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Donnerstag, 8. Dezember 2022

Fischers Frau von Karin Kalisa


Ein Teppich landet auf dem Tisch von Faserarchäologin Mia Sund. Eigentlich nicht alt genug, um ihr Interesse zu wecken. Doch die einzigartigen Farben und Muster ziehen sie in ihren Bann und schon bald befindet sie sich auf einer Spurensuche, die sie bis nach Zagreb und in die Vergangenheit führt.  


Karin Kalisa hat sich von der Geschichte der pommerschen Fischer im Jahr 1929 für ihren Roman inspirieren lassen. Ähnlich wie die damaligen Fischer Fäden zu Teppichen geknüpft haben, webt die Autorin ihre zarten und wunderschön poetischen Worte in einen Roman. Die Protagonistin Mia Sund entfaltet ihren Charakter ebenso langsam, wie sie selbst die Schönheit des Teppichs erst nach und nach erfasst. 

Durch einen zufälligen Wechsel der Blickperspektive erkennt die Archäologin das besondere Wunder des Fischerteppichs. Unzählige Muster und Farbspiele durchziehen das Bild.

"In einem sehr langsamen Prozess, wie durch Augen gesehen, die eine massive Adaptionsschwäche haben, bildeten sich weitere Konturen heraus, versanken, tauchten wieder auf: Fische in winzigen Dreier-, Vierer- und Fünferschwärmen, Seesterne, aber auch vogelartige Wesen, seltsame Blumen- alles auf berückende Weise winzig. ... Eine Miniaturunterwasserwelt - viele Faden tief."

Obwohl die zurückgezogen lebende Mia bisher jede Dienstreise abgelehnt hat, macht sie sich auf die Suche nach der Teppichknüpferin Nina, die dieses Fadenwunder geschaffen hat. Ihre Spur führt sie nach Freest an der Ostsee bis nach Zagreb zu einem besonderen Mann in einer Teppichwerkstatt. 

Durch wechselnde Zeitebenen und darin handelnde Protagonisten hat man das Gefühl, dass sich die Geschichten immer mehr zu einer neuen eigenen märchenhaften Geschichte verbinden. Vergangenheit und Gegenwart werden unwichtig. Das Leben und die Kraft, es zu genießen, rücken in den Vordergrund. Die Archäologin wechselt vom Berichtstil in einen Erzählstil und nimmt den gefundenen Faden auf und webt etwas Eigenes, Kraftvolles hinein. 

Dieser Roman entschleunigt durch den wunderbaren Schreibstil und öffnet die Augen für kleine Details. Er lässt die Lesenden nicht nur in die geheime Welt der Teppichknüpfkunst eintauchen, er macht auch neugierig auf die wahren Begebenheiten, die die Fischer 1929 zu Teppichknüpfern werden ließen. 


Von mir gibt es 4 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen: 01.06.2022
Verlag:  Droemer
ISBN: 9783426282090
Fester Umschlag
Seiten: 256





Montag, 7. März 2016

Albertos verlorener Geburtstag von Diana Rosie


    Erscheinungsdatum: 01.02.2016
    Verlag: Droemer Knaur 
    ISBN: 9783426653937
    Fester Einband: 336 Seiten

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 

»Wie alt warst du, als dein Papá starb?" möchte der 7-jährige Tino von seinem Großvater wissen. Auf diese Frage hat Alberto keine Antwort, denn er weiß nicht, wann er geboren wurde und an seinen Vater kann er sich auch nicht erinnern. Bestürzt stellt der Enkel fest, dass sein Großvater noch nie Geburtstag gefeiert hat, obwohl es doch der schönste Tag eines jeden Jahres ist. Gemeinsam machen sich Großvater und Enkel auf, den verlorenen Geburtstag zu finden. Quer durch Spanien führt sie die Reise zurück in Albertos Vergangenheit.


Diana Rosie hat einen feinfühligen und warmherzigen Roman geschrieben, den man von der ersten Seite an nicht mehr aus der Hand legen mag. Die Charaktere werden so lebendig und liebenswert geschildert, dass man das Gefühl hat, sie neben sich stehen zu sehen. Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich in verschiedenen Zeitebenen ab, wobei die Autorin behutsam Albertos Lebensweg rückwärts von 1937 bis 1931 nachzeichnet. Fakten zur spanischen Geschichte wie auch die Zerrissenheit der Bevölkerung und deren Folgen werden bewegend beschrieben.

Alberto genießt seinen Lebensabend und freut sich auf die Gesellschaft seines Enkels. Ein lebensbedrohlicher Unfall seines Schwiegersohns führt dazu, dass der kleine Tino erst einmal beim Großvater wohnen soll. Obwohl die beiden sich gut verstehen, liegt doch die Angst um den Vater wie ein großer Schatten auf dem Kind. Hilflos steht Alberto dem gegenüber, bis der Junge nach dem Geburtstag seines Opas fragt. Alberto beschließt die Frage zum Anlass für eine Reise zu nehmen, um Tino von seinem Kummer abzulenken. Doch schon an der ersten Station der Reise, dem ehemaligen Waisenhaus merkt man, wie eine Veränderung in Alberto vorgeht. Kleine Erinnerungen wie ein Geruch, ein Name oder ein Gebäude setzen sich wie Puzzleteile aneinander. Geschickt werden Hinweise aus der Vergangenheit während der gegenwärtigen Reise wieder aufgegriffen, so dass der Leser das Gefühl hat, selbst die Lösung zu finden.

Die stille Zuneigung zwischen Großvater und Enkel zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Dieser kleine Junge mit dem großen Herzen, hat etwas Besonderes bewirkt. Das gefühlvolle Ende passt zu dieser Geschichte voller kleiner herzlicher Momente.