Donnerstag, 10. August 2023
Refugium von John Ajvide Lindqvist (Band 1 der ›Stormland‹-Trilogie)
Dienstag, 30. Mai 2023
Die Schrift von Elias Haller
Mittwoch, 24. Mai 2023
Der Morgen von Marc Raabe
Die zweite Erzählebene spielt in Berlin. Man ahnt, dass die damaligen Jugendlichen in Bezug zu dieser Handlung stehen. Durch die fehlenden Namen kann man aber nur rätseln und genau das macht den Reiz der Erzählung aus. Immer mehr Protagonisten erscheinen und geben Rätsel auf. Wie ist der Bundeskanzler in den Mord verwickelt? Warum bittet er ausdrücklich darum, dass Artur Mayer den Fall übernimmt? Wer ist in der Lage, Videos aus dem Privathaushalt des Kanzlers zu veröffentlichen?
Die beiden Ermittler Art und Nele tragen einen Großteil dazu bei, dass man sich in die Handlung hineinversetzen kann. Art, als kantiger Einzelgänger mit Herz für Sozialschwache, bleibt trotz der brisanten politischen Situation seiner Geradlinigkeit treu. Man nimmt ihm seine versteckte Verletztheit ab und traut seinem Instinkt. Dies spürt auch seine neue Partnerin Nele, die als Kommissar-Anwärterin eher den Schulweg gehen möchte und sich erst nach und nach auf die unkonventionelle Art ihres Kollegen einlässt. Gemeinsam bilden sie ein außergewöhnliches, aber ermittlungsstarkes Duo.
Interessant sind auch die fein eingewobenen Spitzen auf klassisches Schubladendenken. Hier geht es ein ums andere Mal um Grauzonen, die Verbrechen aus einer anderen Sicht erscheinen lassen. Wann ist man Täter und wann Opfer. Als Sahnehäubchen werden dann noch mediale Täuschungen eingesetzt, die zeigen, dass es Ermittlern immer schwerer gemacht wird, Reales von bearbeiteten Materialien zu unterscheiden.
Am Ende war der Spannungsbogen vielleicht eine Spur zu sehr auf künstliche Dramatik ausgelegt, denn vor lauter Action wagt man kaum noch, das Hörbuch zu unterbrechen. Dennoch ist der Einstieg in die neue Serie überaus gut gelungen. Ich möchte mehr über Art und Nele lesen/hören.
Montag, 2. Januar 2023
Der Strand: Vermisst von Karen Sander
"Der ganze Fall ist so undurchsichtig. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, im Nebel herumzustochern."Die angekündigte Hochspannung des Klappentextes habe ich in diesem Band nicht entdecken können. Dies ist der erste mehrteilige Roman, den ich gelesen habe, der mit keinem eindeutigen Ende oder einer halbwegs zufriedenstellenden Zwischenlösung daherkommt. Mich lässt das Gelesene unzufrieden und nicht mit Spannung auf die Fortsetzung zurück.
Mittwoch, 28. Dezember 2022
Jemand von Elias Haller
"Niemand ist derselbe Mensch der er vorher war sobald er die Welt der Pädophilen betritt."
Natürlich hege ich keine Sympathie für einen Killer. Aber spätestens als klar wird, dass er tatsächlich eine Spur verfolgt, die das Leben des kleinen Mädchens retten könnte, wird aus dem Monster wieder ein Mensch.
Dieser Thriller geht an die Nerven, beschwört Bilder herauf, die wirklich schlimm sind und ist auch nach einigen Stunden noch sehr präsent. Man sollte sich gut überlegen, wann man diese Zeilen liest.
Mit hat diese ungewöhnliche Mischung aus Monster und Mensch sehr gefallen. Ein kleiner Punktabzug für zu viele Zwergkaninchen, die der Handlung nichts gebracht haben.
Freitag, 13. Mai 2022
18/4 - Der Hauptmann und der Mörder von Zhou Haohui
Samstag, 9. Oktober 2021
Die Verlorenen von Simon Beckett
Ein ehemals bester Freund bittet Jonah Colley um einen Gefallen. Dieser zögert nur kurz, um sich dann doch auf den Weg zu einem düsteren Lagerhaus zu machen. Dort erwartet ihn ein furchtbares Grauen, sein Freund Gavin ermordet und weitere Leichen, die offensichtlich grausam gequält worden. Doch ist dies nur der Anfang eines Martyriums, welches schon vor Jahren begann und Jonah wieder einholt.
Dienstag, 3. August 2021
Die Karte von Andreas Winkelmann
Erscheinungsdatum: 15.06.2021
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten | |
Inhalt: Eva gehört zu einer digitalen Hamburger Fitness-Community und postet ihre Laufleistungen. Nicht ahnend, dass sie durch ihre wiederkehrenden Laufstrecken einen Mörder auf sich aufmerksam macht. Anhand ihres Laufmusters ist es für den Täter ein leichtes, ihr aufzulauern und sie zu töten. Sie wird nicht das einzige Opfer bleiben und für Hauptkommissar Jens Kerner und seine Kollegin Rebecca Oswald beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. |
Gehörst Du auch zu den Fitness-Fans, die ihre Erfolge posten und teilen. Joggst Du gern in den Abendstunden und lässt den Abend so ausklingen. Dann solltest Du diesen Thriller besser nicht lesen oder gerade deswegen.
Andreas Winkelmann setzt auf Gänsehautmomente und spielt mit der Angst, die durchaus begründet ist. Was passiert eigentlich mit unseren persönlichen Daten, die wir so unbedarft im Internet streuen? Der Schreibstil ist locker und einfach gehalten. Zart besaitet darf man allerdings nicht sein, denn die Morde werden detailliert und brutal beschrieben. Mir war dies ein wenig zu viel, vor allem, weil sich die Art der Tötung wiederholte und es durchaus gereicht hätte, auf den ersten Mord zu verweisen.
Ungewöhnlich ist das Ermittlungsduo, denn Rebecca Oswald ist eigentlich nur Angestellte im Polizeidienst. Durch ihre private Beziehung zu Jens Kerner unterstützt sie ihn aber mit ihren persönlichen Empfindungen zum Fall. Obwohl dies schon der 4. Fall dieses Duos ist, lässt sich der Band auch ohne Vorkenntnisse gut lesen.
Hass ist der Antrieb dieses Thrillers, der sowohl beim Täter wie bei den Opfern eine große Rolle spielt. Dabei wird sehr klischeeartig der Mann/Frau-Konflikt wie auch das Unterverständnis für gleichgeschlechtliche Beziehungen bedient. Sicher gibt es Menschen, die immer noch an diesen Rollenbildern festhalten, aber hier wird fast bei allen Protagonisten eine Ablehnung spürbar, die ich für unglaubwürdig halte.
Der Spannungsbogen wird gleich zu Anfang sehr hoch angelegt. Man springt förmlich von einer Tat zur anderen und rätselt sehr lange, welches Motiv den Taten zugrunde liegt. Es ist spannend, den Ermittlungen bis zum letzten Drittel zu folgen. Dann flacht die Handlung allerdings ab. Es fühlt sich so an, als wenn der Autor selbst den Faden verloren hätte. Das Ende konnte mich dann auch nicht wirklich überzeugen und wirkte sehr konstruiert.
Alles in allem ein sehr spannender, aber nicht nachhallender Thriller, der durch das interessante Thema mehr Potential gehabt hätte.
Montag, 26. Dezember 2016
HELIX. Sie werden uns ersetzen von Marc Elsberg
|
| Erscheinungsdatum: 31.10.2016 Verlag: blanvalet ISBN: 9783764505646 Fester Einband: 648 Seiten Leseprobe Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten |
| "Was würden Sie tun, wenn Sie Ihrem Kind die Anlagen für den Olympiasieg mitgeben könnten? Oder, wo wir schon dabei sind, für höhere Intelligenz, bessere Gesundheit im Alter, längeres Leben?" Vor diese Entscheidung werden Helen und Greg gestellt, als sie sich für einen Besuch in "New Garden", einer geheimen Gen-Forschungseinrichtung entscheiden. Ihr Kinderwunsch ist so groß, dass all ihre Bedenken in den Hintergrund treten. Zur gleichen Zeit stirbt in München bei einem Staatsbesuch der amerikanische Außenminister und in Brasilien, Indien und Tansania werden Auffälligkeiten bei Tieren und Pflanzen entdeckt. Zufall? |
Marc Elsberg hat einen Thriller geschrieben, der nicht nur beim Lesen Gänsehaut entstehen lässt, sondern auch Ur-Ängste des Menschen anspricht. Eingeteilt in 9 Abschnitte, die jeweils einem Tag entsprechen, wird über die Zukunft der Menschheit entschieden. Trotz des sehr wissenschaftlichen Themas kann man der Handlung durch den flüssigen Schreibstil gut folgen. Die Mischung aus Sachinformationen, Spannung und Fiktion macht den Reiz des Buches aus. Ein Personenverzeichnis wäre bei der Personenanzahl und den Handlungsorten hilfreich gewesen. Man findet sich aber nach einigen Seiten auch so zurecht.
Die Beschreibung der Charaktere ist glaubhaft und lebensnah. Die Arroganz der Wissenschaftler, die mit Leben spielen und die Hoffnungslosigkeit kinderloser Paare ausnutzen, ist deutlich spürbar. Die Hilflosigkeit der Politiker und des Staatsschutzes wird gut herausgearbeitet. Am Ende bleiben die Protagonisten aber Randfiguren mit wenig Tiefe.
Schwerpunkt des Romans ist die Gentechnik mit all seinen Facetten. Die Veränderung von Pflanzen hinsichtlich Resistenz und Wachstum haben wir alle wahrgenommen und mehr oder weniger hingenommen. Der große Aufschrei ist bisher ausgeblieben. Im Roman wird auch das Gute herausgearbeitet. Hungernde Menschen in Afrika, die plötzlich genug Mais zum Leben haben. Aber es geht hier auch um Kinder, die durch Genmanipulation mit zehn Jahren schon hochintelligente Wissenschaftler oder gefährliche menschliche Waffen werden. Uns wird der Spiegel vorgehalten: Wollen wir wirklich so eine Welt?
"In den Vereinigten Staaten erlaubt die Religion des Geldes ohnehin fast alles. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die kommunikative Herausforderung vielfältig ist, aber nicht so schwer, wie Sie vielleicht gedacht haben. Die wesentlichen Debatten werden sich früher oder später um die Themen Gleichheit und Gerechtigkeit drehen.Der Thriller rüttelt auf und weckt die Neugier, auch wenn der Spannungsbogen nicht durchgängig gehalten werden konnte. Die CRISPR-Cas9-Methode ermöglicht der Wissenschaft neue Wege, die rechtlich und ethisch noch nicht berücksichtigt wurden. Wir sollten alle an diesen Entwicklungen beteiligt werden und uns nicht vor vollendete Tatsachen gestellt sehen.
Sonntag, 25. Dezember 2016
Schattenkiller von Mirko Zilahy
| Erscheinungsdatum: 09.12.2016 Verlag: Bastei Lübbe ISBN: 9783404174201 Flexibler Einband: 432 Seiten Leseprobe Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten | |
| Im ungewöhnlich düsteren und regenreichen Rom treibt ein Serienkiller im Industrieviertel sein Unwesen. Fundorte und geheimnisvolle Details, wie Schweineherzen und Ventile, wollen nicht zueinanderpassen. Commissario Mancini wird der Fall förmlich aufgezwungen, denn er scheint der einzige zu sein, der diesem Fall gewachsen ist. Eigentlich möchte dieser aber nur das Verschwinden von Doktor Carnevali aufklären und weiter in seiner Melancholie versinken. |
Mirko Zilahy hat für einen Thriller einen eher ruhigen und an manchen Stellen fast schon tiefgründigen Schreibstil gewählt. Die Szenen werden sehr detailliert und atmosphärische beschrieben, jeder Raum, jeder Fundort wird mit vielen Hinweisen angereichert. Man kann sich sehr gut an diese Orte versetzen und bekommt ein Gefühl für die Umgebung. Man merkt, wie wichtig dem Autor die Schilderungen Roms fernab der touristischen Traumziele sind.
"Unter dem rabenschwarzen Himmel, umhüllt vom Regen, wirkte das Kolosseum wie eine Falle aus Marmor und Ziegeln, ein schlummerndes Raubtier, jederzeit bereit für das nächste Blutbad. Der rote, blutdürstige Stein verlieh der elliptischen Kurve eine ebenso massive wie harmonische Form. Hier, vom Hügel aus, sah der mächtige Bau wie ein gigantisches gezahntes Maul aus, noch immer angetrieben von einstiger Wildheit."
Nebendarsteller, die plötzlich zu besonderen Momenten führen und fast schon literarisch anmuten, machen den Reiz des Romans aus. Ob es die Angst der Tatortfotografin ist oder die überraschende Anziehungskraft der kühlen Staatsanwältin, man wird von diesen Szenen gefangen genommen.
Leider gibt es aber auch einige Passagen, die viel Raum für theoretische Profilerarbeit einräumen. Wiederholungen der Tathergänge, Zusammenfassungen, die den Spannungsbogen abflachen lassen und Abhandlungen über frühere Mordserien unterbrechen den Lesefluss.
Der Mörder ist keine Überraschung, denn ein anderer Mörder, der viel grausamer und leider auch viel zu oft zuschlägt, steht am Ende im Fokus.
Für mich ein ungewöhnlicher Thriller mit viel Tiefgang, der Rom als völlig neue Kulisse nutzt und durch das Nachwort des Autors zum Nachdenken anregt.
Montag, 12. Dezember 2016
Der Nostradamus Coup von Gerd Schilddorfer
| Erscheinungsdatum: 14.10.2016 Verlag: Bastei Lübbe ISBN: 9783404174256 Flexibler Einband: 796 Seiten Leseprobe Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten | |
| Eine alte DC-3 ist John Finchs neueste Errungenschaft. Jetzt muss er nur noch vom libyschen Flughafen mitten im Nichts zusammen mit seiner Co-Pilotin Amber starten. Uneingeladen gesellt sich Khamis Al-Gaddafi mit seinem Oberst dazu und zwingt Finch ihn mitzunehmen. In der Luft gelingt Finch ein waghalsiges Manöver, indem Gaddafi verletzt und Umar getötet wird. Zurück bleibt ein geheimnisvolles Notizbuch mit verschlüsselten Texten und einem Bild von Nicolas Poussin. Gaddafi warnt Finch davor, Recherchen anzustellen, denn dies könnte sein Todesurteil sein. |
Gerd Schilddorfer gelingt es scheinbar mühelos, über die Jahrhunderte hinweg, Verknüpfungen in die Gegenwart zu finden. Der Schreibstil ist so fesselnd, informativ und spannend, dass man überrascht ist, wie schnell 800 Seiten gelesen sind. Dies ist nicht nur ein Thriller. Dieses Buch ist so gespickt mit Informationen, Geschichtsdetail, Kunstwissen, Politik und Humor, dass ein Genre gar nicht ausreicht, um das Buch zu beschreiben. Man merkt, wie jede Handlung gekonnt recherchiert und ersonnen wurde.
Gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit lieb gewonnenen Charakteren wie Major Llewellyn und Amber. Aber auch für Neuleser ist der Einstieg einfach, denn der Autor stellt seine Figuren in kurzen Umschreibungen vor. Auf seiner abenteuerlichen Schatzsuche begleiten John Finch aber auch neue Charaktere. Besonders die sympathischen Brüder aus St. Sulpice lassen den Vatikan in einem sehr jugendlichen Licht erstrahlen, auch wenn im Hintergrund immer noch ein bestimmter Kardinal die Fäden zieht.
Meisterkunstdieb Rebus ist eine neue frische Figur, die John Finch fasst die Show gestohlen hätte. Mit seinen raffinierten Coups hat er das Zeug für einen neuen Romanhelden.
Kaum das man mit dem Lesen begonnen hat, ist man schon dabei eigene Recherchen anzustellen. Das Buch ist schnell mit Markern, Zetteln und Notizen von mir ergänzt worden. Man möchte einfach immer tiefer in die Handlung eintauchen. Obwohl der Autor schon sehr detailliert Orte, Geschehnisse und Personen herausarbeitet, macht es einfach Spaß weitere Informationen zu finden.
Hat der Maler Nicolas Poussin tatsächlich Botschaften in seinen Bildern versteckt, wie sieht das Kloster Admont mit seiner wunderschönen Bibliothek heute aus, ist das Kloster Cambron tatsächlich mit Nostradamus in Verbindung zu bringen, ist das Tal in Valle Maira so malerisch und verlassen, Bingley Five Rise Locks ist sicherlich ein tolles Ausflugsziel und, und, und.
Durch die Annäherung der Handlungsstränge wird der Spannungsbogen kontinuierlich angehoben. Inzwischen ist John nicht der einzige, der das Geheimnis des Notizbuches lüften will. Vatikan, Geheimdienste und Terroristen sind ihm auf der Spur und nehmen am Wettlauf um die Entschlüsselung des Notizbuches teil.
Dieser Thriller ist ein absolutes Leseerlebnis. Die Mischung aus Fiktion und wahren geschichtlichen Begebenheiten in einer Mixtur aus Spannung und Wissen ist einfach fesselnd.
Autorenwebsite: http://www.schilddorfer.de
Freitag, 2. September 2016
Todesmärchen von Andreas Gruber
| Erscheinungsdatum: 15.08.2016 Verlag: Goldmann ISBN: 9783442483129 Flexibler Einband: 544 Seiten Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten | |
| Wenn Maarten S. Sneijder zu einem Fall in der Schweiz hinzugezogen wird, dann muss es schrecklich sein. Eine Frau, grausam getötet und mit einem Zeichen markiert, hängt von der Berner Brücke. Bevor Sneijder und Teamkollegin Nemez dem Täter auf die Spur kommen, hat dieser schon sein nächstes Opfer im Visier. Eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ist für die junge Psychologin Hannah ein interessantes neues Aufgabenfeld. Hier hofft sie auf den hochintelligenten Insassen Piet van Loon zu treffen, den einst Sneijder verhaftet hatte. |
Todesmärchen ist der dritte Band der Trilogie rund um den niederländischen Ermittler Maarten S. Sneijder. Dramatisch, temporeich und abgründig inszeniert Andreas Gruber einen Thriller, der mich von der ersten Seite bis zum Ende gefesselt hat. Für mich der beste Band der Trilogie, weil der Ermittler hier sehr persönliche Züge zeigt. Die Handlung spielt in drei unterschiedlichen Zeitebenen, die gekonnt aufeinander abgestimmt sind. Der Rückblick auf alte Fälle von Sneijder lässt kleine Puzzlesteine hervortreten, die viel Raum zum Spekulieren geben.
Die inszenierten Morde, die sich an Märchen orientieren, sind nichts für schwache Nerven und lebhafte Fantasien. Eine erschütternde Mordserie zieht sich durch die Schweiz, Deutschland und die Niederlande. Maarten S. Sneijder sollte in Topform sein, um sich diesem Monster zu stellen, doch gerade jetzt, verlassen ihn seine Kräfte. Der sonst so menschenverachtende, grantelnde Eigenbrötler zeigt plötzlich Emotionen und ist selbst Kollegin Nemez gegenüber fast schon freundlich.
Der zweite Erzählstrang in der Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ist nicht minder spannend. Hannahs Therapiestunden mit drei Häftlingen zeigen Abgründe, die man sich nicht vorstellen mag. Besonders der geheimnisvolle und Gänsehaut verursachende Piet van Loon ist so greifbar beschrieben, dass man mit diesem Menschen keine Sekunde in einem Raum allein sein möchte.
Allzu viel möchte ich gar nicht mehr verraten, denn diesen Thriller muss man erleben, denn diesmal hat Maarten S. Sneijder das Schlusswort: "Ich musste es richtig machen"
Freitag, 22. April 2016
Im Schatten der Lombardis von Berit Paton Reid
| Erscheinungsdatum: 08.10.2015 Verlag: Bastei Lübbe ISBN: 9783404172665 Flexibler Einband: 784 Seiten Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten |
Über Generationen hinweg hat die Genfer Privatbank Lombardi ihren guten Ruf aufgebaut. Durch eine gewagte Spekulation bringt Pascal Lombardi das Familienunternehmen in Gefahr. Eine Investmentbank fordert über einen Margin call 1 Milliarde Dollar zurück und der drohende Ruin scheint nicht mehr abwendbar. Ausgerechnet in dieser brisanten Situation, in der alle Beteiligten an einem Strang ziehen sollten, bricht die Familie Lombardi auseinander. Pascal verschwindet spurlos, der Geschäftsführer der Bank ist tot und das Familienoberhaupt schockiert alle mit einem jahrzehntelang gehütetem Geheimnis.
Wer die ersten Seiten erfolgreich gemeistert hat, findet sich in einer Geschichte voller Intrigen, Machtspiele, Gier und Hass wieder, dem Tradition, Pflichtbewusstsein und Familienzusammenhalt gegenüberstehen. Durch den Prolog ist der Bösewicht der Geschichte leider schon offensichtlich enttarnt. Die Zusammenhänge, warum Joel Silverstein der Familie Lombardi schaden will, wird aber erst Puzzlestein für Puzzlestein am Ende der Story gelüftet. Man sieht hinter die Kulissen der Reichen und Mächtigen. Wie funktioniert über Generationen hinweg ein Bankunternehmen, das von einer Familie geführt wird. Welche Abhängigkeiten und Verpflichtungen entstehen. Anhand der Familie Lombardi werden Höhen und Tiefen sehr deutlich. Gekonnt wird der immer stärkere asiatische Einfluss dargestellt.
"Wir denken in Generationen und nicht in Quartalen!"
Der Roman enthält alle wichtigen Eckpunkte für eine spannende Unterhaltung, über die Länge konnte aber kein Spannungsbogen gehalten werden. Mir fehlen lebendige Charaktere und Emotionen. Die Dialoge wirken wie am Reißbrett entworfen. Häufige Wiederholungen von bereits bekannten Sachverhalten sind überflüssig und beeinträchtigen den Lesegenuss.
Den angekündigten Thriller konnte ich nicht entdecken, dafür aber einen spannenden Wirtschaftskrimi mit überraschendem Geheimnis.
Samstag, 16. Januar 2016
Kalter Zorn von Ilja Albrecht
| Erscheinungsdatum: 16.11.2015 Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag ISBN: 9783734100734 Flexibler Einband: 320 Seiten Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Ein skrupelloser Serientäter schlägt im beschaulichen westfälischen Xanten zu. Opfer ist eine junge amerikanische Austauschschülerin, die äußerst brutal und zielgerichtet gefoltert wurde. Schnell wird dem Fallanalytiker Kiran Mendelsohn klar, dass auch in den USA zwei junge Mädchen Opfer dieses Täters wurden. Zusammen mit dem FBI laufen die Ermittlungen auf Hochtouren, doch ein weiterer Mord in Deutschland kann nicht verhindert werden. Der Täter muss aus der Reserve gelockt werden, bevor eine weitere Tat geschieht.
Der Fokus liegt auf den Ermittlungen. Die Vorgehensweise des Teams wird detailliert beschrieben. Der Hauptaugenmerk wird dabei auf Kiran Mendelsohn gelegt. Als Kiran wegen der laufenden Ermittlungen in die USA reisen muss, wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Hier trifft er auf ehemalige Ausbilder und Kollegen. Während seiner Ausbildung in Quantico musste er einen aus der Kontrolle geratenen Kollegen erschießen. Die Reise wird für ihn eine Art Selbstfindung als er in einem Indianerreservat an einer reinigenden Zeremonie teilnimmt. Leider war für mich dieser Teil nur schwer mit der eigentlichen Handlung zu verbinden. Die Schilderung war mir zu lang und heroisch.
"Wenn du jetzt rausgehst und handelst, dann akzeptiere, was du tust und warum du es tust. Hinterfrage nicht, fühle und verstehe."Der Thriller beleuchtet gesellschaftskritisch die vermeintlich heile Welt der erfolgreichen, schönen und sorglosen Jugend. Es werden dunkle Seiten beleuchtet und Unglaubliches hervorgebracht. Dabei bekommt man aber schnell den Eindruck, dass wirklich niemand so zu sein scheint, wie er vorgibt. Das alles in dieser neuen schönen Welt nur Lug und Trug ist.
Mich hat der Thriller bis auf die genannten Punkte überzeugen können. Die Suche nach dem Täter war bis zur letzten Seite spannend und konnte am Ende überraschen. Auf einen weiteren Fall für Kiran Mendelson darf man gespannt sein.
Autorenseite:
Sonntag, 10. Januar 2016
Racheherbst von Andreas Gruber
| | Erscheinungsdatum: 14.09.2015 Verlag: Goldmann Verlag ISBN: 9783442482412 Flexibler Einband: 512 Seiten Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten |
Die Leiche einer jungen Prostituierten wird unter einer Leipziger Brücke gefunden. Trotz ihrer grausamen Folterung scheint das LKA kein großes Interesse an der Aufklärung des Falles zu haben. Ganz anders sieht dies der im Krimaldauerdienst beschäftigte Walter Pulaski, als er die Mutter der Toten kennenlernt. Gemeinsam begeben sie sich auf private Ermittlungstour um einem offensichtlichen Serienmörder das Handwerk zu legen. Die Spur führt sie von Tschechien über Deutschland nach Österreich, wo Anwältin Evelyn Meyers als Strafverteidigerin einen selbstgefälligen Arzt wegen eines Frauenmordes vertreten soll.
Mikaela, die resolute Mutter der Leipziger Toten macht es Pulaski nicht leicht. Immer ist sie einen Schritt voraus und begibt sich dabei ständig in Lebensgefahr. Man fühlt ihre Angst und Verzweiflung um die verschwundene zweite Tochter. Sie hat nur ein Ziel, die Tochter zu retten und den Mord an Nathalie aufzuklären ohne Rücksicht auf eigene Konsequenzen.
Zwei Handlungsstränge, die sich mit der gleichen Mordserie auf unterschiedlichen Wegen nähern, steigern die Spannung bis zum dramatischen Finale. Der skrupellose Mörder mit unheimlich phosphorisierenden Skorpiontätowierungen ist faszinierend und geradezu überheblich in seiner Art. Als Leser meint man, ihn enttarnt zu haben, nur um am Ende völlig überrascht die letzten Seiten zu lesen.
Dieser Thriller fesselt, begeistert und steckt voller Überraschungen. Lediglich das allzu dramatische Ende war mir etwas zu actionreich und überladen geschildert, schmälert das Gesamterlebnis aber in keiner Weise.
Fazit: Unbedingt lesen!
hier geht es zur Autorenseite:
Donnerstag, 8. Oktober 2015
Penelopes Tod von Silke Nowak
|
| Erscheinungsdatum: 12.09.2015 ISBN: 9781517124571 Flexibler Einband: 221 Seiten Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Der gemeinsame Segeltörn von Penny und Chris Winter in der Karibik hat noch gar nicht richtig begonnen, als Chris einen Schlaganfall erleidet. Die Pflege ihres Mannes geht über Pennys Kräfte. Zusätzlich wird sie mit jahrelang verschwiegenen Geheimnissen ihres Mannes konfrontiert. Befindet sie sich tatsächlich in Lebensgefahr? Ohne Chris Hilfe muss sie sich den Gefahren stellen.
Besonders gelungen ist dies bei Penny. Von ihrer anfänglichen Hilflosigkeit und Lethargie im Kampf für die Genesung ihres Mannes im ersten Teil, ist zum Ende hin nichts mehr zu spüren. Sie wandelt sich zu einer eiskalt berechnenden Person, die über Leichen geht, um die Liebe ihres Lebens zu retten.
Dies ist auch durch einen sprachlichen Tempowechsel zu spüren. Der Spannungsbogen setzt erst ziemlich spät ein, steigert sich dann aber stark. Erst als wieder eine Kommunikation zwischen den Ehepartnern möglich ist, wird Penny das Ausmaß des Schreckens und die unausweichliche Lösung klar.
Bis auf einige unglaubwürdige Passagen, die im wahren Leben wohl so nicht stattfinden könnten, hat mich dieser Thriller positiv überrascht und abgeholt.
Am Ende der Story wird ein Interview mit den Protagonisten wiedergegben, das die Handlung noch einmal Revue passieren lässt und besonders interessant auf die Problematik von Locked-in-Patienten und deren Schwierigkeit, sich mitteilen zu können, hinweist.
Dieser Thriller ist anders: Langsam, informierend am Start und dramatisch, spannend zum Ende.
Mittwoch, 30. September 2015
Der Jungfrauenmacher von Derek Meister
| | Erscheinungsdatum: 15.06.2015 Verlag: blanvalet ISBN: 9783734100604 Flexibler Einband: 320 Seiten Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Im Nordseeküstenort Valandsiel wird nach einer Sturmflut die Leiche einer Frau angespült. Noch bevor der junge Polizeichef Knut Jansen mit den Ermittlungen richtig beginnen kann, taucht am gleichen Tag eine weitere Frauenleiche im Wasser auf. Dank der ehemaligen FBI-Profilerin Helen kann Knut erste Erfolge verzeichnen. Die Zeit drängt, denn seit 30 Jahren wird immer im Sommer ein weiteres Mädchen vermisst.
Die Charaktere wirken sehr lebendig und werden detailliert und glaubhaft geschildert. Knut Jansen hat es als junger Polizeichef in Valandsiel nicht einfach. Er hat die Nachfolge seines Vaters angetreten und eckt häufiger als ihm lieb ist, bei seinen untergebenen Kollegen an. Die ständige Präsenz seines im Ruhestand befindlichen Vaters macht es ihm auch nicht leichter. Charmant ist sein Auftreten als Dorfsheriff. Cowboystiefel und ein Sheriffstern im Wagen komplettieren seine Vorliebe für Westernhelden.
Helen Henning gerät eher unfreiwillig in die Ermittlungen. Eigentlich wollte sie sich nur um den Nachlass ihres verstorbenen Vaters kümmern. Doch als ehemalige FBI-Ermittlerin kommt sie Knut als Unterstützung gerade recht. Ihre Vergangenheit und die damit verbundenen Ängste machen es ihr aber nicht gerade einfach, sich auf den Fall einzulassen.
Beklemmend und gleichzeitig spannend sind die Einblicke in sein Handeln, die der Mörder dem Leser gewährt. Seine Opfer wählt er gezielt aus, beobachtet, taxiert und wägt genau ab. Denn nicht jedes Mädchen ist für ihn die Richtige:
"Du darfst sie nicht berühren. Du darfst sie nicht beschmutzen. Sie müssen rein bleiben.“Der Spannungsbogen wird von Anfang an hoch gehalten und nur durch kurze Passagen leicht unterbrochen. Man fiebert mit den Ermittlern um jedes gewonnene Detail. Die Lösung scheint greifbar und wird auf schreckliche Weise widerlegt. Ein hochspannendes Finale rundet den gelungen Thriller ab.
Auf den zweiten Fall von Knut und Helen darf man gespannt sein.
Weitere Informationen sind auf der Autorenseite und in einem Beitrag von Radio Bremen zu finden
Freitag, 17. Juli 2015
Engelskalt von Samuel Bjørk
| Erscheinungsdatum: 20.04.2015 Verlag: Goldmann ISBN: 9783442482252 Flexibler Einband: 544 Seiten Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten |
"Ich reise allein". Mit diesem Zettel um den Hals wird ein kleines totes Mädchen mitten im norwegischen Wald von einem Spaziergänger gefunden. Kommissar Holger Munch hat keinerlei Hinweise auf den Täter und erhofft sich durch seine Kollegin Mia Krüger Unterstützung. Ihr Spürsinn bei besonderen Fällen ist legendär. Obwohl sie eigentlich nicht arbeitsfähig ist, läßt ihr der Fall keine Ruhe und tatsächlich entdeckt sie ein winziges Detail. Wenn sie richtig liegt, wird es noch weitere Opfer geben.
Nicht ungewöhnlich für einen skandinavischen Thriller sind die Ermittler, die selbst große Probleme mit dem eigenen Leben haben. Holger Munch, nach einem Skandal aufs Abstellgleis geschoben, leitet die Ermittlungen und wird zurückgeholt, weil er eben der beste für besondere Fälle ist. Kleinen Puzzleteilen gleich nimmt man an seinem Leben teil. Als unverzichtbare Stütze fordert Munch Mia Krüger, eine junge aber selbstzerstörerisch handelnde Kollegin hinzu. Depressiv, tablettensüchtig, lebensmüde und trotzdem hellwach, wenn es um psychopathische Täter geht. Mia verfügt über eine spürbare Verbindung zu Opfern und Täter, fühlt fast schmerzlich die Grausamkeiten.
Alltagsbeschreibungen bekommen durch feine Nuancen ein ganz anderes Bild. Es wird mit den Abgründen der menschlichen Psyche gespielt. Wer Gänsehautmomente liebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Leider ist der Mittelteil ein wenig schwerfällig ausgefallen. Die Spannung kann nicht gehalten werden und der Autor verliert sich zu sehr in Beobachtungen, Analysen und Vermutungen. Kurze, einfache Sätze, die wohl der Übersetzung aus dem Norwegischen geschuldet sind, wollen an manchen Stellen nicht passen.
Zum Ende steigt der Thrill dann wieder erheblich an. Unvermutete Personen rücken in den Vordergrund und führen die Ermittler auf falsche Spuren und bringen sie in Lebensgefahr.
Dieses Thriller-Debüt greift ein heikles Thema gekonnt auf, spielt mit den Emotionen des Lesers. Lediglich die Spannung konnte nicht über die ganze Handlung gehalten werden. Auf die nächste Veröffentlichung des Autors darf man gespannt sein.
Donnerstag, 9. April 2015
Natchez Burning von Greg Iles
|
| Erscheinungsdatum: 13.02.2015 Verlag: Rütten & Loening ISBN: 9783352006814 Fester Einband: 912 Seiten Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Einigen Mitgliedern geht der Ku Klux Klan in Natchez, Mississipi nicht weit genug. Sie spalten sich ab und gründen in den 60er Jahren, die Doppeladler. Hier gelten nur ihre grausamen Regeln, an die sich jeder strikt zu halten hat. Einmal ein Doppeladler, immer ein Doppeladler. Unter dem Deckmantel ehrbarer Bürger werden furchtbare Greueltaten verübt. 35 Jahre später wird die Vergangenheit wieder lebendig. Ein unbescholtener Arzt soll seine frühere Krankenschwester ermordet haben. Verzweifelt versucht sein Sohn, der Bürgermeister von Natchez, den Fall zu klären. Doch sein Vater schweigt und alle Spuren führen zurück zu den Doppeladlern.
Der Spannungsbogen baut sich langsam auf und verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Es geht um Macht, Politik, Drogengeschäfte, Korruption, Pressefreiheit und verbotene Liebe. Der Autor verliert sich auf den 1000 Seiten dabei aber häufig in zu langen Passagen, die mehr die Gegenwartspolitik und das Rechtssystem Amerikas anprangern.
Die Charaktere wirken sehr lebendig und werden eindrucksvoll geschildert. Tom und Penn Cage sind dabei die Hauptakteure, deren vielschichtiges Vater/Sohn-Verhältnis beleuchtet wird. Die anfängliche Familienidylle bekommt durch die Aufdeckung der Vergangenheit Risse. Der Sohn hinterfragt die Ehre seines auf einem Sockel stehenden Vaters.
Erschreckend ist die Gegenwart, die mehr als deutlich macht, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit noch lange nicht gelernt hat. Was die Doppeladler anfänglich brutal und unüberlegt angefangen haben, wurde inzwischen von der nächsten Generation perfektioniert. Die Seilschaften verbinden die höchsten Ebenen und belächeln das Rechtssystem.
Ein spektakuläres hollywoodreifes Finale ist dann fast schon zu viel. Die Ereignisse überschlagen sich und wirken teilweise unglaubwürdig. Da weitere Teile geplant sind, bleiben viele Fragen offen, was nach so einer langen Handlung etwas frustierend ist.
Läßt man sich von der Länge und dem teilweise sehr amerikanischen Pathos nicht verschrecken, erlebt man einen gesellschaftskritischen Thriller mit Aktualitätswert.












