Freitag, 16. September 2016

[Aktion] Krimifest Hannover - Freitag, den 16. September 2016

http://www.krimifest-hannover.de/

Freitag, den 16. September 2016


Hannover: Arne Dahl »Sieben minus eins«

 

Beginn: 20:00 Uhr, VeranstaltungsortAlte Polizeikantine, Waterloostraße 11, 30169 Hannover

Achtung: Diese Veranstaltung ist bereits AUSVERKAUFT!

AHHH - Ich wäre so gern dabei gewesen!  Wer ist denn von Euch dabei?

 

Donnerstag, 15. September 2016

Thabo: Detektiv und Gentleman - Die Krokodil-Spur von Kirsten Boie


www.oetinger.de/thabo

    Erscheinungsdatum: 22.08.2016
    Verlag: Oetinger
    ISBN: 9783789103957
    Fester Einband: 288 Seiten

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 
Eigentlich wollte Thabo bei einer Tasse Tee Miss Agatha zu einem Besuch des großen Fußballspiels überreden. Doch sein bester Freund Sifiso benötigt dringend Hilfe. Dessen große Schwester Delighty ist spurlos verschwunden. Genau der richtige Fall für einen angehenden Detektiv und natürlich Ehrensache dem besten Freund zu helfen. Auf die Hilfe der Polizei wollen sie nicht warten, denn es gibt Hinweise, das bereits mehrere Kinder verschwunden sind. Sollte wirklich der Heiler Sandile etwas damit zu tun haben, sie müssen ihn unbedingt finden.

Kirsten Boie ist auch mit dem zweiten Buch aus der Thabo-Reihe ein besonderes Familienbuch gelungen. Man merkt, wie wichtig der Autorin das Thema ist. Handlungsort ist das kleine fiktive Dorf Hlatikulu in Afrika. In einem der ärmsten Länder, mit einer unvorstellbar hohen Anzahl an Waisen, in Swasiland. Doch anstatt mit düsteren Farben das Schicksal der Kinder zu erzählen, zeichnet die Autorin ein buntes, lebendiges Bild ohne die Dinge zu beschönigen. Die Mischung aus lehrreichen Informationen über Land und Leute, spannender Handlung und Humor ist gelungen. Das empfohlene Lesealter liegt bei 10 Jahren. Eine Karte zu Beginn zeigt, an welchen Orten die Handlung spielt und am Ende des Buches findet sich ein ausführliches Glossar mit afrikanischen Begriffen, die innerhalb der Geschichte verwendet werden.

Thabo, der Erzähler, der sein eigentliches Alter nicht verraten möchte, besticht durch seine charmante Art die Dinge zu betrachten. Er vermittelt den Lesern durch direkte, höfliche Ansprache (er ist schließlich angehender Gentleman), was es bedeutet, in Afrika zu leben. Man sieht förmlich die lauernden Krokodile, die in der Dunkelheit auf unachtsame Menschen warten und fühlt die unerträgliche Hitze am Mittag, die nur Touristen vor die Tür lockt. Auch schwierige Themen werden sehr kindgerecht und undramatisch eingebunden. Aufmerksame Kinder werden dazu angeregt, Dinge zu hinterfragen und mit ihren Eltern darüber zu sprechen.

Die Charaktere werden sehr liebevoll ausgearbeitet. Kleine Details lassen sie so sympathisch und echt wirken. Reverend Hlophe, der nur dank seiner Schutzengel so schnell wie ein Rennfahrer unterwegs sein kann. Inspectur Gwebu, der durch seine vielen Verwandten eigentlich immer irgendwo auf einer Feier Tjwala trinkt. Onkel Vesu, der zwar langsam denkt, aber ein großes Herz hat oder Emma, die eigentlich für ein englisches Mädchen, viel zu unhöflich ist. Besonders Sifisos kleine Schwester Lemonade, die selbst Inspector Gwebu um den Finger wickelt, hat uns sehr gefallen.

Es macht einfach Spaß Thabo und seine Freunde bei ihrem Abenteuer zu begleiten. Gekonnt werden falsche Spuren gelegt und man ist ständig am Rätseln, wo denn nun die verschwundenen Kinder stecken und wer damit zu tun hat. Gut, dass Thabo zusammen mit Miss Agatha so viele Miss Marple Filme gesehen hat und eine gute Kombinationsgabe besitzt.


Wir können es gar nicht abwarten, bis der nächste Fall für Thabo erscheint.

Montag, 5. September 2016

Sally Jones - Mord ohne Leiche von Jakob Wegelius


https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836958745


    Erscheinungsdatum: 27.06.2016
    Verlag: Gerstenberg Verlag
    ISBN: 9783836958745
    Fester Einband: 624 Seiten

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 
Maschinistin Sally Jones reist zusammen mit ihrem Chef und Freund Henry Koskela um 1900 auf einem kleinen Frachtschiff über die Meere. Hier fühlen sich beide frei und genießen ihre Arbeit. Doch im Hafen von Lissabon wird Koskela verhaftet und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er einen Mann getötet haben soll. Gorilladame Sally Jones flieht und muss um ihr eigenes Leben fürchten, doch die Angst um ihren Freund ist größer. Sie begibt sich auf eine ungewisse Reise, um die Unschuld Koskelas zu beweisen.


Jakob Wegelius hat mit Sally Jones endlich wieder eine Abenteuerfigur geschaffen, die sich mit Klassikern messen kann. Ein Hauch von Huckleberry Finn, eine Spur von Sherlock Holmes und die Abenteuerlust von Jim Hawkins scheint für Sally Jones Pate gestanden zu haben. Dabei handelt es sich bei Sally Jones um keinen Menschen, sondern um eine liebevolle Gorilladame, die zwar lesen und schreiben kann und die Menschen versteht, aber natürlich nicht sprechen kann. Sie ist die Erzählerin dieser spannenden Geschichte.

Die passend zum Zeitalter um 1900 gezeichneten nostalgischen Illustrationen des Autors lassen nicht nur die jugendlichen Leser in eine andere Zeit reisen. Besonders schön die einleitenden Portraits der handelnden Personen und Sallys Reiseroute auf einer Karte. Der Verlag empfiehlt ein Lesealter von 9 Jahren. Mein Sohn (12 Jahre alt) meint aber, dass die Handlung vielleicht eher ab 11 Jahre geeignet ist, da einige Fremdwörter, z. B. Anarchie, auftauchen, die für jüngere Leser schwierig sein könnten.

In Lissabon ist Sally Jones plötzlich auf sich allein gestellt. Die Menschen begegnen ihr mit Hass und verfolgen sie. Verängstigt und hungrig sieht es aussichtslos für die Gorilladame aus, bis die freundliche unvoreingenommene Ana Molina Sally aufnimmt. Melancholisch, wie die Fados, die sie singt, ist die Stimmung. Die Schilderung der Stadt und deren Einwohner ist so anschaulich beschrieben, dass man sich gut in die Zeit zurückversetzen kann. Es gibt wenig Hoffnung Koskela aus dem Gefängnis zu holen. Erst ein freundlicher Friedhofswärter bringt Sally auf die Spur des vermeintlichen Mordopfers.
Wie in Tausend und einer Nacht fühlt man sich bei den Beschreibungen des Palastes des Maharadschas von Bhapur, in dem Sally schließlich landet. Und trotz allem Prunk stehen Neid und Missgunst hier im Vordergrund.

Sally Jones muss erkennen, dass man nicht jedem freundlichen Gesicht trauen kann und dass verschlossene Menschen ein großes Herz besitzen können. So lernt man durch einen feinfühligen Gorilla die Menschen zu durchschauen. Beispiellos, wie Sally ihrem Freund Henry die Treue hält und auch die härtesten Prüfungen übersteht, um ihm zu helfen. Ihre Emotionen werden so bildlich transportiert, dass man ihren Schmerz und die Einsamkeit förmlich spüren kann.

Wir haben die warmherzige Gorilladame in unser Herz geschlossen und hoffen, dass es ein Wiederlesen geben wird.
 


Sonntag, 4. September 2016

Septembermeer von Gabriela Jaskulla





    Erscheinungsdatum: 03.06.2016
    Verlag: Insel Verlag
    ISBN: 9783458361503
    Flexibler Einband: 458 Seiten

    Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten 
Eine Buchhandlung auf einer Ostseeinsel soll für Svea und ihren Mann David ein Neuanfang sein. Doch schon die Fahrt mit dem Segelboot dorthin bleibt nicht ohne Folgen. Von den Einheimischen nicht gerade begeistert aufgenommen, fällt der Start schwer und schnell zeigen sich erste Brüche in ihrer Beziehung. Die Insel hat ihren eigenen Rhythmus, an den sich alle mehr oder weniger angepasst haben.


Gabriela Jaskulla hat eine Hommage ans Meer, an eine Insel, an die Abgeschiedenheit geschrieben. Von dem Klappentext sollte man sich nicht in die Irre führen lassen, denn dieser wird diesem poetisch leisem Schreibstil nicht gerecht.


"Die Nacht kam in Fetzen auf der Insel an, als hätte einem, der sie malte, die Farbe nicht gereicht."
Man findet sich auf einer fiktiven Insel wieder, die jeder Leser sich durch die eindrucksvoll emotionalen Beschreibungen selbst erschaffen kann. 
"Stiftsdorf, ein feiner Faden, der sich vom Dornbusch bis hinab auf den Inselgrund abspult, ein Dorf, das sich anschmiegt, das der Wellenbewegung der Insel folgt, das nachgibt, das die Zeiten mitmacht, das aber dennoch Beharren kennt und letztlich sogar: ein Bleiben. Das einzige Dorf der Insel, dem man Geschichte ansieht, und doch bleibt es schwerelos und hell, auch im Traum."
Mit der Handlung habe ich mich ein wenig schwergetan. Protagonistin Svea blieb für mich farblos, unsympathisch. Ihr Verhalten war schwer nachvollziehbar. Leichter fiel es mir David zu begleiten, der auf der Suche nach Fotomotiven langsam die Insel und deren Einwohner verstehen lernt.

Für mich ging es auch weniger um die Handlung als um die Charaktere. Die vermeintliche Idylle trügt, denn hier hat jeder seine Probleme und Geheimnisse. Besonders geheimnisvoll erscheint der Rabenmann, der immer wieder auftaucht und den doch keiner kennt.

Mein Favorit ist aber Madsen, der ruhige Hausmeister, der sich leise immer weiter in den Vordergrund bringt. Er scheint mehr als alle anderen für den Charakter der Insel zu stehen.

Am Ende ist es wieder das Wetter, das einen Wechsel herbeiführt. Ein Wintersturm mit einem Gewitter, dass alle Insulaner durchschüttelt, aufrüttelt.
 



 

Freitag, 2. September 2016

Todesmärchen von Andreas Gruber




    Erscheinungsdatum: 15.08.2016
    Verlag: Goldmann
    ISBN: 9783442483129
    Flexibler Einband: 544 Seiten

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 
Wenn Maarten S. Sneijder zu einem Fall in der Schweiz hinzugezogen wird, dann muss es schrecklich sein. Eine Frau, grausam getötet und mit einem Zeichen markiert, hängt von der Berner Brücke. Bevor Sneijder und Teamkollegin Nemez dem Täter auf die Spur kommen, hat dieser schon sein nächstes Opfer im Visier. Eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ist für die junge Psychologin Hannah ein interessantes neues Aufgabenfeld. Hier hofft sie auf den hochintelligenten Insassen Piet van Loon zu treffen, den einst Sneijder verhaftet hatte.

Todesmärchen ist der dritte Band der Trilogie rund um den niederländischen Ermittler Maarten S. Sneijder. Dramatisch, temporeich und abgründig inszeniert Andreas Gruber einen Thriller, der mich von der ersten Seite bis zum Ende gefesselt hat. Für mich der beste Band der Trilogie, weil der Ermittler hier sehr persönliche Züge zeigt. Die Handlung spielt in drei unterschiedlichen Zeitebenen, die gekonnt aufeinander abgestimmt sind. Der Rückblick auf alte Fälle von Sneijder lässt kleine Puzzlesteine hervortreten, die viel Raum zum Spekulieren geben.

Die inszenierten Morde, die sich an Märchen orientieren, sind nichts für schwache Nerven und lebhafte Fantasien. Eine erschütternde Mordserie zieht sich durch die Schweiz, Deutschland und die Niederlande. Maarten S. Sneijder sollte in Topform sein, um sich diesem Monster zu stellen, doch gerade jetzt, verlassen ihn seine Kräfte. Der sonst so menschenverachtende, grantelnde Eigenbrötler zeigt plötzlich Emotionen und ist selbst Kollegin Nemez gegenüber fast schon freundlich.

Der zweite Erzählstrang in der Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ist nicht minder spannend. Hannahs Therapiestunden mit drei Häftlingen zeigen Abgründe, die man sich nicht vorstellen mag. Besonders der geheimnisvolle und Gänsehaut verursachende Piet van Loon ist so greifbar beschrieben, dass man mit diesem Menschen keine Sekunde in einem Raum allein sein möchte.

Allzu viel möchte ich gar nicht mehr verraten, denn diesen Thriller muss man erleben, denn diesmal hat Maarten S. Sneijder das Schlusswort:  
"Ich musste es richtig machen"
Dramatisch, temporeich, abgründig und fesselnd. Maarten S. Sneijder in Topform. LESEN und nicht mehr aus der Hand legen.