Dienstag, 16. Juni 2015

Makarionissi oder Die Insel der Seligen von Vea Kaiser

http://www.argon-verlag.de/2015/05/kaiser-makarionissi-oder-die-insel-der-seligen/
    Erscheinungsdatum: 21.05.2015
    Verlag: Argon 
    ISBN: 9783839813904
    Hörbuch: 8 CDs

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 

Alles beginnt in einem Dorf an der albanisch-griechischen Grenze in den 50er Jahren. Lefti, Stammhalter der Familie Zifkos scheint ohne Frau ins Leben gehen zu müssen. Es gibt einfach zu wenige in seinem Alter. Doch Yiayia Maria fädelt als begnadete Kupplerin es geschickt ein, dass kurze Zeit später Eleni, seine Cousine und damit zukünftige Frau, geboren wird. Ihre Kinderfreundschaft zerbricht und troz des zu erahnenden Fiaskos heiraten die beiden, um dann das Land während der Militärdiktatur zu verlassen. In Hildesheim findet sich Lefti schnell zurecht. Die Arbeit macht ihm Spaß, doch Eleni hadert mit der Mentalität und dem Wetter. Für beide stellen sich die Weichen neu und so verliebt sich Lefti in seine Deutschlehrerin Fräulein Haselbacher und Eleni in den Musiker Otto. Als Eleni schwanger wird, kehrt sie zur Geburt in ihr Heimatdorf zurück, verschweigt aber, dass Lefti gar nicht der Vater ist. Dieser wird daraufhin von der Familie verstoßen. Doch noch ist das Ende der Reise der beiden "Helden" nicht erreicht.

Vea Kaiser versteht es durch ihre Erzählkunst den Leser in ihren Bann zu ziehen. Wortgewaltig, aber gleichzeitig leicht und humorvoll folgt man dem Geschehen. Ungewöhnlich ist die Aufteilung der Abschnitte. Statt Kapiteln gibt es Gesänge, angelehnt an die Ilias, wie z.B. den  V. Gesang "Der davon kündet, wie der Held und die Heldin siebentausendfünfhundert Kilometer voneinander entfernt dieselbe Erfahrung machen: anzukommmen kann sehr schwierig sein."  
So wird auch immer wieder die griechische Mythologie in die Handlung einbezogen und Parallelen zu den Charakteren gezogen. Der Handlungsbogen der Familiensaga wird von den Fünfzigerjahren bis in die Gegegnwart gespannt. Der immer weiter verzweigenden Familie beim Lesen zu folgen, fällt dank eines beigefügten Stammbaumes nicht schwer.

Ich habe das Hörbuch gehört und bin vom Sprecher Burghart Klaußner begeistert. Er haucht den Figuren in ruhiger, aber nachhaltiger Weise Leben ein. Gekonnt werden bei der Vielzahl an Charakteren feine Unterschiede herausgearbeitet.

Ungewöhnlich sind die unterschiedlichen Schauplätze. Ein kleiner Ort in Griechenland, Hildesheim, St. Pölten, Chicago und letztlich die imaginäre Insel Makarionissi. Mit viel Liebe zum Detail werden die Charaktere beschrieben. Eine Familie, die auf den ersten Blick völlig gewöhnlich scheint, wird von der Autorin zu etwas besonderem gemacht. Meine Sympathie schwankte immer zwischen den Protagonisten hin und her. Man litt, freute und lachte mit ihnen und hoffte bis zum Schluss, dass jeder sein Glück finden möge.

Durch den langen Zeitraum der Geschichte werden manche Handlungen nicht zu Ende erzählt oder gleich in mehreren Jahren übersprungen. So bleibt denn auch das Schicksal der Dorfbewohner Varitsis im verborgenen. Zu gern hätte ich erfahren, wie sich das kleine Dorf im wirtschaftlich gebeutelten Griechenland hält.

Lediglich dieser Satz weist daraufhin, was wohl geschehen wird: 


"Im Grunde wartete das ganze Dorf darauf, wegzugehen. Entweder auf den eigenen Beinen oder in einem Sarg."
Ich wäre gern noch länger auf Makarionissi geblieben. Doch wie heißt es so schön: "Und sie lebten gut - aber wir leben noch besser."

Dieser Roman bietet einen ganzen Strauß voller Emotionen. Man hofft, leidet, träumt, lacht und lächelt glücklich über das Leben. Denn jedes Ende ist auch ein Neuanfang. 


Nordwest-Radio-Besprechung

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