Freitag, 11. September 2026

Mio und die Unsterblichkeit von Paulus Hochgatterer


Dieses Buch ist kein sanftes Leseerlebnis, sondern ein emotionaler Angriff, der mich zwischen Zynismus,  Traurigkeit und überraschendem Humor hin- und herschleuderte. 

Im Zentrum steht der sechzehnjährige Ingemar, dessen Körper ihn durch die Spinale Muskelatrophie verrät. Sein Geist dagegen arbeitet auf Hochtouren und er blickt unverstellt und oft schonungslos auf die Welt. 
  »Wer behauptet, alle Menschen zu mögen, ist nur zu feig, sie sich genau anzuschauen. Ich glaube, ich mag auch die Dummen. Manche zumindest.«

Besonders die philosophischen Wortgefechte mit einem 94-jährigen Mann, der Ingemar wöchentlich besucht, sind fesselnd. In ihren Gesprächen wird mit Illusionen aufgeräumt und viel zum Nachdenken angeregt. 

Auch wenn mich Ingemars Perspektive berührt hat, stockte der Lesefluss an anderen Stellen. Die eingestreuten Songtexte wirkten auf mich wie Fremdkörper, die mich aus der Erzählung holten – ein Stilmittel, das mir in letzter Zeit häufiger begegnet ist. Auch die Rolle der Katze Mio konnte mich nicht überzeugen. Die fast schon übersteigerte Fürsorge für das Tier überlagert für mich die eigentlichen Bedürfnisse und Kämpfe Ingemars. Die Symbolik der sieben Katzenleben wird immer wieder erwähnt, bildet aber keine Brücke zum Kern der Geschichte.

Ich schließe das Buch mit einer gewissen Ratlosigkeit über die eigentliche Botschaft des Autors, doch die Fragen bleiben im Kopf nachhallen über Schicksal, Entscheidungen und Moral. Denn wie es im Buch heißt: 

 "Wir reden über Ewigkeit, Gerechtigkeit und Dummheit, über alles nur kurz."

Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten


Buchinformationen
Erschienen:  27.08.2026
Verlag:  Zsolnay Verlag
ISBN: 978-3-552-07645-7
Fester Umschlag
Seiten: 144


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