Donnerstag, 30. Juli 2026
Der andere Arthur von Liz Moore
Dienstag, 28. Juli 2026
Der Ozean so wild und weit Roman von Malachy Tallack
Montag, 27. Juli 2026
Unser Sommer endet nie von Virginie Grimaldi
Denn es gibt Mima.
Das Baskenland.
Das Meer, das rau ist.
Die Menschen, die direkt sind.
Und die Liebe, die dort ihren Platz findet.
Mima ist der sichere Hafen der beiden Mädchen, der Ort, an dem sie Kind sein dürfen. Doch die Wunden der Vergangenheit verschwinden nicht einfach. Sie wachsen mit ihnen, verändern sie, formen zwei völlig unterschiedliche Frauen: Emma, leise und vorsichtig. Agathe, wild, impulsiv, immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. In jeder Zeile spürt man dieses Band zwischen ihnen und dennoch trennen sie sich für Jahre.
Als Mima stirbt, führt der Verlust die Schwestern wieder zusammen. Ein letzter Sommer im Haus der Großmutter, durchzogen von Erinnerungen, Sehnsucht und der Hoffnung, dass alte Narben vielleicht doch heilen können. Die Autorin beschreibt das Meer, die Landschaft und das Lebensgefühl so eindringlich, dass man meint, selbst dort zu stehen. Die Rückblenden fügen sich wie Wellen aneinander, bauen Spannung auf, lassen etwas Unausgesprochenes zwischen den Schwestern schweben. Und als sich der Konflikt endlich löst, ist es unerwartet.
Dieses Buch hat mich tief berührt – vielleicht, weil ich selbst eine Schwester habe. Wir sind verschieden, aber wir haben auch gemeinsame Schatten, die uns verbinden. „Unser Sommer endet nie“ ist eine zarte, ehrliche Hommage an Schwestern, an Herzmenschen, an die, die bleiben. Ich werde es meiner Schwester schenken, um ihr zu zeigen, wie sehr ich sie brauche.
Eine absolute Leseempfehlung.
Montag, 22. Juni 2026
Udo Fröhliche von Benjamin von Stuckrad-Barre
Donnerstag, 11. September 2025
Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels von Vea Kaiser
Vea Kaiser erzählt in ihrem Roman das wilde, widersprüchliche Leben der Angelika Moser: eine junge Mutter aus bescheidenen Verhältnissen, die im Wiener Grand Hotel Frohner Karriere macht – und dabei immer tiefer in ein Netz aus Manipulationen, Rechtfertigungen und Selbstbetrug gerät.
Angelika ist keine klassische Sympathieträgerin. Anfangs macht es Spaß, sich an ihre Seite zu stellen, das Wiener Nachtleben zu erkunden und mit ihr über die Stränge zu schlagen. Doch je größer ihre Gier wird und je großzügiger sie ihre eigene Vorstellung von „Gerechtigkeit“ auslegt, desto stärker bin ich auf Abstand mit ihr gegangen. Am Ende fühlte sich Angelika für mich an wie eine langjährige Freundin, deren Leben man aufmerksam verfolgt – bis man irgendwann merkt, dass man sich über die Jahre auseinandergelebt hat.
Sehr gut beschrieben fand ich die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter. Angelika verachtet deren Lieblosigkeit und fühlt sich ihr doch verpflichtet. Auch ihre eigene Mutterrolle hat mich beschäftigt – allerdings nicht immer im positiven Sinn. Die Art und Weise wie ihr Sohn sich aufführt und wie hilflos die selbstbewusste Buchhalterin im Privatleben ist und vor allem die Tatsache, dass sie ihren erwachsenen Sohn weiterhin mit dem unterschlagenen Geld unterstützt, ließ mich zunehmend mit der Figur und ihrer Geschichte hadern.
Sehr gelungen ist der wienerische Ton: trocken, charmant und durchzogen von Ausdrücken, die Wien unmittelbar vor die Haustür holen. Trotz 800 Kilometern Entfernung fühlte ich mich mitten in der Stadt. Der Wiener Schmäh, die Gesellschaftskritik und der Blick auf den Unterschied zwischen Arm und Reich gehören für mich zu den stärksten Seiten des Romans.
Es entfaltet sich ein lebendiges Panorama Wiens – von den späten Achtzigerjahren bis in die Gegenwart. Nachtleben, Drogen, One-Night-Stands, Opernbälle und soziale Gegensätze ziehen an einem vorbei. Dennoch hätte die Geschichte für mich an einigen Stellen straffer erzählt werden dürfen.
Erhofft hatte ich einen Roman über einen spektakulären Betrugsfall nach wahren Begebenheiten. Bekommen habe ich das facettenreiche Porträt einer Frau, die ihren Betrug mit schwierigen Lebensumständen rechtfertigt: mit Armut, Einsamkeit, Verantwortung und dem Wunsch nach einem besseren Leben für ihr Kind. Der eigentliche Kriminalfall rückt dabei oft in den Hintergrund.
Dennoch eine unterhaltsame, sprachlich starke und gesellschaftskritische Lebensgeschichte mit einer faszinierenden, aber zunehmend anstrengenden Hauptfigur. Weniger Nebenhandlungen hätten dem Roman gutgetan.




