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Mittwoch, 10. Februar 2021

Trauma von Christoph Wortberg

Erscheinungsdatum: 19.02.2021    
Verlag: dtv
ISBN: 9783423262682
Flexibler Einband
Seiten:
368
 
 
Meine Bewertung:
3 von 5 Punkten 

  







Inhalt: Würde ein Nichtschwimmer sich mitten im See vom Schlauchboot in den sicheren Tod begeben? Mordermittlerin Katja Sand ist skeptisch und wird bestätigt, als ein weiterer mysteriöser Todesfall durch Ersticken im Kühlschrank gemeldet wird. Ihre Ermittlungen werden durch Bedenken von Vorgesetzten und fehlende pathologische Hinweise erschwert. Lediglich ihr Kollege Rudi Dorfmüller glaubt an ihren Instinkt und unterstützt sie, auch wenn ihm selbst Zweifel an ihrer Theorie kommen.

Christoph Wortberg hat mit seinem Debüt den Auftakt zu einer Thrillerserie geschrieben. Der Schreibstil ist durch die kurzen und einfachen Sätze sehr schnell zu erfassen. Dadurch bekommt der Inhalt ein gewisses Tempo bei gleichbleibender Spannung. Die Handlung ist in drei Abschnitte unterteilt, die jeweils von einer in der Vergangenheit spielenden Szene eingeleitet werden. Ein dreijähriges misshandeltes Kind muss unfassbares Leid ertragen. Bis zum Ende wird mit dem Leser gespielt, wer dieses Kind sein könnte. 

Das Ermittler-Duo Katja und Rudi ist leider etwas in die Klischeekiste gerutscht. Eine toughe, geschätzte Ermittlerin, die ihr Privatleben nicht in den Griff bekommt. Die Tochter scheint ihr zu entgleiten und die Beziehung zu ihrer Mutter kann man nur als unterkühlt bezeichnen. Der eigenwillige Kollege scheint ein Einzelgänger und Eigenbrötler zu sein, der seine Arbeit als Lebensinhalt sieht. Für seine Vorgesetzte würde er dennoch fast alles tun und auch mal über Dienstordnungen hinwegsehen.

 "Sie umklammert das Lenkrad, das feucht ist von ihrem Schweiß. Sie wischt sich die Hände an den Oberschenkeln ab. Es nützt nichts. Sie schwitzt ihre verfluchte Vergangenheit aus."

Die gut konstruierte Fallsituation von zwei unterschiedlichen vermeintlichen Suiziden, die nach und nach immer mehr Parallelen aufweisen, wird häufig durch die privaten Probleme Katja Sands unterbrochen. Ein thrillerartiger Spannungsbogen kann dadurch nur schwer aufgebaut werden. 

Sehr interessant ist, wie die Marine mit dem Fall umgeht. Vertuschen und weitermachen. Hoffentlich nur noch fiktiv und nicht mehr in der Wirklichkeit zu finden. 

Für die Fortsetzung würde ich mir mehr Fallarbeit und weniger Privatleben mit einem anwachsenden Spannungsbogen wünschen.

 


 

Mittwoch, 27. Januar 2021

Der Tausch – Zwei Frauen. Zwei Tickets. Und nur ein Ausweg. von Julie Clark

Erscheinungsdatum: 11.01.2021    
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453424975
Flexibler Einband
Seiten:
400
  
Leseprobe








  
Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 


Inhalt: Die Chance, ein neues Leben zu beginnen, begleitet Claire und Eva, als sie sich unabhängig voneinander auf dem Flughafen JFK in New York befinden. Claire flieht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, der ihr durch seinen politischen und finanziellen Einfluss keinen Ausweg lässt. Eva sucht einen Neuanfang, um sich aus den Fängen des Drogenmilieus zu befreien. Nach einer spontanen Begegnung beschließen die Frauen, ihre Flugtickets zu tauschen, nichts ahnend, was sich daraus entwickelt.

Julie Clark versteht es, die beiden Hauptprotagonistinnen gekonnt in Szene zu setzen. Sie spielt mit Emotionen, Ängsten und Hoffnungen. Zwei völlig unterschiedliche Frauen, die durch einen Zufall den gleichen Wunsch hegen: Flucht aus dem bisherigen Leben. In zwei Handlungssträngen begleitet man die zwei Frauen. Claire schildert ihre gegenwärtigen Erlebnisse in der Ich-Form, Evas Erlebnisse werden dagegen im personalen Erzählverhalten Monate zurückliegend bis zum Tickettauschtag geschildert. 

Gefesselt verfolgt man das Geschehen und bangt mal um die eine, dann um die andere. Ihre Chancen aus der Situation heil herauszukommen, stehen schlecht. Beide Protagonistinnen versuchen eine Fassade aufrecht zu erhalten, die schon längst zu bröckeln begonnen hat. Die gut situierte strahlende Ehefrau eines erfolgreichen Politikers, die täglich damit kämpft, ihre Blessuren zu verbergen. Auf der anderen Seite eine gescheiterte, einst erfolgversprechende Chemiestudentin, die ihre Drogenküche hinter einer biederen Alltagsfassade zu verstecken versucht und ihre Ängste kaum noch unterdrücken kann. Es geht um starke Frauen, die sich befreien wollen. 

Männer spielen hier eher die "bösen" Nebenrollen, ob als unberechenbarer gewalttätiger Ehemann oder als Drogendealer, der kein Mittel auslässt, um Eva unter Druck zu setzen. Hauptakteure sind Frauen in unterschiedlichsten Positionen. Sie unterstützen sich gegenseitig, geben sich Halt, haben Verständnis füreinander. Die beste Freundin, die für Claire die Flucht mit organisiert, die nette Coffeeshop-Bedienung, die einen Job vermittelt, weil sie Claires Hilflosigkeit erkennt. Eine Professorin, die für Eva Verständnis aufbringt, obwohl diese alles andere als freundlich zu ihr ist. Eine überraschende Frau, die anfänglich wohl niemand als Unterstützerin im Blick hatte und für einen besonders spannenden Plot sorgt. 

Durch die zeitlich unterschiedlichen Perspektiven wird der Spannungsbogen langsam, aber stetig aufgebaut. Man fiebert dem entgegen, was man befürchtet und hofft auf einen Ausweg. Beiden Frauen gönnt man ein Happy End, das tatsächlich bis zum Schluss offenbleibt. 

Dieser ungewöhnliche Frauen-Thriller spielt mit weiblichen Ängsten. Mir fiel es nicht schwer, mich in die beiden Personen hineinzuversetzen und mit ihnen zu hoffen und bangen. Daher von mir eine Leseempfehlung.

Donnerstag, 19. November 2020

Black Sun von Owen Matthews

    Erscheinungsdatum: 30.10.2020     Verlag: Lübbe    
    ISBN:
9783404183371     Flexibler Einband: 432 Seiten
    Leseprobe     Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten 
Aufrüsten, Wettrüsten, Kalter Krieg. Atomwaffen in Ost und West sollen das Gleichgewicht halten, den Frieden sichern. Doch wie sicher sind wir in dieser Welt voller alles vernichtender Waffen. 1961 entwickeln die Sowjets in einer geheimen russischen Stadt eine Bombe, die alles Vorstellbare übersteigt. Wenige Tage vor dem ersten Test stirbt ein Physiker an einer Thallium-Vergiftung. Selbstmord - wie es scheint. Moskau zweifelt und schickt seinen besten KGB-Mann. Oberst Wassin wird es nicht leicht gemacht, denn in Arsamas-16 gelten russische Regeln nicht.

 

Owen Matthews hat auf der Grundlage von wahren Begebenheiten diesen Thriller geschrieben. Das Thema ist nicht neu, denn schon oft wurden russische Atomtests oder Weltvernichtungswaffen als Thema für spannende Romane verwendet. Außer, dass hier ein Wahrheitsfunke verbaut wurde, findet man nicht viel Neues. KGB Militärs, die sich gegenseitig misstrauen, ihre Macht missbrauchen, einschüchtern. Die anfängliche Sympathie, die man für Oberst Wassin entwickelt, schwindet schnell. Sein Privatleben ist alles andere als vorbildlich, seine Wahrheitsliebe erdrückt durch Gehorsam und Verzweiflung. 

Personen bleiben oberflächlich, Schatten ihrer selbst. Dabei hätten sie durchaus Potenzial für Tiefe und Emotionen geliefert. Besonders die junge Ehefrau vom Leiter des Bombentests hat eine schwere, leidvolle Vergangenheit. Doch statt Gefühle zu transportieren, werden nur Plattitüden verwendet.

"Wer unter Wölfen lebt, muss mit ihnen heulen"

Viel Detailliebe wird dagegen auf technische Elemente verwendet. Welche Materialien werden in der Bombe verbaut, wie funktionieren die Abläufe während der Startphase und welche Auswirkungen wird die Detonation haben. Das Umfeld der Arbeiten bleibt dagegen farblos. Wie sehen die Labore aus, die geheime Stadt mit ihren Bewohnern. Wie lebt man als Geheimnisträger mit westlichen Luxusgütern fern des russischen Alltags. Hier bleibt es der Fantasie des Lesers überlassen, sich ein Bild zu machen. 

Die Ermittlungen laufen - wie erwartet - schleppend. Wassin läuft gegen Wände und Vorgesetzte an. Trotz seiner hartnäckigen, überheblichen Art kommt er nicht wirklich weiter. Der Einblick in sein Privatleben ist wenig hilfreich und teilweise ermüdend zu lesen. Die Handlung will keine Fahrt aufnehmen und der versucht aufgebaute Spannungsbogen überrascht am Ende nicht wirklich. 

Mich konnte dieser Thriller nicht fesseln und blieb trotz des furchtbar und undenkbaren Szenarios nicht lange in Erinnerung. Technisch begeisterte Leser finden sicherlich mehr Inhalte, die sie begeistern können. Mir war die Handlung wichtiger und leider nicht durchgehend greifbar.  

Donnerstag, 5. November 2020

Das Tartarus Projekt von Gerd Schilddorfer

    Erscheinungsdatum: 16.09.2020     Verlag: ueberreuter     ISBN: 9783800090013     Flexibler Einband
   
304 Seiten         Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 
Eine Einladung zu einem VIP-Event verändert das bisher beschauliche Leben des Schriftstellers und Redakteurs Michael Landorff schlagartig. Nicht nur, dass er unerwartet zu einer überaus agilen und motivierten Agentin kommt, die ihn in die Bestsellerlisten katapultieren will, sondern er stolpert förmlich von einem Gefahrennest ins nächste. Sein Gastgeber wird am Festabend brutal ermordet, für den Schriftsteller die Gelegenheit, einen Aufklärungsroman zu schreiben. Was dann geschieht, übersteigt aber bei weitem seine Vorstellungskraft.

 

Gerd Schilddorfer ist mit diesem Thriller ein aktuelles Thema angegangen. Vermeintlich harmlose Drohnen in falschen Händen entpuppen sich als zukünftige Kriegsmaschinen. Kritisch, mal augenzwinkernd und immer am Puls der Zeit beschreibt der Autor ein Szenario, dass einem die Nackenhaare hochfahren lässt. Dabei wird man sofort auf die Seite der anfänglich ahnungslosen Hauptfigur gezogen. Es macht Spaß, Landorff in aberwitzigen Situationen zu begleiten. An seiner Seite ein weiterer Gast der Abendveranstaltung, die Pokerspielerin Alexandra Buschmann, die sich auch nicht erklären kann, warum sie eingeladen wurde. Als Team passen die lebendig und glaubhaft wirkenden Protagonisten sehr gut zusammen. 

Eine Verfolgungsjagd mit diversen Geheimdiensten von München nach Wien führt schließlich in ein Beinahefiasko. Geschickt werden vom Autor falsche Fährten gelegt und Puzzleteile verteilt, die erst am Ende ein Bild entstehen lassen. Trotz der rasanten Handlung nimmt sich der Autor Zeit für Details, was den besonderen Charme der Charaktere ausmacht und Lesevergnügen auslöst. 

Bei aller guten Unterhaltung, die dieser Thriller bietet, kommt man aber doch ins Grübeln. Ich habe häufig parallel zum Buch im Internet recherchiert, wollte mehr über künstliche Intelligenz, Drohnen und Metamaterial wissen. Für dieses Interessewecken des Lesers mag ich die Romane von Gerd Schilddorfer sehr. Man wird neugierig über den Tellerrand zu schauen, Dinge zu hinterfragen, die sonst als Selbverständlichkeit hingenommen werden. 

Auf das nächste Buch bin ich schon sehr gespannt.

„Da war etwas, das im Hintergrund blieb, sich versteckte, wie unter einem Tarnmäntelchen, und sich ins Fäustchen lachte. Und Landorff hatte keine Ahnung, was es war.“