Freitag, 6. März 2015

... und eine Tasse Tee von Anna Marie Lievert

http://www.amazon.de/eine-Tasse-Anna-Marie-Lievert/dp/3000481494
Erscheinungsdatum: 30.11.2014
Verlag: Doris Hallerbach 
ISBN: 978-3000481499
Flexibler Einband: 320 Seiten

Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 

Anna Lindberger scheint am Ziel ihrer Träume angelangt zu sein. Sie kann eine Blitzkarriere im Management vorweisen, hat einen attraktiven und erfolgreichen Freund, der sich ein Kind mit ihr wünscht. Doch ihre persönlichen Wünsche verdrängt sie. Endlich einmal die geliebte Oma in die Arme schließen, sich mit dem eigenen Leben auseinandersetzen, dazu fehlt einfach die Zeit. Ein einschneidendes Erlebnis führt dazu, dass sie die Reißleine zieht und sich selbst eine Auszeit verordnet.

Anna Marie Lievert hat ein charmantes Buch über den Alltagswahnsinn geschrieben. Gekonnt zeigt sie anhand der Protagonistin Anna Lindberger, wie schnell man sich beim Höher, Schneller, Reicherwerden, selbst ein Bein stellen kann. So gelingt es Anna im Berufsleben problemlos ihre Ziele abzustecken und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Doch wenn es um ihr Privatleben geht, werden persönliche Bedürfnisse zurückstellt und unangenehme Fragen verdrängt.

Betroffen verfolgt man, wie sie es nicht einmal schafft, rechtzeitig zu der Beerdigung ihrer geliebten Oma anzureisen, weil wieder einmal berufliche Prioritäten Vorrang haben. Doch ihre heile Welt bekommt dadurch Risse und der Spagat zwischen Karriere und persönlichen Wohlbefinden wird immer größer.

Eine 40tägige Auszeit in einem abgelegenen Gulfshof in Ostfriesland ohne Strom, Wasser und Heizung verwandelt die Businessfrau in eine sympathische, lebensfrohe Frau, die ihr Leben wieder in den Griff bekommt.

Die geschilderten ostfriesischen Landschaftsbilder, das ruhige, aber gesellige Dorfleben und die netten, sympathischen Protagonisten machen Lust, so eine Auszeit einmal selbst auszuprobieren. Der vielgerühmte Ostfriesentee wird seiner Rolle in dieser Geschichte gerecht. Hier geht es nicht darum, schnell eine heiße Tasse Tee zu trinken, sondern sich bewusst einen Moment Zeit für sich zu gönnen. Das Teetrinken wird hier noch zelebriert und eine Einladung zum Tee sollte man auf keinen Fall ausschlagen.

So leicht und flüssig dieser Roman daher kommt, enthält er doch eine klare Botschaft.

Donnerstag, 5. März 2015

Die Söhne der Wölfin von Tanja Kinkel

http://www.dotbooks.de/e-book/280267/die-soehne-der-woelfin#reviews
Erscheinungsdatum: November 2014
Verlag: dotbooks 
ISBN: 978-3-95520-839-4
ebook: 591 Seiten

Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten 

Ilian, die Tochter des etruskischen Königs Numitor, wächst in Italien des 7. Jahrhunderts vor Christi Geburt auf. Von ihrem Onkel Arnth wird sie zur Priesterin bestimmt, um die Fortführung der Blutlinie zu verhindern. Als sie behauptet, von einem Gott geschwängert worden zu sein, wird sie vom Volk verstossen und in die Verbannung geschickt. Bei den Latinern bringt sie ihre Zwillinge Romulus und Remus zur Welt. Ihr von den Göttern bestimmtes Ziel, einen ihrer Söhne auf dem Thron zu sehen, verfolgt sie bedingungslos über Jahre hinweg. Lediglich der Barde Ulsna kennt ihre Schwächen und darf sie begleiten.

Tanja Kinkel hat sich mit der Umsetzung der römischen Mythologie, um die Gründer der Stadt Rom, ein hohes Ziel gesetzt. Der hervorragende Schreibstil mildert die schwere der geschichtlichen Daten. Die gut recherchierten Hintergrundinformatioenn sind für das Handlungsverständnis unverzichtbar. Trotzdem ist es der Autorin nicht gelungen mich durchgend zu fesseln.

Zum einen trifft man auf eine Hauptakteurin, die durch ihre Charaktereigenschaften eher unsympathisch und abweisend wirkt. Ilian bleibt bis zum Schluss undurchschaubar. Eine Figur, die ihre echten Gefühle nicht preisgibt und deren Entscheidungen vermeintlich von den Göttern gesteuert sind.
Zum anderen ist für mich der Götterkult der verschiedenen Völker sehr verwirrend gewesen. Das mag an meiner Unwissenheit zu diesem Thema liegen, aber auch an der Schnelligkeit, in der man zwischen Latinern, Griechen, Etruskern und Ägyptern wechselt.

Ulsna, der Barde leidet als Hermaphrodit. Auch dieser Protagonist ist sehr diffizil einzustufen. Von den Etruskern verfolgt, den Griechen geduldet und den Ägyptern bewundert, führt er ein Leben voller Angst und Zweifel. Obwohl Ilian ihn mehr benutzt als ihn als Freund ansieht, bleibt er an ihrer Seite.

So sehr man sich auch bemüht, man bekommt die Personen dieser Geschichte nicht zu fassen. Romulus und Remus, mit denen kann man etwas anfangen. Weit gefehlt. Von ihrer Mutter verlassen und bei einem latinischen Bauern aufgewachsen, gerät ihre Welt ins Wanken, als Ilian plötzlich wieder auftaucht. Verbissen und hoffnungslos kämpfen beide auf unterschiedliche Weise um die Anerkennung der Mutter, um sich am Ende aneinander aufzureiben.

Eine schicksalhafte dramatische Geschichte, mit charakterstarken Akteuren, die mich leider nicht begeistern konnte.

Fans von antiken Geschichten und Mythologien werden sicherlich mehr Gefallen finden.

Montag, 2. März 2015

Helene geht baden von Isabella Archan

http://www.conte-verlag.de/conte-krimi/archan-helene-geht-baden
Erscheinungsdatum : 01.09.2014
Verlag: CONTE-VERLAG 
ISBN:9783956020285
Flexibler Einband: 300 Seiten

Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 

Was als gemütlicher Abend mit Pizza und Wannenbad ausklingen sollte, endet für Helene als Martyrium. Dank des einsamen Rentners Fritz, der die Tat aus der gegenüberliegenden Wohnung aus beobachtet, wird Helene gerettet. Überlebt und doch nicht am Leben, meint Helene überall den Täter zu sehen. Die Polizistin Willa Stark, kann Helene auch nicht helfen. Der Täter bleibt trotz eindeutiger DNA-Spuren unauffindbar. Die Zeit arbeitet für den Täter und zermürbt Opfer wie Ermittler gleichermaßen, bis eine weitere Spur auftaucht.

Isabella Archan hat mit ihrem Debüt einen ungewöhnlichen Krimi geschrieben. Im Vordergrund stehen die Opfer und Willa als Ermittlerin. Eindringliche, leise Töne lassen den Leser einen Blick in die Psyche der geschundenen Frauen werfen. Das erschreckende daran ist die Alltäglichkeit. Helene könnte eine Nachbarin sein. Fritz, der einsame Renter, der Mann von Gegenüber. Die Autorin bedient sich einiger Stilmittel, die für mich gewöhnungsbedürftig und nur schwer vorstellbar waren. So trennt sich der Verstand/Geist der Opfer vom geschundenen Körper. Muss man aus seinem Körper fliehen, um zu überleben?

Man erlebt die gebrochene Helene wie sie mit dem Danach versucht zurecht zu kommen. Sie verbindet Realität und Fiktion, indem sie Buchgestalten aus "Die Nebel von Avalon" in ihren Alltag einbindet. So ist der Täter für sie Mordred und die Kommissarin wird zur Priesterin. In ihrer Badewanne findet sie Zuflucht und Abstand zum Alltag. Halt sucht sie bei Fritz, der die Tat beobachtete und ihr das Leben gerettet hat. Doch auch er zerbricht an dem Geschehenen, macht sich Vorwürfe und fühlt sich verantwortlich. Immer deutlicher stellt sich die Frage, wie man nach so einem Schicksalsschlag weiterleben kann.

Die Ermittlerin Willa Stark, hinzugezogene Kriminalistin aus Graz, ist bei der Ermittlung unter Druck. Ihr Aufenthalt in Köln ist nur eine Abordnung und von ihr werden Ergebnisse erwartet. Allein die ersten Sätze zu ihrer Person zeigen, dass man es nicht mit einer typischen Kommissarin zu tun hat.

     
Zitat: "Sie sitzt im Wagen und knabbert an ihren Nägeln. Einer nach dem
      anderen ist dran. Es knackt und sie versucht die abgebissenen Stücke
      aufzufangen."


Sie ist mehr Mädchen als eine taffe Kommissarin. Hinzu kommt, dass sie mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat und schnell an ihre Grenzen stößt.

Unbegreiflich und dramatisch steigert sich die Handlung auf den letzten Seiten.

Man muss sich auf diesen Krimi einlassen, um das Besondere entdecken zu können.

Samstag, 28. Februar 2015

Zapotek und die schlafenden Hunde von Claudia Rusch

http://www.mare.de/index.php?article_id=4084&setCookie=1
Erscheinungsdatum : 10.02.2015
Verlag: mareverlag 
ISBN: 9783866482074
Flexibler Einband: 316 Seiten

Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten
Kriminalhauptkommissar Zapotek bekommt von Gitti, einer alten Bekannten aus einem Ermittlungsfall, Besuch. Völlig aufgelöst bittet sie ihn, ihr bei einer Lösegeldforderung in Höhe von einer Million Euro zu helfen. Entführt wurde einer ihrer geliebten Königspudel. Wegen der hohen Geldsumme ist klar, dass die Täter wissen, dass Gitti genug Geld zur Verfügung steht. Aber genau deshalb kann Zapotek nicht offiziell ermitteln, da er selbst in den früheren Fall verwickelt ist. Als Gitti verschwindet und in Zapoteks Heimatort Klokenzin ein Mann brutal ermordet wird, muss er sich entscheiden, ob seine privaten Ermittlungen noch zum Ziel führen.
 

Claudia Rusch hat für einen Kriminalroman einen ungewöhnlichen Schreibstil gewählt. Sie verwendet viel Zeit, um die einzelnen Protagonisten darzustellen. Der eigentliche Handlungsstrang verschwindet dabei schon einmal in den Hintergrund. Der 1. Fall für Zapotek spielt eine große Rolle. Es gibt immer wieder Andeutungen, welcher Fall ihn und Gitti verbindet. Manchmal war ich versucht, das Buch erst einmal zur Seite zu legen und den 1. Teil zu lesen. Im Nachhinein war dies aber nicht nötig.

Laut der Zeitschrift Brigitte soll Zapotek "Ein Kommissar zum Verlieben" sein. Zapotek ist interessant, mit Ecken und Kanten, ein wenig schusselig, aber verlieben kann ich mich nicht in ihn. Er ist zu sehr mit sich beschäftigt, hat Angst vor einer Beziehung und seiner Vergangenheit, warum, kann man nicht einmal erahnen. Kleine Hinweise wären für den Leser hilfreich.


Zitat: "Zapotek hatte dafür Verständnis.
Im Verdrängen macht ihm keiner was vor.".

Die ungewöhnliche Romanze zwischen Gitti und Hansen ist ein liebenswertes Nebenelement, das zeigt, dass man für die Liebe nie zu alt ist.
Heimlicher Held des Romans ist aber Jasmund, ein Rentner im Ostseedorf Klokenzin. Mit seiner ruhigen, gemütlichen Art, dem Dialekt und seiner Weitsicht hat er mir sehr gefallen.

Erst im letzten Drittel des Romans nimmt die Handlung Fahrt auf. Dabei entstehen Situationen, die wenig glaubwürdig sind. Vermeintliche Täter und Opfern verbrüdern sich, schließen sich sogar zur "Hansenbande" zusammen. Das Tempo will nicht zum Anfang der Geschichte passen. Zu rund und nett ist dann auch das Ende, das auf den nächsten Band von Zapotek vorbereitet.

Wer einen leichten Roman mit wenig Krimianteil sucht, wird hier sicherlich gut unterhalten werden.

Mittwoch, 25. Februar 2015

City Crime - Puppentanz in Prag von Andreas Schlüter

http://tulipan-verlag.de/44/978-3-86429-219-4/city-crime-puppentanz-in-prag.htm

Erscheinungsdatum : 26.01.2015
Verlag: Tulipan 
ISBN: 9783864292194
Fester Einband: 192 Seiten

Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 


Joanna hat für ihre Lieblingsband Konzertkarten gewonnen. Sie ist völlig aus dem Häuschen, denn das Konzert ist in Prag. Zusammen mit ihren Eltern fahren Joanna und ihr Bruder in die Goldene Stadt. Der Familienausflug auf der Karlsbrücke endet für die Mutter mit einem verknacksten Fuß. Doch für die Kinder fängt eine Verfolgungsjagd durch die Altstadt an. Wer hat ihre Konzertkarten gestohlen und was hat das alles mit einer verlorenen Wassermann-Marionette zu tun?
 
Im Buch ist ein Stadtplan mit den wichtigsten Handlungsorten vorhanden, der bei der Orientierung hilfreich ist. Am Ende gibt es für wissbegierige Leser sogar einige tschechische Vokabeln, die für das Verständnis der Handlung aber nicht zwingend erforderlich sind. Einige Illustrationen verdeutlichen das Geschehene. Das empfohlene Lesealter liegt bei 10 - 12 Jahren. Wenige Szenen sind doch schon gefährlich geschildert, man sollte abwägen, ob das eigene Kind diese Inhalte schon versteht.

Andreas Schlüter  versteht mit seinem Schreibstil die jungen Leser zu fesseln. Besonders hat mir die Schilderung der Stadt gefallen. Den Lesern werden ganz nebenbei Geschichtsdaten und Stadtinformationen vermittelt. Das wuselige Getummel auf der Karlsbrücke läßt ahnen, wieviele Menschen sich tagtäglich diese Sehenswürdigkeit ansehen.

Das Geschwisterpaar Joanna und Finn streitet sich gern, aber wenn es darauf ankommt, halten die beiden fest zusammen. In Prag geraten die beiden in brenzlige Situationen, schummeln sich an ihren Eltern vorbei in die nächtliche Großstadt und erleben zusammen mit zwei jungen Puppenspielern ein gefährliches Abenteuer. Joanna handelt oft spontan und unüberlegt, ihr jüngerer Bruder muss sie dann bremsen.
Sehr sympathisch ist ein alter Puppentheater-Besitzer, der durch seine geheimnisvolle, aber freundliche Art die Kinder in seinen Bann zieht. Schade, dass über das Puppentheater nicht mehr berichtet wurde. Man ist richtig neugierig auf die Puppen und die Theatertücke geworden.

Manchmal fragt man sich allerdings, ob die Kinder nicht besser Erwachsene eingeweiht hätten. Sie kommen im wahrsten Sinne des Wortes mit einem blauen Auge davon.

Wir werden auf jeden Fall noch den 1. Teil aus der City Crime - Reihe lesen.

Kindermeinung:
Mir hat das Abenteuer in Prag sehr gefallen. Vojta wollte etwas Gutes für seinen Opa tun, hat damit aber alles nur schlimmer gemacht. Nicht gefallen hat mir, dass Joanna ins Gesicht geschlagen wurde und die Geschwister ihren Eltern nicht Bescheid gesagt haben.