringt das Mädchen jedes Jahr bei den Großeltern mütterlicherseits in Chicago. Nur diesmal soll sie ihre Mutter in Jerusalem besuchen, bevor es zurück nach Berlin geht.
Das Wiedersehen steht unter keinem guten Stern, denn die Mutter verpasst Margarita am Flughafen. Obwohl sie die Sprache beherrscht, befindet sie sich doch in einem fremden Land. Der Schmerz erneut von der Mutter im Stich gelassen worden zu sein, brandet wieder auf und Margarita unternimmt eigene, gewagte Schritte, von denen sie selbst ihren Vater nicht in Kenntnis setzt. Obwohl die Mutter sich bemüht, Margarita durch eine Reise das Land des Vaters näher zu bringen, bleiben sich Mutter und Tochter fremd. Sie haben noch keine Gelegenheit gehabt, ihre Rollen als Mutter und Tochter auszufüllen. Die Distanz und Kühle ist deutlich spürbar, zumal Marsha erst durch Margaritas Erzählungen zur Protagonistin wird.
Als Margaritas Großmutter in Chicago erkrankt, treffen sich nach über 10 Jahren alle Familienmitglieder wieder. Eine Eskalation von Gefühlen, Verletzungen und Hilflosigkeit aller Beteiligten ist absehbar und doch unerwartet umgesetzt. Margaritas innerer Zwiespalt und ihr Wunsch nach Zugehörigkeit zeigen sich in jedem Satz. Sie fühlt sich wurzellos und sogar ihr Vater Avi wirkt in Amerika fremd und fehl am Platz.
Mir wurde bewusst, wie fremd mir das Judentum immer noch ist, besonders bei den Schilderungen von Avi in Berlin. Seine Kantorentätigkeit wurde sehr einfühlsam vermittelt.
"Der Gesang verpflichtete ihn, zu glauben. Denn die Worte, die er singen durfte, die sein Beruf waren, es waren Worte, die ihm den Sinn der Welt aufschlossen und manchmal sogar den Unsinn, das Glück und den Schmerz."
Nachdem ich Nachamas' Gesänge zu Jom Kippur gehört habe, konnte ich mir einen ungefähren Eindruck von seiner Stimme machen.
Die Charaktere vermitteln unterschiedliche Perspektiven auf jüdisches Leben in Deutschland, Israel und den USA. Der Nahostkonflikt wird spürbarer, auch wenn durch die Komplexität des Themas an der Oberfläche geblieben wird.
Meine Erwartungshaltung war etwas zu hoch, weil ich außer der Romanhandlung mehr Informationen über den mir fremden Glauben erhofft habe.
Freitag, 16. Juni 2023
Das Bücherschiff des Monsieur Perdu von Nina George
Von mir gibt es 3,9 von 5 Punkten
Dienstag, 16. Mai 2023
Der Halbmörder von Håkan Nesser
"Wenn Henry sich anstrengt, um etwas Gescheites zu sagen, lässt mich das, was aus seinem Mund purzelt, meistens an eine schlecht gebundene Krawatte denken, auf die jemand (Henry höchstselbst natürlich) soeben gekotzt hat. Mehrmals."
Um seine Gedanken zu sammeln und sein Gedächtnis auf Trab zu bringen, fängt Adalbert an, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben. Die Rückblicke sind emotional und berührend und lassen keinen Zweifel daran, dass sich hier zwei Menschen gefunden haben, die füreinander bestimmt sind. Warum Adalbert und Andrea nicht mutig genug sind, allen Konsequenzen zum Trotz ihren eigenen Weg zu gehen, wird allerdings nicht glaubhaft genug herausgearbeitet. Es wirkt etwas hölzern und inszeniert, wie sich das Geschehene langsam zur Tragödie entwickelte.
Es dauert ein wenig, bis man mit dieser Geschichte warm wird, dann nimmt einen der Schreibstil Nessers gefangen und man hofft für Adalbert, dass er am Ende seiner Tage noch ein wenig Glück finden darf.
Dienstag, 25. April 2023
Die spürst du nicht von Daniel Glattauer
"Wir wollen Frieden haben. Wir wollen wieder zurück in unser normales Leben finden. Wir wollen nicht mehr an das schreckliche Unglück denken müssen. Wir wollen, dass unsere Kinder wieder gut schlafen können."
Samstag, 22. April 2023
Die schlafenden Geister des Lake Superior von Ben Aaronovitch
Sonntag, 2. April 2023
Vielleicht Esther von Katja Petrowskaja
Die Ich-Erzählerin sucht Spuren in der Vergangenheit, um der Geschichte ihrer Urgroßmutter näher zu kommen, die 1941 allein in Kiew zurückblieb. Hieß sie Esther? Sie weiß es nicht. Die Erzählerin startet in Berlin, kommt nach Polen und nach Wien, die Ukraine und Moskau. Begegnungen mit Verwandten, Fremden, in Museen und Gedenkstätten reihen sich aneinander und bilden doch keinen roten Faden, dem man folgen könnte.
Dieses Hörbuch macht betroffen und zeigt, wie verletzt und undurchsichtig Familienschicksale sein können. Ich habe zwei Anläufe unternommen, das Hörbuch zu verstehen und mich hineinzufühlen. Bei diesem Thema hätte ich lieber den Roman zur Hand gehabt, um zurückblättern zu können, Notizen zu machen oder Namen und Begriffe besser erfassen zu können. Die Kombination aus Hörbuch und Roman wäre sogar die beste Wahl.
Freitag, 31. März 2023
Drei fast geniale Freunde auf dem Weg zum Ende der Welt von Jonas Jonasson
Sonntag, 12. März 2023
In blaukalter Tiefe von Kristina Hauff
"Sie hätte mit ihm darüber sprechen können. Aber stattdessen hatte sie ihn ausgeschlossen. Sich immer weiter von ihm entfernt, und nun gab es kein Zurück mehr."
Bis über die Mitte hinaus hat die Handlung eine Sogwirkung. Gespannt verfolgt man dieses auf hoher See stattfindende Kammerspiel. Jeder der Charaktere trägt eine spürbare Last und gleichzeitige Hoffnung mit sich, die unter einer gekonnt inszenierten Fassade versteckt wird.
Nach und nach fängt diese an zu bröckeln und die entstandenen Risse treten an die Oberfläche. Lediglich der Skipper Eric Fauré bleibt verschlossen und geheimnisvoll.
Im letzten Teil wurde für meinen Geschmack dann zu sehr in die Dramaschublade gegriffen. Eifersüchteleien, Geltungsbewusstsein und Verzweiflung führen zu Überreaktionen und Fehlentscheidungen. Der Spannungsbogen wird unnötig und unglaubwürdig überstrapaziert. Ein wesentlich ruhigerer Verlauf zum Ende hin hätte mir besser gefallen.
Wer psychologische Ränkespiele mag und nicht zu viel Wert auf Tiefe legt, wird hier auf seine Kosten kommen.
Mittwoch, 22. Februar 2023
Mein Leben in deinem von Jojo Moyes
Sonntag, 12. Februar 2023
Das glückliche Geheimnis von Arno Geiger
"Auch im Abfall war der Umbruch im Zeitungswesen wahrnehmbar. Die Druckerschwärze wurde weniger. Die Pizzakartons wurden mehr. Handschriftlich Geschriebenes verschwand fast zur Gänze, ich wohnte dem allmählichen Untergang einer Kultur bei."
Mich haben diese Abschnitte sehr nachdenklich gemacht. Was passiert mit uns, wenn Dinge nur noch digital festgehalten werden. Hat eine Kurznachricht den gleichen Wert wie ein liebevoll geschriebener Zettel, den man verknittert und befleckt im Portemonnaie aufbewahrt?
Auch wenn mich dieser Roman durch viele Längen und für mich nicht greifbare Abschnitte nicht übermäßig begeistern konnte, habe ich die Kraft der Worte geschätzt.
Freitag, 27. Januar 2023
Über die See von Mariette Navarro
"Man zerreißt das Wasser nicht wie ein Stück Stoff, hinterlässt keinen Abdruck wie im Sand oder Schnee. Wer ins Wasser taucht, ist zur Unsichtbarkeit verdammt."
Die Stimmung kippt, als jeder für sich entdeckt, wie klein und allein er inmitten der Untiefen ist. Plötzlich verweigern Wellen die Sicht auf das Rettungsboot und erst als alle wieder an Bord sind, können sie ihr Abenteuer kaum fassen.
Der gekonnte Perspektivenwandel lässt die Szene noch eindringlicher wirken. Die Kapitänin an Bord, die ihre spontane Entscheidung anzweifelt und sich nicht sicher sein kann, ob die Mannschaft vollzählig zurückkehren wird.
Die Seeleute zählen ihre Reihen durch und stellen mit Erstaunen eine Zahl fest, die nicht stimmen kann. Ab hier wird die Handlung fast mystisch und genauso undurchdringbar wie der Nebel, der sich wie ein Vorhang dicht um das Schiff legt. Selbst die Motoren kommen nicht dagegen an. Der Frachter wird immer langsamer und mit ihm der Verstand der Kapitänin. Fast wie ein unterschwelliger Spuk, bei dem man jederzeit auf etwas Schlimmes wartet.
Sie spürt den ungleichmäßigen Rhythmus des Schiffes und spricht besänftigend mit diesem Metall-Koloss, gibt ihm etwas Lebendiges. Zum Ende stellen sich immer mehr Fragen. Was passiert wirklich oder entspringt nur der Fantasie. Der Autorin gelingt es, die Handlung genauso langsam auslaufen zu lassen, wie die Motoren an Kraft verlieren.
Dieser Roman ist eine überraschende Gefühlsachterbahn in leisen Tönen. Ein Leseerlebnis.
Montag, 16. Januar 2023
Die Liebe an miesen Tagen von Ewald Arenz
"Es war, als hätte er sich die ganze Zeit verfahren, um schließlich völlig überrascht festzustellen, dass er genau dort angekommen war, wo er von Anfang an hingewollt hatte."
Von der anfänglich leichten Welle des Verliebtseins getragen, wechselt die Handlung zu ernsten Themen, die die beiden Liebenden nicht mehr ganz so ungezwungen bewältigen können. Hürden müssen genommen werden, lange Gespräche ohne Ergebnis folgen und Missverständnisse mit daraus resultierenden emotionalen Verletzungen scheinen zum Unausweichlichen zu führen.
Man wünscht sich so sehr, dass Clara und Elias ein Paar werden und doch fühlt man auch ihre Zerrissenheit. Eine dramatische Wendung macht noch einmal deutlich, dass Gefühle dann am deutlichsten hervortreten, wenn Alltägliches die Priorität verliert und man sich auf das Wesentliche im Leben besinnt.
Ich habe versucht, den Roman so langsam wie möglich zu lesen, um mich von den Worten tragen zu lassen, am Ende habe ich aber doch jedes Kapitel nur so im Flug genommen. Es war schön und aufwühlend zugleich, und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Roman des Autors.
Freitag, 6. Januar 2023
Miss Veronica und das Wunder der Pinguine von Hazel Prior
"Wie ist es möglich, dass dieses erbärmliche, schmierige, drogenberauschte Geschöpf mein leiblicher Enkel ist?"
Entschlossen, diesem Nichtsnutz keinen Cent zu hinterlassen, kommt Veronica die Idee, einem Forschungsprojekt ihr Vermögen zu vermachen. In einer Reportage hat sie einen Bericht über Adeliepinguine gesehen, der sie begeistert. Spontan nimmt sie ihr Vorhaben in Angriff und plant einen Besuch der Forschungsstation. Es ist beeindruckend und witzig, wie zielorientiert und beratungsresistent die alte Dame ihren Plan in die Tat umsetzt. Selbst als die Forscher ihr klar machen, dass eine 86-Jährige nichts in der Arktis verloren hat, bleibt sie resolut und lässt sich auch nicht durch schlechtes Essen oder sanitäre Unzulänglichkeiten abschrecken.
Nach und nach wird deutlich, dass die beeindruckende Charakterstärke, der eiserne Wille und die harte Schale Veronica Jahrzehnte lang vor ihrer Vergangenheit geschützt haben. Fern der schottischen Heimat lernt sie loszulassen und sich zu öffnen. Ein Pinguin-Waise wird für sie zur neuen Aufgabe und unbeeindruckt aller Verbote durch die Forscher zieht sie den kleinen Pinguin in der Station auf.
"Die Pinguine verströmen Lebensfreude. ... Trotz ihres Lärms, ihres Geruchs und ihrer enormen Mengen Guano mag ich Pinguine schon jetzt viel lieber als Menschen."
Es ist vielleicht eine Spur zu viel an unglaubwürdiger Eigeninitiative, die Veronica an den Tag legt. Etwas zu wenig Gegenwehr von den Forschern, die die Anwesenheit der alten Dame in der Arktis akzeptieren. Aber der herzerfrischende Erzählstil der Autorin macht diese Punkte mehr als wett. Dem wiedergefundenen Enkel mit eigenem Handlungsstrang hätte es gar nicht bedurft, um diese Geschichte unterhaltsam zu gestalten.
Interessant sind die Texte der Forscherin Terry, die als Pinguin-Blog-Einschübe die Handlung begleiten. So erfährt man ganz nebenbei noch etwas über das erstaunliche Leben der Pinguine.
Mich hat dieser Roman gut unterhalten und zum Schmunzeln gebracht.
Mittwoch, 4. Januar 2023
Zur See von Dörte Hansen
"Und Hanne hängt an diesem Brocken Land, sie weiß nur manchmal nicht, ob dies noch ihre Insel ist. Vielleicht gehört sie längst den Wellenreitern und den Wolkenmalern, den Nacktbadern und Muschelsuchern - oder den Eintagsfliegen, die in Schwärmen jeden Tag vom Festland kommen, eine Inselrunde mit der Pferdekutsche drehen, Kaffee trinken in der Leuchtturmstube, weiterzuckeln Richtung Inselkirche, Vogelkoje und Museum, einmal kurz die Promenade rauf und runter, Abendessen im Klabautermann und mit der letzten Fähre wieder auf das Festland, wo die Reisebusse auf sie warten."
Inselbewohner führen in Trachten und Seemansskluft für Inselgäste tagein, tagaus ein Stück auf, an das sie selbst nicht mehr glauben und selbst der Inselpastor Matthias Lehmann inszeniert seine leidenschaftlichen Predigten mit goldbestäubten Muscheln, bis die Saison zu Ende ist und seine Kirchenbänke sich wieder leeren.
Trotz meiner Liebe zum Meer und deren Inseln werde ich wohl nie wieder eine Insel betreten, ohne an die Menschen zu denken, die uns Gäste ertragen müssen und deren Welt eine andere geworden ist.
Es ist ein düsterer Roman, der wenig Licht zulässt. Aber die Intensität der Worte, die Beschreibung der Natur und die Kraft des Meeres und die wundervollen kantigen Charaktere haben mich einfach begeistert. Für mich eine klare Hörempfehlung.
Die guten Frauen von Safe Harbour von Bobbi French
"Rings um mich herum Wasser, das einen unglaublichen Durst stillte, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn hatte. Ich hatte dem Ozean die Stirn geboten und gewonnen, mein Preis ist diese Heimkehr, von der ich jetzt wusste, dass ich sie verdiente."
Dieser Roman hat mich sehr berührt und auch nachdenklich gestimmt. An jeder Lebens-Wegkreuzung sollte man kurz innehalten und überlegen, ob es der richtige Weg ist. Vor allem sollte man aber Menschen, die einem am Herzen liegen, nicht zu schnell aufgeben.
Bis auf einige wenige Längen und sehr kleine überemotionale Stimmungen ist es ein sehr gelungener Roman. Leseempfehlung.
Donnerstag, 8. Dezember 2022
Fischers Frau von Karin Kalisa
"In einem sehr langsamen Prozess, wie durch Augen gesehen, die eine massive Adaptionsschwäche haben, bildeten sich weitere Konturen heraus, versanken, tauchten wieder auf: Fische in winzigen Dreier-, Vierer- und Fünferschwärmen, Seesterne, aber auch vogelartige Wesen, seltsame Blumen- alles auf berückende Weise winzig. ... Eine Miniaturunterwasserwelt - viele Faden tief."
Obwohl die zurückgezogen lebende Mia bisher jede Dienstreise abgelehnt hat, macht sie sich auf die Suche nach der Teppichknüpferin Nina, die dieses Fadenwunder geschaffen hat. Ihre Spur führt sie nach Freest an der Ostsee bis nach Zagreb zu einem besonderen Mann in einer Teppichwerkstatt.
Durch wechselnde Zeitebenen und darin handelnde Protagonisten hat man das Gefühl, dass sich die Geschichten immer mehr zu einer neuen eigenen märchenhaften Geschichte verbinden. Vergangenheit und Gegenwart werden unwichtig. Das Leben und die Kraft, es zu genießen, rücken in den Vordergrund. Die Archäologin wechselt vom Berichtstil in einen Erzählstil und nimmt den gefundenen Faden auf und webt etwas Eigenes, Kraftvolles hinein.
Dieser Roman entschleunigt durch den wunderbaren Schreibstil und öffnet die Augen für kleine Details. Er lässt die Lesenden nicht nur in die geheime Welt der Teppichknüpfkunst eintauchen, er macht auch neugierig auf die wahren Begebenheiten, die die Fischer 1929 zu Teppichknüpfern werden ließen.Montag, 14. November 2022
Die Silberkammer in der Chancery Lane von Ben Aaronovitch
Hinter den Tresortüren der Silberkammer in der Chancery Lane hat es einen Mord gegeben. Doch dem Mord haftet etwas Ungewöhnliches an. Wie der Tatsache, dass an der Stelle, wo bei dem Opfer das Herz sein sollte, nur ein Loch klafft. Nach einem weiteren Toten führt die Ermittlung in den Norden des Landes, wo die Vergangenheit in mehr als nur einer Weise durch die Straßen geistert. Neben magischen Artefakten und einem rituellen Gebetskreis religiös interessierter der zu einer Begegnung der dritten Art mit dem göttlichen führt, beschäftigt den Londoner Polizisten mit der Begabung zum Magischen auch ein persönliches Ereignis, das seine Karriere in neue Bahnen lenken könnte.
Peter Grant und sein Vorgesetzter und Mentor Thomas Nightingale werden immer dann zu einem Fall herangezogen, wenn es um „abstrusen Scheiß“ geht. Als genau solchen könnte man wohl die Ereignisse bezeichnen, die sich rund um eine Gruppe religiös interessierter abspielen, die zufällig in den Besitz einiger magischer Artefakte geraten ist. Alte Feinde? treffen aufeinander. Und neue Bündnisse werden geschlossen.
Der Roman knüpft mit persönlichen Ereignissen im Leben von Peter Grant lückenlos an die Fortsetzungsreihe an, doch auch als Einzelwerk ist dieser lesenswert. Die Unwissenheit der neu eingeführten Praktikantin Danny, welche eine Grundeinführung in Falcon-spezifische Analysen erhält, so der offizielle Begriff für den Umgang mit magischen Geschehen und Tatorten, kommt dem Neu-Leser zugute. Relevante Details über die Herangehensweise der magischen Abteilung der Polizei von London, sowie Rückgriffe auf vergangene Geschehnisse aus vorherigen Romanen ermöglichen einen nahtlosen Einstieg in die Handlung.
Die angebrachten historischen Details über die spanische Inquisition und die Geschichte der Juden in England verleihen der Geschichte eine Realitätsnähe, die bei Fantasy Romanen selten zu finden noch zu erwarten ist. Doch die Fülle der Informationen kann den historisch unbewanderten Leser teilweise überfordern.
Eine Empfehlung für alle Krimi, Fantasy und Detektivroman Fans und jene treue Leserschafft der Flüsse-von-London-Reihe.
















