Freitag, 27. Januar 2017

Der Zug der Waisen von Christina Baker Kline


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    Erscheinungsdatum: 12.12.2016
    Verlag: Goldmann
    ISBN: 9783442481613
    Flexibler Einband: 352 Seiten

    Leseprobe

    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 
   Ein Zug voller Waisenkinder rollt im Jahr 1929 von New
   York Richtung Mittlerer Westen. Auch die neunjährige
   irische Immigrantin Vivian hofft darauf, ein neues Zuhause
   zu finden. Bis es so weit ist, muss sie einen schweren Weg
   gehen. Erst mit 91 Jahren vertraut sie sich der jungen
   Halbwaisen Molly an, mit der sie sich verbunden fühlt.
Christina Baker Kline hat ein trauriges und vergessenes Kapitel amerikanischer Geschichte zum Leben erweckt. Im Nachwort findet man von der Autorin zusammengestellte geschichtliche Details. Die Orphan Trains fuhren zwischen 1854 und 1929 in den Mittleren Westen, um unglaubliche 200.000 Kinder adoptionswilligen Paaren zuzuführen. Die von der „Children’s Aid Society“ vermittelten Kinder wurden allerdings häufig als billige Arbeitskräfte wie Sklaven gehalten. Hauptprotagonistin Vivian Daly ist eines dieser Kinder und steht für eine Generation ohne Liebe und Geborgenheit. Der zweite Handlungsstrang führt in die Gegenwart zu Molly, einer aufmüpfigen 17-jährigen Halbwaisen, die von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gereicht wird. Sie steht kurz davor, wieder aus einer Familie zu fliegen. Ihre letzte Chance sind Sozialstunden, die sie bei Vivian auf dem Dachboden mit Entrümpelungsarbeiten ableisten soll.

Das Schicksal einer alten Dame und die Selbstfindung eines Teenagers werden von der Autorin gekonnt miteinander verwoben. Einfühlsam, leise und gefühlvoll entwickelt sich eine Freundschaft, mit der niemand gerechnet hat. Eigentlich soll Molly nur den Dachboden für Vivian entrümpeln. Doch je länger die beiden Frauen die alten Dinge betrachten, desto näher kommen sie sich. Mit jedem Fundstück kehren mehr Erinnerungen zurück und Vivian beginnt, Molly von ihrem Leben zu erzählen. Die Handlungsstränge werden durch Kapitel und Jahreszahlen getrennt erzählt, sodass man der Geschichte gut folgen kann.

Besonders Vivian wirkt sehr authentisch und lebendig. Zusammen mit ihr durchlebt man all die schrecklichen Dinge, die ihr widerfahren sind.



"Keine Erwartungen zu haben macht das Ganze leichter zu ertragen. Ich bin überzeugt, dass ich am Ende wieder im Zug landen werde, um an der nächsten Station wieder ausgeladen, mit den anderen verbleibenden Kindern vorgeführt und dann wieder zurück in den Zug verfrachtet zu werden."
Tief getroffen hat mich, wie dieses kleine Mädchen sich selbst eine Gefühllosigkeit auferlegt, um überleben zu können. Als erwachsene Frau trifft sie ein weiterer Schicksalsschlag, von dem sie sich nie ganz erholen wird und ihre Gefühle endgültig für sich behält.

Mich hat dieser Roman sehr berührt. Im Anschluss habe ich noch viel über die Orphan Trains gelesen und bin froh, durch diese Geschichte mehr darüber erfahren zu haben. 


Website der Autorin: http://christinabakerkline.com/


 
 

Kommentare:

  1. Liebe gela,
    ich habe das Buch schon vor einiger Zeit gelesen (Hardcover) und es hat mich auch sehr beeindruckt. Es ist sicherlich eines der Bücher, die mir immer in Erinnerung bleiben werden.
    Liebe Grüße
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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  2. Hallo Martina,
    dieses Buch scheint viele Leser begeistert zu haben. Bücher die Geschichtliches lebendig werden lassen finde ich immer sehr interessant. Hier ist die Umsetzung wirklich gelungen.
    Liebe Grüße
    Gela

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