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Freitag, 25. September 2026

Niemals geht man so ganz - Ein Trauerredner ermittelt von Andreas Izquierdo



Auch ohne den ersten Band gelesen zu haben, habe ich mühelos in diese Geschichte hineingefunden. Der sehr intensive Auftakt hat bei mir die ersten Härchen aufgestellt und sofort eine geheimnisvolle, leicht unheimliche Stimmung geschaffen.

Mads ist ein sympathischer Protagonist mit Ecken und Kanten, der gerne auf eigene Faust ermittelt und nicht auf die Polizei vertraut. Als Trauerredner begegnet er Menschen mit viel Empathie und Wärme. Gleichzeitig besitzt er eine enorme Hartnäckigkeit, wenn er die Wahrheit jagt.   Gerade diese Widersprüche machen ihn glaubwürdig und nahbar, weil er eben nicht perfekt ist. Besonders sind seine sanften und einfühlsamen Momente mit der kleinen Tilly.  . 

Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf. Rätselhafte Sprüche auf einem Kartenspiel machen neugierig und führen teilweise auf falsche Fährten, laden aber gleichzeitig dazu ein, selbst mitzurätseln. Die Gespräche zwischen Mads und Tilly verleihen dem Krimi eine ganz eigene, mystische Note. 

 „Er schläft ohne Atem, im Schatten versteckt, doch flüstre seinen Namen, und der Sturm wird geweckt.“

Der Krimi liest sich leicht und fluffig am Stück, wird aber von Seite zu Seite zunehmend düsterer und gefährlicher.

Gelungen finde ich die Mischung aus Spannung, Feinfühligem, menschlicher Wärme und einer für meinen Geschmack etwas zu großen Prise Humor. Der Autor hat die Figuren mit einem feinen Augenzwinkern gezeichnet und genau deshalb sind sie natürlich, geheimnisvoll, eigenwillig und auch liebenswert. 

Mich hat der Schreibstil von Andreas Izquierdo wieder überzeugt. Lediglich der Nebenplot rund um Mads und seinen Vater – inklusive Udo-Jürgens-Songs und dem Ältere-Damen-Trio – enthielt für mich zu viel Cosy statt Crime. 

Ich freue mich auf den nächsten Roman des Autors.

Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten

Buchinformationen
Erschienen:  15.09.2026
Verlag:  DuMont Buchverlag
ISBN: 9783755800125
Flexibler Umschlag
Seiten: 304

Freitag, 27. Mai 2016

Romeo und Romy von Andreas Izquierdo




    Erscheinungsdatum: 11.04.2016
    Verlag: insel taschenbuch
    ISBN: 9783458361411
    Flexibler Einband: 491 Seiten

    Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkten 

Für Romy scheint der Schauspielerinnen-Traum zerplatzt zu sein. Von der Bühne in den Souffleusen-Kasten verbannt und dann auch noch gefeuert. Als ihre Oma stirbt, will sie sich nur noch verkriechen und das funktioniert am besten im heimatlichen Erzgebirge. Doch die einstige Idylle gibt es nicht mehr. Vielmehr streiten sich die hochbetagten Einwohner um die letzten beiden Friedhofsplätze, denn der Friedhof im Nachbardorf ist für sie keine Alternative. Bevor die lebensmüden Senioren auf weitere dumme Gedanken kommen, spannt Romy sie für einen tollkühnen Plan ein. Sie will mitten im Nichts aus einer verfallenen Scheune ein elisabethanisches Theater zaubern und zusammen mit den Alten Romeo und Julia inszenieren.


Andreas Izquierdos Schreibstil ist erfrischend und kurzweilig. Liebevoll geschilderte Charaktere, die langsam immer persönlichere Züge erhalten, machen den besonderen Reiz der Geschichte aus. Anfängliche Schrulligkeit weicht bewegenden Schicksalen. Trotz der leichten Note und den humorvollen Szenen gibt es nachdenkliche Momente, die auf das Aussterben von kleinen Dörfern, die Hoffnungslosigkeit des Alters und den Umgang von jungen Menschen mit Senioren hinweisen.
"Das Leben verbraucht den Geist, das ist wahr, aber es kann ihn auch mit neuer Kraft befeuern."
Durch den Tod ihrer Oma kehrt die gescheiterte Schauspielerin Romy in ihr Heimatdorf Grosszerlitschern zurück und findet dort eine trostlose Dorfgemeinschaft vor, die mehr oder weniger auf ihr Ableben wartet. Dabei ist der Einfallsreichtum der Senioren an einen der heiß begehrten Friedhofsplätze zu gelangen, herrlich humorvoll umgesetzt. Romy kommt gerade rechtzeitig, um dem gefährlichen Spiel ein Ende zu setzen. Naiv, aber voller Tatendrang stürzt sie sich in die Umsetzung ihres Traums ein elisabethanisches Theater zu bauen. Trotz erheblicher Rückschläge, Geldmangel und altersbedingten Problemen ihrer Helfer wandelt sich die Stimmung im Dorf.

Ein besonderes Schmunzel-Highlight sind die ersten Proben. Romeo und Juli im Rentenalter sind schon ein Hingucker, dann aber auch noch im breiten sächsischen Dialekt, einfach klasse:


"De Lärsche wors, de Dageswäschdorinn, nisch de Nachdigoll. ..."
Obwohl Romy die Hauptfigur des Romans ist und mit allerlei Schatten aus der Vergangenheit zu kämpfen hat, spielen die Alten sie herrlich an die Wand. Für mich ist es ein Wohlfühlroman mit einem Appell an alle, das Alter nicht als Sackgasse zu sehen. Tolle Charaktere, die für ihren Traum kämpfen. Man muss sie einfach gern haben.
 

Freitag, 17. Oktober 2014

Der Club der Traumtänzer von Andreas Izquierdo

Das Leben macht Spaß, es ist großartig Erfolg zu haben. Genauso sieht es der Unternehmensberater Gabor Schöning. Doch kurz bevor er einen weiteren Sprung auf der Karriereleiter machen kann, verursacht er einen Unfall und verletzt eine Sonderschul-Rektorin schwer. Damit der prikäre Auslöser des Unfalls nicht bekannt wird, fordert Kathrin als Ausgleich von ihm, sich um eine Gruppe Sonderschüler zu kümmern. Was als schwieriger Tanzkurs beginnt, entwickelt sich nicht nur für die Kinder zur lebensverändernden Maßnahme.

Andreas Izquierdo hat einen wundervoll leichten Schreibstil, der genau die richtigen Töne trifft. Dieses Buch ist besonders.

Man fühlt sich wie in einer Achterbahn der Gefühle.

Vor Beginn der Fahrt freut man sich auf das Abenteuer, es kribbelt leicht im Bauch

Mit viel Humor und nackten Tatsachen konfrontiert, lernt man Gabor Schöning kennen. Typisch erfolgreicher Karrieretyp, der sich nimmt, was er will.

              "Sein blanker Po flammte wie der Lichtkegel eines Leuchtturms mal von
               links, mal von rechts darin auf, während treibende südamerikanische
               Rhytmen die Luft erzittern ließen."
Die Achterbahn nimmt Fahrt auf und man ist überrascht von den unvorhersehbaren Kurven

Der so überheblich wirkende Unternehmensberater setzt sich für die Kinder ein. Die Schicksale, die sich auftun, lassen ihn nicht kalt und er versucht zu helfen. Auch wenn er teilweise weit über das Ziel hinausschießt.

Die Alltagsschilderungen der Kinder bewegen und machen deutlich, dass die Schublade "Sonderschüler" viel zu oft verschlossen bleibt und man den Inhalt anschauen sollte, bevor man sein Urteil fällt.

Aus der Kurve heraus lehnt man sich zurück und genießt die Fahrt, beruhigt sich

Die Tanzkinder und Garbor haben sich zusammengerauft und man erfährt viel über Tanzstile. Die Tango-Begeisterung ist zu spüren.
Der Buiseness-Alltag wird beleuchtet mit all seinen unschönen Facetten.

Schlussfahrt, man möchte aussteigen, weil man ein mulmiges Gefühl bekommt

Felix, eines der Tanzkinder erkrankt schwer. Die emotionale Tiefe dieses Abschnitts hat mich sehr bewegt. Man merkt, dass sich der Autor intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt hat. Behutsam wird man auf das Unausweichliche vorbereitet und trotzdem oder gerade deswegen fließen die Tränen beim Lesen. Die Stärke und der Mut dieses jungen Menschen ist bewundernswert.

Ende der Fahrt - einfach glücklich sein

Dieses Buch hat mich sehr bewegt und nachdenklich gemacht. Gleichzeitg war es unterhaltsam und lebensfroh.
Ich kann nur sagen: Unbedingt lesen!