Sonntag, 2. August 2026

Fünf, sechs, sieben, acht Roman von Ewald Arenz


Alt werden ist nichts für Anfänger 


Ich liebe tanzen, aber Stepptanz ist für mich neu  – vor allem in Romanform. Anton, sechzig, Choreograf und Tänzer, nimmt seine Ideen aus der Natur. Regen, Wind, Stadtgeräusche alles wird zum Takt eines Tanzes. Ewald Arenz ist ein Meister dieser Beschreibungen. Man fühlt, wie Anton die Geräusche in Schritte umsetzt, hört das Klackern der Schuhsohlen. 

Anton liebt seinen Beruf und um so härter trifft es ihn, als ausgerechnet seine Tochter Emma seine Stelle am Theater bekommt. Dieser Schmerz, der Stolz, die Wut – alles gleichzeitig. Und darunter das Gefühl, älter zu werden, das sich nicht mehr wegschieben lässt. Anton wirft mit Vorwürfen um sich und plötzlich stehen Vater und Tochter sich fremd gegenüber.

Eine gemeinsame Reise nach Irland soll sie wieder zusammenbringen. Doch dort, auf der Spur Antons alter Liebe, kommt es zum Bruch und auch der Handlung tut dieser Handlungsstrang nicht gut. So richtig glaubwürdig konnte mir nicht vermittelt werden, was vor Jahrzehnten zwischen Jo und Anton geschehen ist. Allein die Erkenntnis dass Loslassen nicht bedeutet, allein zu sein – sondern von Menschen die man liebt, gehalten zu werden, versöhnt dann wieder. 

Die Passagen über Antons Alter waren mir etwas zu häufig. Die Sprache selbst transportiert dieses Gefühl schon so spürbar. "Vielleicht wurden Sehnsuchtsorte, die man nicht rechtzeitig besuchte und immer in einem Winkel des Herzens aufbewahrte, wie alte Briefe mit der Zeit einfach nur grau und feucht."

In der Mitte hat mich die Geschichte kurz verloren, aber das Ende hat mich zurückgeholt und versöhnt.

Für mich sagt der Roman: Du darfst dich verändern und älter werden. Du darfst dich verlieren – und wiederfinden. 

Von mir gibt es 4 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  16.06.2026
Verlag:  DuMont Buchverlag
ISBN: 9783755800576
Fester Umschlag
Seiten: 240





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