Posts mit dem Label Rónán Hession werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rónán Hession werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 9. September 2026

Panenka von Rónán Hession


Was mich an diesem Roman besonders berührt hat, ist seine stille Intensität. Die Geschichte wirkt zunächst alltäglich, entfaltet aber eine enorme emotionale Wucht. 

Ein verschossener Elfmeter beim FC Seneca vor 25 Jahren machte Joseph zum tragischen Sündenbock seiner Heimatstadt. Seither ist er nur noch ‚Panenka‘, gefangen in den Erinnerungen an einen Moment, der sein Leben für immer veränderte.

Während seine Ehe zerbricht und der Kontakt zu seiner Tochter abreißt, zieht sich Panenka immer weiter aus dem Leben zurück. Erst die Rückkehr seiner erwachsenen Tochter und sein Enkel Arthur bringt wieder Wärme in seinen Alltag. Und dann begegnet er Esther, die selbst gekonnt versteht, ihre Verletzungen zu verstecken. Zwischen den beiden entsteht vorsichtiges Vertrauen – doch Panenka trägt ein Geheimnis in sich, das ihre Nähe jederzeit zerstören könnte.

Man spürt Panenkas Einsamkeit, seine Schuld und seine Angst davor, den Menschen, die ihm wichtig sind, erneut weh zu tun. Seine Kopfschmerzen werden dabei zu einem eindringlichen Bild für all das, was er jahrelang verdrängt hat.

 „Er hatte sich geschworen, seinen geliebten Mitmenschen nie wieder wehzutun. Nun, da man ihn gerettet hatte, wollte er nicht derjenige sein, der seine Retter danach mit sich in die Tiefe zog.“

In der Kneipe von Vincent findet Panenka einen Zufluchtsort, der so unscheinbar ist wie das Leben selbst. Doch unter der Oberfläche des Alltäglichen schwingen viele ungesagte Worte und leise Schmerzen mit. Die Stammgäste tragen ihre eigenen Masken, aus Angst, ihre Zerbrechlichkeit zu zeigen und sich wirklich verletzlich zu machen.

Ich habe mit Panenka gelitten, gehofft und mich über jeden kleinen Moment gefreut, in dem er wieder ein Stück ins Leben zurückfindet. Besonders die spürbar warme Nähe zu seinem Enkel und die leise, sehr feine Freundschaft zu Esther haben mich sehr berührt. Dieser Roman macht traurig, aber er erinnert auch daran, dass selbst in den dunkelsten Tagen noch Licht zu finden ist – wenn man den Mut hat, sich wieder zu öffnen.

Eine leise, menschliche und sehr persönliche Geschichte über Schuld, Vergebung, Familie und die kostbaren Augenblicke, die man nicht auf später verschieben sollte.

Drei Gründe, warum du das Buch lesen solltest:

📌 weil es zeigt, wie ein einziger Moment ein ganzes Leben prägen kann

📌 weil Panenkas Entwicklung emotional und glaubwürdig erzählt wird

📌 weil der Roman selbst schwere Zeiten mit Hoffnung und Wärme füllt


Von mir gibt es 5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen: 10.06.2026
Verlag:  Verlag
ISBN: 978-3-89667-763-1
Fester Umschlag
Seiten: 240



Freitag, 31. März 2023

Leonard und Paul von Rónán Hession


Wer diesen Roman zur Hand nimmt, wird vergessen, dass es eine Handlung gibt. Man fühlt diesen Roman auf eine sehr intensive und ruhige Weise. Leonard und Paul zeigen die warmherzigen menschlichen Seiten auf, ohne sich dessen bewusst zu sein. 


Rónán Hession hat einen unvergleichlich feinfühligen, umarmenden Schreibstil.  Schon nach den ersten Seiten fühlt man sich wohl und merkt nicht, wie die Zeit beim Lesen vergeht. Es ist wie das Eintauchen in ein warmes Badewannenbad. 

Paul wirkt anfangs unselbstständig, phlegmatisch und abhängig von seinen Eltern und seiner Schwester, denn mehr als dreimal im Monat arbeitet er nicht. Seine Tätigkeit als Aushilfspostbote reicht ihm völlig aus. Seine Schwester Grace, die fürchtet, ihr Leben lang für Paul da sein zu müssen, möchte ihn wachrütteln und ins Leben stupsen. "Er gondelt munter in seinem kleinen Lebenskarussell herum." 

Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass dieser Mann unerschütterlich in sich selbst ruht und mit den kleinen Dingen des Lebens zufrieden ist. Sein Schweigen wirkt nicht provozierend, sondern angenehm. Er strahlt etwas aus, was seine Mitmenschen entspannt.  

"Sein Motto lautet: Das Malheur ist bereits passiert, jetzt geht's ums Aufräumen. Das Hier und Jetzt, das ist ihm wichtig."

Leonard  hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der schüchterne Mann schreibt als Ghostwriter Kinderenzyklopädien und hat so wunderschöne Dinge im Kopf, die unbedingt in ein Kinderlexikon der besonderen Art fließen müssen. Als er Shelly kennenlernt, kann er endlich seinen Fantasien freien Lauf lassen. Sie tut ihm gut und er bemerkt erst ab diesem Moment, wie wundervoll das Leben sein kann. 

"Jetzt schloss er die Augen und schwamm dieser Erinnerung innerlich entgegen, nicht an die Bücher selbst, sondern an das Gefühl, das er beim Lesen gespürt hatte. Dort in seiner Melancholie vergraben, brannte das ursprüngliche Feuer, an dem sich seine Fantasie vor all diesen Jahren entzündet hatte."

Die zarte Verbindung zwischen Leonard und Shelly wird so warmherzig und glaubwürdig beschrieben. Hier spürt man, dass einem meistens die eigenen Ängste im Weg stehen, um sich mutig seinen Gefühlen zu stellen. 

Die Protagonisten strahlen so viel unaufdringliche Liebenswürdigkeit aus und zeigen, worauf es im Leben wirklich ankommt: Die Freundschaft zwischen Leonard und Paul, die ohne große Worte auskommt und eine verlässliche Konstante in ihrem Leben bildet. Der herzliche Umgang in Pauls Familie, in der jeder so sein darf, wie er nun einmal ist.

Dieser Roman tut einfach gut. Ein Seelenwärmer, den man gar nicht mehr aus der Hand legen mag.


Von mir gibt es 5* von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen: 20.03.2023
Verlag:  Woywod & Meurer
ISBN: 9783000737565
Fester Umschlag
Seiten: 320