Donnerstag, 27. August 2026

Im Licht des neuen Tages von Jarka Kubsova


Mein Fazit: Eine interessante Verbindung aus tschechischer Literaturgeschichte, Familiengeheimnissen und mystischer Erzählweise.  Für mich blieb die Geschichte letztlich zu wenig greifbar und konnte mich trotz ihrer starken Ansätze nicht nachhaltig berühren. Schade, denn „Bergland“ von Jarka Kubsova hat mich damals wirklich bewegt.

Die fiktive Schriftstellerin Elli Hajek hat ihre tschechischen Wurzeln über viele Jahre verdrängt. Als sie in eine  Schreibkrise gerät, zieht sie sich in ein abgelegenes Haus im Wald zurück. Doch statt der erhofften Ruhe begegnen ihr dort die Geschichten ihrer Großmutter, die Erinnerungen an die Flucht aus Tschechien – und vor allem die Legende von Viktorka. Nach und nach beginnen die Grenzen zwischen Ellis eigener Vergangenheit, der Geschichte ihrer Familie und dem Leben der tschechischen Schriftstellerin Božena Němcová zu verschwimmen.

Besonders angesprochen haben mich die Themen des Romans: Heimatverlust, Identität, Flucht und verdrängte Vergangenheit. Die Passagen über Božena Němcová und ihre Bedeutung für die tschechische Literatur wurden lebendig und fesselnd beschrieben. Auch die bildliche Darstellung der tschechischen Natur sowie der Originalschauplätze der Viktorka-Geschichte haben eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, tief in eine fremde, geheimnisvolle Welt einzutauchen.

Trotz dieser starken Themen konnte mich die Umsetzung leider nicht vollständig überzeugen. Elli blieb mir als Hauptfigur emotional zu fern. Ihre Widersprüchlichkeit und ihre Entscheidungen waren für mich nur schwer nachvollziehbar. Sie stößt Menschen von sich, die ihr eigentlich helfen möchten, verschweigt ihre tschechische Herkunft sogar vor ihrer Tochter und reagiert mehr als dramatisch. Dadurch fiel es mir schwer, ihre Ängste und inneren Konflikte wirklich nachzuempfinden. 

Die Handlung selbst hat mich immer wieder ratlos zurückgelassen. Sie bewegte sich zwischen Märchen, Fabel und realistischer Familiengeschichte, ohne für mich ganz zu einer stimmigen Einheit zu verschmelzen. Die mystischen Begegnungen im Wald wirkten stellenweise eher wie künstliche erzählerische Mittel als wie Bestandteile der Geschichte. Zudem wiederholten sich die Erzählungen über Viktorka und Božena Němcová für meinen Geschmack zu häufig, wodurch der Lesefluss immer wieder ins Stocken geriet.

Dabei waren gerade die historischen Ebenen für mich deutlich stärker als Ellis persönliche Geschichte. Die Abschnitte über Božena Němcová haben mich neugierig gemacht und nachhaltig beschäftigt. Ellis Entwicklung hingegen blieb für mich blass und schwer greifbar – und genau das hat mich enttäuscht, weil in ihrer Geschichte eigentlich so viel emotionales Potenzial lag.



Von mir gibt es 3 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  26.08.2026
Verlag:  S. FISCHER
ISBN: 978-3-10-397497-3
Fester Umschlag
Seiten: 304


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