Im Jahr 1933 ist Oxford, Mississippi eine Stadt voller Heuchelei und gesellschaftlicher Zwänge. Die Wirtschaftskrise zwingt die Menschen in die Knie, Rassentrennung, Prohibition und frauenfeindliche Gesetze bestimmen den Alltag. In dieser gerade für Frauen fast ausweglosen Situation kreuzen sich die Wege von Meg, Birdie und Charlie – drei Frauen, die kaum noch etwas zu verlieren haben und deshalb bereit sind, alles zu riskieren.
Die elfjährige Meg hat mir sofort gefallen. Sie lebt im Waisenhaus, seit ihre Mutter Charlie an Weihnachten spurlos verschwunden ist. Meg kämpft um ein kleines Stück Hoffnung, während sie den getarnten Schikanen der Heimleiterin Mrs. Garnett ausgesetzt ist, die nach außen Fürsorge predigt, in Wahrheit aber Grausamkeit ausübt.
Birdie Calhoun kommt vom Land nach Oxford, um ihre wohlhabende Schwester um Geld zu bitten, und gerät dabei mitten in eine Welt, auf die ihr ruhiges bisheriges Leben sie nicht vorbereitet hat. Birdie ist für mich die Heldin dieses Romans, denn trotz aller Rückschläge verliert sie ihren Mut nicht und findet selbst dann noch einen Ausweg, wenn jede Tür scheinbar direkt vor ihr zugeschlagen wird. Sie wächst im Laufe der Zeit dank ihres Wahlpruchs „Manchmal ist es besser, nachher um Verzeihung zu bitten, als vorher um Erlaubnis.“ über sich hinaus: unkonventionell, scharfzüngig und voller Tatendrang.
Megs Mutter Charlie bleibt hinter den beiden anderen Frauen eher im Hintergrund, obwohl gerade ihre Geschichte wichtig und schonungslos brutal die Welt um 1933 schildert. Was dieser armen Frau im Namen der Gerechtigkeit alles angetan wurde, ist unbeschreiblich.
Über mehr als 800 Seiten hinweg wird die Geschichte aus wechselnden Perspektiven erzählt. Meg, Birdie und Charlie gehen ganz unterschiedlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit um. Ihre Geschichten fügen sich zu einem eindringlichen Bild von Armut, Ungerechtigkeit und dem mutigen Kampf um weibliche Selbstbestimmung zusammen.
Dabei findet die Autorin für jede Figur einen eigenen Ton. Die Frauen wirken dadurch greifbar, eigenwillig und voller Leben – mit all ihren Fehlern, Widersprüchen und Schwächen. Obwohl die Handlung von schweren Themen geprägt ist, bringen Humor und Wärme immer wieder Leichtigkeit in die Geschichte, ohne das Leid der Figuren abzuschwächen.
Ganz ohne Längen bleibt die Geschichte allerdings nicht. Der mittlere Teil liefert zwar interessante Einblicke und ist sehr unterhaltsam, zog sich für mich aber etwas. Einige Dialoge waren mir zu derb, während bestimmte Details die Handlung eher ausbremsten, als sie voranzutreiben.
Gegen Ende nimmt die Geschichte dann deutlich an Fahrt auf und wirkt beinahe überstürzt. Dadurch blieben bei mir einige Fragen offen.
Ein Roman, mit einer atmosphärisch, berührenden und oft überraschend unterhaltsamen Geschichte über Frauen, die sich nicht länger mit dem Platz zufriedengeben, den die Gesellschaft mit ihrer Doppelmoral ihnen zuweist.

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